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Meine „Women with Attitude“-Aktion ist nun bereits mehrere Monate her. Natürlich hat das Thema in der Zwischenzeit nicht an Relevanz verloren. Deshalb möchte ich einer weiteren sehr beeindruckenden Teilnehmerin meiner Aktion eine kleine Plattform bieten. Aco MC aus Bielefeld veröffentlichte ihre erste EP 2015 über Bandcamp. Ihr inzwischen drittes Release soll noch dieses Jahr erscheinen. In drei Songs durfte ich bereits reinhören – und was soll ich sagen, es lohnt sich in jedem Falle die Augen offen zu halten!

Liebe Aco, vielen Dank dass du bei meiner Women With Attitude-Aktion mitgemacht hast und dir nun Zeit für meine Fragen nimmst. Erzähl mir doch von deinem musikalischen Werdegang – wie kamst du zum Mic, was hat dich zu Beginn an Rap begeistert?

Zum HipHop allgemein bin ich ursprünglich über das Tanzen gekommen. Ich erinnere mich daran, dass ich als Teenager in einer HipHop-Formation war und über diesen Weg Kontakt zur Kultur bekommen habe. Rap hat mir besonders gefallen, weil der Fokus auf der Sprache liegt. Irgendwann wollte ich meinen Idolen nacheifern und habe angefangen, eigene Texte zu schreiben. Die ersten Texte waren daher auch auf Englisch. Leider hatte ich niemanden in meinem Umfeld, der auf dem gleichen Film war wie ich. Mit meinem Hobby war ich sehr lange allein und deshalb sage ich immer, dass ich schlecht ‚HipHop-sozialisiert‘ wurde. Erst mit 18 habe ich die nötigen Kontakte zu Rappern knüpfen und mein Wissen erweitern können. So kam es auch zu meiner ersten richtigen Aufnahme – nicht mehr mit Kassetten-Recorder im Kinderzimmer (hehe). Das ist jetzt zehn Jahre her und seitdem bin ich dabei geblieben.

Seit 2015 bringst du in etwa jährlichem Abstand eine neue EP – ein ordentlicher Output, bedenkt man, dass du „ganz nebenbei“ noch promovierst. Wie passen diese beiden Welten, Promotionsstudium und Rap, für dich zusammen?
In der Tat eine elementare Frage. Quasi das zentrale Zweigespann in meinem Leben. In einem Text sage ich dazu: „Nennt mich ambivalent – ich sage, ich bin vielseitig.“ Ich finde es immer wichtig, das Gleichgewicht zu bewahren, alle Lebensbereiche betreffend. Ich mache zwar einen großen Spagat, rein zeitlich betrachtet, aber so halte ich in mir selbst insgesamt die Waage, weil beides zu meiner Person gehört. Ich bin nicht nur Wissenschaft und ich bin nicht nur Rap. Ich gebe aber ehrlich zu, dass ich mich auf die Zeit freue, die mich nach meiner Diss erwartet. Das Privatleben schraube ich tatsächlich sehr zurück.

Du kommst aus Bielefeld, eine Stadt, die in der Rap-Szene vor allem mit Casper assoziiert wird. Folgt man dir auf Social Media entsteht aber der Eindruck, dass die Stadt durchaus eine sehr pulsierende Rap-Szene zu bieten hat. Wie wichtig ist deine Heimat für dich und wie ist es für dich als Künstlerin, sich in der hiesigen Rap-Szene zu bewegen?

Ich freue mich, dass die Aktivität der Szene hier in Bielefeld über die sozialen Netzwerke erfolgreich transportiert wird. Das ist ein gutes Feedback für uns. Es gibt zahlreiche Leute, die sehr engagiert daran arbeiten, die lokale HipHop-Kultur zu beleben und auszubauen, beispielsweise durch regelmäßige Jams, Konzertreihen, Open-Mic-Sessions, dokumentarische Videobeiträge oder den gerade releaseten BeatBuffet Sampler. Wir vernetzen uns dabei in ganz OWL. Für mich persönlich ist es sehr wichtig, ein Teil DIESER Szene zu sein, weil ich eng mit meiner Stadt verwurzelt bin und es mich immer wieder hierhin zurückzieht. Den Rückhalt und Support, den ich von der hiesigen Szene erfahren habe, möchte ich zurückgeben und reinvestieren. Ich versuche das, indem ich bei verschiedensten Events auftrete, in der Jugendarbeit aktiv bin, an lokalen Produktionen mitarbeite und auch als Konzertbesucher verlässlich am Start bin. HipHop lebt davon, dass jeder etwas beiträgt. Allerdings beobachte ich schon länger das Problem, dass nachfolgende Generationen fehlen. Insgesamt wird die Szene immer älter, es kommen kaum junge Leute nach. Eine Erklärung dafür habe ich nicht wirklich, aber ich sehe das als eine Gefahr für den Erhalt der Community.

Deine neue EP soll noch dieses Jahr erscheinen, drei Tracks davon durfte ich schon vorhören. Besonders gefallen hat mir daran, dass sie zwar eine selbstreflexive und melancholische Ebene hatten, aber dennoch alltägliche Situationen recht leicht einfangen. Inwiefern gab es für die EP ein Konzept? Oder hast du einfach aus der Situation heraus Tracks geschrieben, die nun in dieser EP zusammen finden?

Bei der geplanten EP ist es so, dass wir verschiedene Tracks potentiell zur Auswahl hatten bzw. haben. Da ich aber versuche, thematisch immer einen roten Faden zu erzeugen, sind einige Tracks aussortiert worden. Das Konzept ergibt sich meist aus der Situation: Ich schreibe immer Texte, die meine Emotionen spiegeln. Je länger mich ein Thema privat beschäftigt, desto mehr Songs entstehen dazu. Sie passen dann auch thematisch zusammen und so ergibt sich am Ende der Tenor. Ich wünsche mir tatsächlich, dass es gelingt, das Teil noch dieses Jahr fertigzustellen, aber lehne mich nur ungern zu weit aus dem Fenster (haha).

Für deine neue EP hast du ausschließlich mit einem Produzenten gearbeitet – mit [moza’i:k]. War das eine bewusste Entscheidung? Und warum war dir das wichtig?

Die Arbeit mit anderen Produzenten als [moza’i:k] ist für mich gleichermaßen eine Option und ich freue mich immer, wenn andere Producer auf mich zukommen! Auf der „Treibstoff EP“ finden sich daher auch andere Namen wie zum Beispiel Chris Brauer oder Cut Spencer. Durch die oben beschriebene Songauswahl hat es sich aber bei der geplanten EP so ergeben, dass nur Beats von [moza’i:k] dabei sind. Wir arbeiten jetzt schon lange zusammen und er kennt meinen Geschmack einfach am besten. Ein Beat kann noch so ein Brett sein – wenn er mich nicht im Herzen berührt, kann ich darauf nicht schreiben.

Hier könnt ihr euch Aco MCs letzte EP anhören:

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