Es gibt nur weniges, was mich meiner Leidenschaft für Musik so nahebringt, wie eine schwitzende Menschenmenge, guter Sound aus den Boxen und ein Live-Act, der abreißt. Auch wenn mein Konzertpensum in diesem Jahr durch einen längeren Auslandsaufenthalt etwas kleiner war – an folgende Events erinnere ich mich besonders gern zurück.

01 Tapefabrik 2018
Ich glaube, 2018 ist das erste Jahr in dem ich die Tapefabrik mal fast ausschließlich als Gast besuchen und mehr als ein einziges Konzert ansehen konnte. Schön war’s: Ein Deutschrap-Lineup aus dem Bilderbuch, und wenn auf der Hauptbühne gerade nichts nach dem eigenen Gusto lief, gab es auf dem Beatfloor gute Vibes auf die Ohren. Am 9. März geht es wieder auf Kurzreise nach Wiesbaden für die nächste Ausgabe des Lieblingsfestivals deiner Lieblings-HipHop-Heads. Die Vorfreude ist real!

02 Masta Ace in Halle
Masta Ace ist einer meiner persönlichen Rapgottheiten. Ich glaube, ich habe ihn inzwischen locker 15 Mal live gesehen (im letzten Jahr z.B. mit der Juice Crew) – und der Typ wird einfach jedes. verdammte. Jahr. besser. In Halle gab er im Mai seine Premiere, und war vermutlich am Anfang etwas skeptisch ob der kleinen Location und diverser Soundprobleme. Die Crowd in Leipzigs unscheinbarem Nachbarn hat aber so dermaßen abgerissen – die Energie war einfach purer HipHop. Großartig! Als vorweihnachtliches Geschenk an euch selbst könnt ihr Masta Ace und Marco Polo am 20. Dezember übrigens nochmal in der Distillery Leipzig sehen. Anwesenheitspflicht!

03 Black Bear Basement in Berlin
Auch die Jungs habe ich in diesem Jahr zwei Mal sehen dürfen, und insbesondere ihr Gig in Berlin war eines meiner Highlights in diesem Jahr. BBB habe ich erstmalig in Hannover erlebt und bin seitdem Fan, ihr in diesem Jahr erschienenes Debütalbum hat alle Versprechen gehalten, und live sind die Vier sowieso absolute Oberliga. Wer in der Zugabe Ciaras „1, 2 Step“ jazzy verwursteln kann, hat eh meine Liebe!

04 Turntable Tutorial Reunion in Berlin
Noch so ein Ding, von dem ich einfach nicht aufhören kann, Fan zu sein. Das Turntable Tutorial war mal, wissenschaftlich erwiesen, die beste Veranstaltung in Berlin. Aller zwei Wochen war das Café Wendel der Place to be für etwas, von dem man meist nicht so recht wusste, was es werden würde: DJ Werd, Amewu, Trommel Tobi und Kenji451 gestalteten mit wechselnden Gastmusiker*innen den Abend. Lange Zeit war Schluss – doch Ende Mai gab es eine einmalige Reunion. Und es war so wundervoll, dass ich gar nicht glauben kann, dass es nur ein einziges Mal war. Ey, Berlin, bringt die Eventreihe mal wieder dauerhaft zurück – dann denke ich vielleicht darüber nach, wieder zurück zu ziehen 😉

05 Don’t Let The Label Label You MAYhem
DLTLLY ist die beste und vielseitigste Battleliga des Landes – und die MAYhem eines der größten Events des Jahres. Auch wenn ich nicht jedes Battle feiere – beim MAYhem hatte ich großen Spaß. Die Matches waren kreativ, emotionsgeladen und vor allem stilistisch wie inhaltlich super divers. Mein liebstes Battlerap-Event seit langem! Übrigens: Am Samstag findet in Berlin das DLTLLY-Jahresendevent DISSember statt, bei dem auch das diesjährige Title Match ansteht.

06 Jay-Z & Beyoncé in Berlin
Episch! Eigentlich war „OTR II“ kein Konzert mehr, sondern eine Erlebniswelt (no Tschibo involved). Alles war so perfekt durchchoreografiert, dass Beyoncés kleiner Huster am Ende eines ihrer Solosongs so sympathisch wirkte, dass man sich fast wünschte, man könnte für eine Minute die ganze Glitzerwelt beiseiteschieben und die Künstlerin dahinter sehen. Das Beyoncé eine großartige Künstlerin ist, im Prinzip selbst ein Gesamtkunstwerk, das ist gesetzt. Dagegen kommt auch Jay-Z nicht an, der natürlich ebenso mit Hits um sich warf. Dieser Abend war eine besondere Erfahrung – und ein krasses Kontrastprogramm zu meinem sonstigen Clubkonzert-Programm.

07 Hoe_mies @ splash! Festival
Beim splash! Festival hat mich ein Programmpunkt in diesem Jahr ganz besonders angefixt: Das DJ-Kollektiv Hoe_mies hatte einen kompletten Abend lang eine eigene Bühne, Cashmiri, Salwa Houmsi und die Hoe_mies selbst kuratierten ein dopes Set zusammen – und Haszcara riss völlig ab. Auch in Deutschland kann ein All Female Lineup zur Eskalation führen. Das hat das splash! bewiesen. Mehr davon bitte!

08 Hip Hop Kemp
Ja, in diesem Jahr war das Hip Hop Kemp etwas schwierig: Strikte Polizeikontrollen, viele Absagen, und dann gab es weder Black Devil noch meinen Lieblings-Zmrzlina-Stand. Das soll mal jemand verstehen! Und trotzdem ist das Kemp in Sachen Atmosphäre und Line Up noch immer das dopeste auf dem europäischen Festland. So lieferte Evidence eines der emotionalsten Konzertmomente seit ich denken kann. Sa-Roc, Ill Camille und Bahamadia haben mir gezeigt warum ich tue, was ich tue. Und ich durfte Otis Mensah mehrmals live erleben. Es war wunderschön!

09 Poly Poly in Leipzig
Poly Poly ist eine Live-Band. Daran besteht kein Zweifel. Im Neuen Schauspiel in Leipzig tischten sie ordentlich auf – zumindest was Equipment anbelangt – und gaben einem dennoch das Gefühl, dass man gerade mitten im Proberaum des Duos steht und ihnen beim Jammen zusieht. Ich hoffe nach ihrem großartigen, selbstbetitelten Debüt stark auf ein baldiges neues Release und mehr und längere Liveshows.

10 Female Rap Jam in Leipzig
Dieser Abend war legendär! Nicht nur weil ich gemeinsam mit Haszcara selbst auf der Bühne stehen durfte, sondern weil auch hier ein reines Female Lineup für völligen Abriss gesorgt hat. Maura Souloud hat phantastische Vibes gesendet, Haszcara die Attitude auf die Bühne gebracht, Starrlight war pure Weiblichkeit und Energie, Dynasty hat mich zum Strahlen gebracht und Sa-Roc „Goddess Gang“ würde ich mich jederzeit anschließen. Ich habe diesen Abend als unfassbar empowernd empfunden und hatte wahnsinnig viel Spaß.

11 Jorja Smith in Frankfurt
Jorja Smith ist sowieso die beste Entdeckung des Jahres. Fakt! Dass sie aber live so unfassbar toll sein würde, damit habe ich nicht gerechnet. Sie ist noch talentierter und noch sympathischer, als sie so schon wirkte. Unglaublich! Ihre Songs bringt sie emotionsgeladen und on point rüber, ohne dabei zu perfekt zu sein. Sie wirkt in ihrer Performance wahnsinnig nahbar, und man merkt, dass sie genau dort ist, wo sie hingehört: Auf die Bühne.

12 Schlakks in Leipzig
Tourstops zu Alben, an denen ich mitarbeiten durfte, sind immer etwas Besonderes. So auch der Tourstop zu „Indirekte Beleuchtung“ von Schlakks, Opek und Razzmatazz im Conne Island. Schlakks ist sowieso so ungefähr der sympathischste Live-MC seit Erfindung des Mikrofons, und die Mische aus Opek an den Drums und Razz an den Turntables (oder manchmal spontan auch umgedreht) gibt der Sache einfach einen wunderschönen Vibe. Ganz große Liebe!

Nachzügler-Kandidat: RAG in Leipzig
Okay, einen hab‘ ich noch: Am 13. Dezember machen RAG im Rahmen ihrer „20 Jahre Unter Tage“-Tour Halt im Conne Island. Wer irgendwie ein kleines bisschen was auf Deutschrap-Historie gibt, sollte da am Start sein. Voract macht übrigens die bezaubernde Ket. Ihr findet mich in der ersten Reihe.

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