Vor einigen Jahren wurde ich auf Facebook zu einem dieser „Poste die 10 wichtigsten Musikalben“-Spiele nominiert und habe es mir damals nicht nehmen lassen, die Plattenkiste mit den für mich wichtigsten Alben mit umfangreichen Kommentaren zu versehen. Eher zufällig bin ich neulich wieder über diese Liste gestolpert – und habe festgestellt, dass ich auch heute noch uneingeschränkt dazu stehen kann. Ein Klassiker bleibt eben ein Klassiker, und manche Musik wird nie alt. Im Gegenteil: Ich feiere all diese Alben noch heute so sehr, dass ich sie gern mit euch teilen möchte. Und weil ich mich noch nie gern an unnötige Regeln gehalten habe, gibt es statt meinen Top 10 hier meine 12 Lieblingsalben aller Zeiten in beliebiger Reihenfolge.

Common – Be (2005)
Für mich eines der großartigsten Gesamtwerke aller Zeiten, auf allen Ebenen. Zum Intro „Be“ möchte ich am liebsten täglich aufwachen, allein für die Basslinie. Kanye West (Ja!) hat für sich für mich hier zum Gott produziert – und dann kommt J. Dilla auf „Love is“ und schießt das Album bis in den Sternenhimmel mit einem wunderschönen Instrumental. Apropos „Love is“ – für „Lovin you is lovin me” möchte ich Common gern heiraten. Zumindest ein kleines bisschen.

Masta Ace – A long hot summer (2004)
Ich denke, wer mich kennt, der weiß, welche Rolle dieses Album in meinem Leben spielt. Ich glaube kein Song hat mein Leben so geprägt und bereichert wie „Beautiful“, und das ist nur eine von unendlich vielen, wunderbaren Nummern auf diesem Longplayer. Von diesem Album werde ich noch meinen Enkeln erzählen. Und wenn ich für den Rest meines Lebens nur noch ein einziges Album hören dürfte, dann wäre es dieses.

Donato – Enzo (2014)
Dass Donato einer meiner absoluten Lieblingsrapper ist, ist bekannt – das war auch schon lange vor „Enzo“ der Fall. Nun traf es sich, dass ich Marco zum einen menschlich sehr, sehr gern habe, und er zum anderen offenbar von meiner Arbeit recht angetan war, so dass „Enzo“ zu meinem ersten großen PR-Projekt wurde. Über viele Monate lang gab es kaum einen Tag, an dem es mal nicht um „Enzo“ ging – irgendwann fühlte sich dieses Album an wie mein eigenes, ich kannte jedes Wort, jede Tonfolge. Unabhängig von meiner Arbeit für Donato halte ich dieses Album für eines der Größten in Sachen emotionaler, tiefgründiger Deutschrap. Ich kann nicht in Worte fassen, wie viel es mir bedeutet, ein Teil davon gewesen zu sein. Ich hatte definitiv noch nie so eine enge Bindung zu einem Release.

The Foreign Exchange – Connected (2004)
Jetzt kommen die beiden Alben, die an viel zu vielen Menschen vorbeigegangen sind: The Foreign Exchange, eine internationale Combo aus Phonte (Little Brother) und Produzent Nicolay, haben mittlerweile vier gemeinsame Alben am Start, von denen das Erstlingswerk von mir den Stempel Klassiker bekommt. Der Grund: Herrlich atmosphärische, harmonische Instrumentals mit hohem Wiedererkennungswert und der genau richtigen Mischung aus Unaufdringlichkeit und Innovation treffen auf einen singenden und rappenden Phonte in Höchstform. Und dann ist da noch „Happiness“. Dieser wunderbare Song „Happiness“. Achja.

Access Immortal – Shades of Reality (2005)
Ich habe in meinem Leben genau drei Menschen getroffen, die Access Immortal kannten. Im zarten Alter von 15 Jahren habe ich sein Debütalbum in den Weiten des Internets entdeckt – und hatte Tränen in den Augen, als ich es ein Jahr später nach endloser Suche in einem Berliner Plattenladen entdeckte. Ich liebe die Melancholie der Platte, die Produktionen (vor allem die von Vanderslice – was auch immer aus diesem Kerl geworden ist) ebenso wie die Texte. Vielleicht gibt es Rapper wie ACS zu Hauf im amerikanischen Underground, vielleicht war es Zufall, dass mir seine Musik in die Hände fiel – aber bis heute kann ich dieses Album uneingeschränkt feiern.

Lauryn Hill – The Miseducation of Lauryn Hill (1998)
Ich weiß nicht, ob ich irgendetwas zu diesem Album schreiben muss. Lauryn Hill ist GOAT. Sie hat nur dieses eine Album gebraucht, um für mich zu einer der größten Solokünstlerinnen aller Zeiten zu werden. Nichts, ich wiederhole: Nichts, wird jemals an Songs wie „Doo Wop (That Thing)“ und „Everything is Everything“ rankommen, und Drake kann noch so oft „Ex-Factor“ samplen, es wird nie an Lauryns Original rankommen. Ich bin unfassbar verliebt in dieses Album. Achja, „Everything is Everything“ hat übrigens eines der besten Musikvideos der Welt.

Talib Kweli – Quality (2002)
Der obligatorische Kweli. Es war das erste Album, was ich von dem BK MC meines Vertrauens hatte. Ich kann mich noch heute an meine Gänsehaut erinnern, als ich „Get by“ das erste Mal gehört hatte (noch so ein Kanye-West-sollte-einen-Orden-kriegen-Ding), fühle mich immernoch wie frisch verliebt, wenn ich „Talk to you“ höre und muss selbst in der vollsten U-Bahn mitrappen, wenn mein iPod „Good to you“ shuffled. Für mich hat das Album so viele Highlights hervorgebracht – plus es hat mich endgültig zum Kweli-Fan werden lassen.

Alicia Keys – Songs in A Minor (2001)
Das einzige Nicht-Rapalbum in meiner Liste. Daher steht es fast etwas symbolisch für die große Sammlung an wunderbaren Soul- und R&B-Alben, die ich mein Eigen nennen kann. „Songs in A Minor“ habe ich ausgewählt, weil Alicia Keys mir als Teenie echten Rhythm’n’Blues deutlich näher gebracht hat – und weil es für mich immer noch eines der besten R&B-Alben aller Zeiten ist. Diese wunderbare Zeit, bevor sie nur noch grölte, als Songs wie „Caged Bird“ und „Butterfly“ stimmlich wie Wasser flossen und dabei so herrlich verletzlich klangen. Dieses „Fallin‘“, was mich immer noch bei jedem Hören flasht, und dieses „Goodbye“, was mich zu Tränen rührt. Ein wunderbares Album!

Curse – Sinnflut (2005)
Ich weiß nicht genau, warum es gerade dieses Curse-Album ist, an dem mein Herz so sehr hängt. „Sinnflut“ hören ist immer ein bisschen wie nach Hause kommen. Wenn die ganze Welt sich zu verändern scheint, einer dieser berühmten „Turning points“ im Leben erreicht ist, dann wird „Sinnflut“ auf den Plattenteller gelegt. Naja, und zwischendurch auch ab und zu. Vielleicht sind es gerade die Geschichten, die Curse auf der Platte erzählt – die traurigen, wütenden ebenso wie die hoffnungsvollen (und gerade diese). Vielleicht ist es aber auch einfach nur ein großartiges Rapalbum, genau nach meinem Geschmack. Auf jeden Fall hat „Sinnflut“ einen festen Platz in den All Time Favorites reserviert.

Up Hygh – The Venus Album (2006)
Wieder ein Album, das auf mysteriöse Art und Weise einfach so gut wie niemand kennt. Über Up Hygh ist so gut wie nichts rauszufinden, außer dass sie ein schwedisches Producer-Duo sind – und nach ihrem 2006er „The Venus Album“ auch so ziemlich in der Versenkung verschwunden sind. Wenn jemand weiß, wo die Jungs stecken, gebt mir Bescheid – ich brauche dringend mehr von ihrer Musik! „The Venus Album“ habe ich damals eher zufällig beim Plattendealer meines Vertrauens aufgegabelt und habe es auch nirgendwo wieder gesehen. Mit jedem Jahr weiß ich das Album mehr zu schätzen. Die knarzigen Off Beat-Produktionen und die illustren Featuregäste machen das Album zu etwas einzigartigem – und zu einem festen Teil meiner DJ-Sets.

Amewu – Leidkultur (2012)
Vor inzwischen sechs Jahren kam „Leidkultur“. Ich saß in meiner Wohnung in Leipzig, als ich das Album das erste Mal komplett hörte, und da war dieses Gefühl: Wow, das ist ein Album, was dich dein Leben lang begleiten kann. Es ist das sicher düsterste Album auf dieser Liste – so düster, so traurig, so wütend, dass es einem beim Hören manchmal einen echten Kloß im Hals verpasst. Ich kann nicht in Worte fassen, wie sehr mich Phases Part auf „Abschied“ berührt hat – gerade als ich mich im letzten Jahr mit einer ähnlichen Situation konfrontiert sah. Amewu selbst vereint für mich all das, was ein kompletter MC haben muss: Die Inhalte, die Technik, die Musikalität. Ich bin sehr, sehr dankbar für dieses Album.

Reflection Eternal – Train of thought (2000)
Zum Ende noch ein Klassiker. Natürlich ist die Reihenfolge dieser Liste nicht repräsentativ, sondern ganz frei Schnauze. Der gute Talib Kweli hat es mit diesem Album hier direkt noch ein zweites Mal in meine Top 10 geschafft – aber für mich als Conscious Rap Junkie ist dieses Album natürlich in gewisser Weise der Heilige Gral. Ich kann mir nicht vorstellen, dass „Train of thought“ musikalisch oder inhaltlich jemals an Relevanz verliert. Zumindest für mich nicht. Keep on dancing, you got to keep on dancing…

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