Muthertag 2015 - Foto: Jim Gramming

Foto: Jim Gramming

Die Zeit der großen Jahresrückblicke ist eigentlich längst vorbei und auch ich habe ja schon ausgiebig über das vergangene Jahr reminisziert. Dennoch möchte ich das frisch gebackene Jahr 2016 nochmals nutzen, um einen Blick zurück zu werfen auf eine Auswahl der für mich schönsten Abende 2015 – die besten Live-Konzerte.

12 Muthertag @ Oberhafenkantine, Hamburg
Sonnenschein, Wasserpistolen und die Skyline der Elbphilharmonie-Kräne in Riechweite – das war der Muthertag 2015, die erste Party der frisch gegründeten Muther Manufaktur, in der Hamburger Oberhafenkantine. Wie eine riesige Familienfeier mutete das Line Up, das sich größtenteils aus dem Funkverteidiger-Umfeld zusammensetzte, an. Auch wenn das Publikum sich etwas nordisch-träge präsentierte, lag da ganz viel Liebe in der Luft.

11 Roboti Niro „Travelling Spaces“-Releaseparty @ Stilbrvch, Göttingen
Releases zu feiern, an denen man selbst als PR-Beauftragte mitgearbeitet hat, sind zugegeben immer etwas ganz besonderes. In einer schönen Sommernacht traf man sich also im Göttinger Studentenclub „Stilbrvch“ und feierte die „Travelling Spaces“ von Roboti Niro. Neben Robotis wunderbaren DJ-Set begeisterten mich vor allem die Jungs vom Black Bear Basement. Ich möchte gar nicht so viel dazu verraten, außer: Da wird Instrumentalmusik völlig neu erfunden. Mehr davon!

10 Oddisee @ Conne Island, Leipzig
Ein wunderbarer Künstler, dieser Oddisee. Nicht nur hat er in diesem Jahr ein wirklich wunderbares Album veröffentlicht, auch ist ihm mit seiner „Good Company“-Band ein wahrer Geniestreich von Konzertreihe gelungen. Oddisee interpretiert HipHop so musikalisch und authentisch, dass es einfach jeden Besucher catcht. Auf einem so tiefen Rang ist er nur, weil es in diesem Jahr noch so wahnsinnig viele andere großartige Konzerte gegeben hat.

9 Absztrakkt @ Täubchenthal, Leipzig
Absztrakkt einmal live zu sehen war ein großer Wunsch von mir – und ich wurde nicht enttäuscht. Es war wunderbar, den charismatischen Künstler in seinem Element zu erleben, ein inneres Leuchten ins Außen sendend, in sich gekehrt und doch präsent. Unterstützt wurde er dabei von R.U.F.F.K.I.D.D., Defekt 32 und DJ Eule, ergo eine sehr energiereiche und doch harmonische Gruppe.

8 Wagners Ring @ Anhaltisches Theater, Dessau
Im Mai habe ich mich – nach 25 Jahren mehr oder weniger regelmäßiger Theaterbesuche – endlich einem absoluten Monument an Werk hingegeben. Zum ersten Mal seit einem halben Jahrhundert wurde im Anhaltischen Theater zu Dessau Richard Wagners „Ring der Nibelungen“ aufgeführt. In vier Opern von insgesamt ungefähr 16 Stunden Länge (ohne Pause) erlebt man den berühmten Mythos um Wotan, Brunhilde und Siegfried sowie zahlreicher weiterer Charaktere, die alle auf haarsträubende Art und Weise miteinander verwandt sind. In der Dessauer Inszenierung durchlebten die Protagonisten darüber hinaus einen medialen Wandel. Da tanzen die Rheintöchter in einer überdimensionalen Filmrolle und Siegfried kämpft im besten Computer-Spiel-Modus über mehrere Level mit dem Drachen. Dazu die imposante Musik Wagners in einem so großen Theater – welch beeindruckendes Erlebnis!

7 all 4 HipHop Jam @ Conne Island, Leipzig
2015 ist das erste Jahr, wo die a4hh-Jam nicht auf dem ersten Platz meiner Super-Events landet, die generell diesmal gar nicht so HipHoppig sind wie sonst. Das liegt nicht daran, dass die Jam in diesem Jahr in irgendeiner Art und Weise schlechter gewesen wäre, ganz im Gegenteil: Das HipHop-Quiz von Scientist war sehr unterhaltsam, das Line Up hochgradig deliziös und als Sahnehäubchen nach stundenlangem Rumhängen, mit lieben Menschen reden, Freestyles lauschen und Co. gab es meinen persönlichen Rapgott Talib Kweli. Ein sehr gelungener Abend!

6 Morlockk Dilemma @ Distillery, Leipzig

Auch wenn Dilemma Leipzig schon vor vielen Jahren verlassen hat: Homebase bleibt Homebase. Und das spürte man an einem Herbstabend in der Leipziger Distillery, denn die Show des Rappers war ein einziges „Boom“. Begeistert hat mich außerdem GALV, der mit ungeheurer Energie seine Verse schmetterte und nicht nur whack MCs, sondern förmlich die ganze Szene wegburnte (Entschuldigt die kurze Slang-Eskalation). Als wunderbarer Kontrast bleibt mir sein gemeinsamer Track mit dude26 im Gedächtnis. Dazu gab es ein wunderbar herzliches Publikum.

5 EPMD @ Faust, Hannover
Bei HipHop-Legenden ist das ja immer so eine Sache: Die wenigsten haben noch Lust zu touren und wenn dann nur in Verbindung mit viel Gin, Scotch oder weißem Pulver. Bei EPMD war das anders (auch wenn ich über ihren Rauschmittelkonsum zugegeben nur wenig sagen kann). Die beiden MCs zeigten eine Energie auf der Bühne, von der sich viele Nachwuchskünstler noch etwas abgucken können, gaben sich professionell und nahmen sich dabei doch selbst nicht allzu ernst. Eine absolut gelungene Show!

4 Curse @ Conne Island, Leipzig

Wo wir nochmal bei Legenden wären: Zwar versetzte das letzte Soloalbum von Curse dem ein oder anderen HipHop-Fan einen kleinen bis mittelgroßen Stich ins Trueschooler-Herz, doch wenn der Mindener Wortakrobat zur „Feuerwasser“-Jubiläumstour einlädt, dann ist die Halle natürlich voll. Und das zurecht: Mit sehr viel Herzenswärme und Leidenschaft performte Curse alle Tracks von „Feuerwasser“, plus noch den ein oder anderen Lieblingssong aus seiner Karriere. Absolut verdient erobert der Rapper so den höchsten Rang in Sachen Rapkonzerte 2015.

3 Street Jazz Releaseparty // CHROM @ LUX, Hannover
Eine weitere Releaseparty hat es in meine Topliste geschafft. Zwar gab es zu „Street Jazz“, dem ersten Release von Catch The Beat, gleich drei Releasepartys, jedoch war dies die für mich erste und auch längste Party mit einem wunderbaren Line Up: Kova und Figub Brazlevic packten ihre smoothesten Platten aus, Überraschungsgast Clockwerk zeigte der Welt, was eine MPC so kann (und wie!) und am Ende riss Falk Schacht den Laden mit einem Lächeln und irgendwas zwischen Old School Rap, Soulsamples und Trap ab. Groß-ar-tig!

2 Sinfoniekonzert @ Anhaltisches Theater, Dessau
Noch ein klassisches Kulturevent hat es in meine Liste geschafft. Wieder war ich im Anhaltischen Theater Dessau, diesmal zu einem Sinfoniekonzert. Das Motto des 8. Sinfoniekonzertes in der Spielzeit 2014/2015 war „Houdoe! Auf Wiedersehen!“, denn es hieß Abschied nehmen vom allseits sehr beliebten Generalmusikdirektor Antony Hermus. Das Konzert begann mit einer Konzertouvertüre des Niederländers Johan Wagenaar, gefolgt von einem Violinkonzert einer meiner Lieblingskomponisten, Antonín Dvorák. Das eigentliche Highlight war für mich jedoch Mussorgskis „Bilder einer Ausstellung“, das an diesem Abend so imposant und leidenschaftlich gespielt wurde, dass es mir eine Gänsehaut versetzte und mich in vielerlei Hinsicht sehr berührte. Die emotionale Grundstimmung, ein zu Tränen gerührter Generalmusikdirektor und eine Auswahl großartiger konzertanter Musik – dieser Abend wird mir noch lange im Gedächtnis bleiben.

1 Gregory Porter @ Haus Auensee, Leipzig
Ein besonderes Geschenk zum 25. Geburtstag: Gregory Porter wurde mir schon mehrfach als Livekünstler empfohlen. Von seinen Alben war ich schon längst Fan. Ende des Jahres traf es sich nun, dass der wunderbare Soul- und Jazzsänger im Haus Auensee zu Gast war. Und was soll ich sagen? Vom ersten Ton seines Vor-Acts Avery Sunshine an war ich hellauf begeistert. Gregory Porter selbst begeisterte mit einer einzigartigen Liveband und seiner warmen und dennoch präzisen Stimme gepaart mit wunderbaren Liedtexten. Ich glaube, es gibt nur wenige Musiker auf der Welt, die dem das Wasser reichen können.

2016 geht es weiter bei Mona Lina. Wie? Das findest du am besten raus, indem du mir bei Facebook oder Twitter folgst.

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