2015 – was für ein aufregendes Jahr. Es ist nicht nur das erste Jahr, das komplett Mona Lina gehörte (neben einer Masterarbeit, die es noch fertig zu schreiben gilt), sondern auch das Jahr, in dem ich ein Label mit diesem Falk Schacht gründete – und vor allem ein Jahr voller unfassbar guter Musik. Zeit für einen kleinen Rückblick!

Der Anfang des Jahres stand ganz im Zeichen der Tapefabrik. Deutschlands größte HipHop-Jam lud am 24. Januar zum fünften Mal in den Wiesbadener Schlachthof und bot unvergessliche Shows: Unter dem Slogan „Der Ruhrpott ist unendlich“ teilten sich Aphroe (R.A.G.), ABS und Witten Untouchable eine Bühne, dazu kamen Auftritte von Haftbefehl, den Spezializtz, Edgar Wasser, Hiob & Morlockk Dilemma und den Funkverteidigern. Ich wuselte derzeit im Backstage mit den anwesenden Pressevertretern rum. Ein schöner Abend, der sich im Mai in Berlin mit der Tapefabrik #6 wiederholen sollte.

„Eines Tages werd‘ ich geh’n und so weit bin ich froh
Wenn ich weiß, dass irgendwo noch ein Tag steh’n bleibt“

Schon Ende 2014 hatte der Funkverteidiger Pierre Sonality mit „Magdeburg“ sein bisher umfassendstes Solowerk veröffentlicht, eine Trilogie, die aus zwei EPs und einem Album bestand. „Irgendwo“ ist der letzte Videosingle-Nachzügler, der noch einmal den Marcus-B-schen Flavour in die Kopfhörer bringt.

JR & PH7 X Chuuwee – ''Meadowview Morning'' feat. Bueno & Sean LaMarr (Official Video) from Below System Records on Vimeo.

Im März ging es international zu: Das deutsche HipHop-Producer-Duo JR&PH7 veröffentlichten gemeinsam mit dem Rapper Chuuwee aus Sacramento ihr Collabo-Album „The South Sac Mack“ über mein niederländisches Lieblingslabel Below System Records. Dass die zweite Single ausgerechnet zu „Meadowview Morning“, meinem Lieblingssong vom Album, released wurde, hat mich natürlich besonders gefreut.

TPDG "StreetJazz" – An Audiovisual Postcard From NYC from TPDG Supplies Co. on Vimeo.

Parallel dazu kündigten Falk Schacht und ich unser gemeinsames Label Catch The Beat an. Unser erstes Release war eine Kooperation mit den Jungs von TPDG, der Soundtrack zum Skate-Kurzfilm „Street Jazz“. Dexter, Figub Brazlevic, Suff Daddy, Busy, Morlockko Plus, Kova, Brisk Fingaz, Kinski – sie alle steuerten Instrumentals zum Soundtrack bei, der nur 1,5 Wochen nach Release ausverkauft war. Auch wenn „Street Jazz“ im Jahr 2015 das einzige Release auf Catch The Beat bleiben sollte – die Arbeit geht weiter und für 2016 stehen eine Menge spannender Projekte an.

Für mich war es eine große Ehre, in die Promo des neuen eMC-Albums „The Tonite Show“ involviert gewesen zu sein und so mit einem meiner absoluten Lieblingsrapper, Masta Ace, zusammenzuarbeiten. Die erste Single des Longplayers hieß „Fly Thoughts“ und zeichnete das Jetsetter-Leben der Jungs sehr gut nach – schließlich kann man kaum einen US-Rapact so oft auf deutschen Bühnen erleben wie eMC.

2015 war ein gutes Jahr für Labelgründungen. So entschlossen sich Pierre Sonality und Lena Allgeier zur Gründung der „Muther Manufaktur“, dem Label rund um das Funkverteidiger-Umfeld. Die Gründung wurde im Mai bekannt gegeben. Im Spätsommer folgte mit „Spliffmeister“ von Mase der erste Streich der Muther – ein Album, das die deutsche Rapszene schon viele Jahre lang eingefordert hatte. Anfang 2016 folgt die „State of Flavour 2“-LP vom Sendemast (Pierre Sonality, The Finn & DJ Ronny Montecarlo). Einen ersten Einblick gab es mit der Videosingle zu „Vaporizer“. Außerdem präsentierte die Muther Manufaktur ihre neuen Soundideen mit einer neuen Single der Kraszesten mit GALV.

Doch zurück zur ersten Jahreshälfte.

Bei Makaber aus Berlin stand das Jahr im Zeichen der Arbeit an seiner EP „ID“. Mit dem Video zum „Intro“ gab es im Mai das erste Video aus dem sechs Tracks starken Release, das erst Mitte Dezember folgen sollte. Das zweite Video kommt demnächst, es lohnt sich also, die Augen offen zu halten.

Doch gab es in diesem Jahr nicht nur HipHop bei Mona Lina auf die Ohren: Mit Mellow Mark begegnete ich einem der spannendsten Reggae-Künstler unseres Landes. Seine LP „Roots & Flügel“ erschien im Juni und zeigt sich betont sozialkritisch. Im September folgte die Single „Unite“ mit Stephen Keise und Son of Slaves – ein farbenfroher Track, der zu mehr Zusammenhalt und Toleranz auffordert.

Von einem Sommerloch habe ich in diesem Jahr ganz und gar nichts gespürt. Das lag unter anderem an 2 Seiten, der im August, zum ersten Todestag des berühmten Schauspielers Robin Williams, einen Song zu dessen Ehren veröffentlichte. „Robin Williams“ beschäftigt sich mit der bipolaren Krankheit, an der in Deutschland mindestens 2 Millionen Menschen betroffen sind, die in der Öffentlichkeit allerdings kaum thematisiert wird. Die Hälfte der Einnahmen aus dem Erlös der Single gingen an den DGBS e.V. in Hamburg.

Am 1. September veröffentlichte einer der vielversprechendsten Nachwuchsproduzenten unseres Landes sein Solodebüt. Roboti Niros „Travelling Spaces“ begeisterte mich auf Anhieb mit seinem knarzig-futuristisch angehauchten Sound. 15 Instrumentals mit Samples aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – eines der besten Beatreleases des Jahres.

„Das, was wir Leben nennen, ist ein Haufen Sand, der langsam durch die Finger rinnt“

Ein weiteres Herzensprojekt, ein weiterer Superproducer: dude26, bekannt durch das Duo dude&phaeb, brachte im September sein Rap-Soloalbum „Zimmer 26„, das nicht umsonst den Weg in mehrere Jahrescharts gefunden hat. Die erste Single „Immerhin“ präsentiert ein herrlich atmosphärisches Video, das einen wunderbaren Kontrast zur urbanen Musik bietet.

Und ich blieb den Producern treu: Im September lernte ich Superior kennen und übernahm sein Management. Wir fanden mit Below System Records ein Label für seine Single „Superiority“ mit dem US-amerikanischen Rapper Reks, die im Dezember erschien. Aktuell arbeitet Superior an einem neuen Album, das im Frühling 2016 erscheinen soll.

Von international affairs in den Berliner Untergrund: Mister Jones & Bumblino brachten Mitte Dezember ein neues Projekt an den Start: Die „Arm aber glücklich“-LP thematisiert auf herrlich warmen Instrumentals den Struggle des Lebens als Independent Künstler. Bisher erschien das Album digital und wird sogar zum kostenlosen Download angeboten, denn: „Musik sollte für jeden sein“, finden die Jungs.

Und wir bleiben in Berlin: Kong war in den vergangenen Jahren in erster Linie mit seiner Modelinie Tonklamotten unterwegs. Ende 2015 überraschte er mit einem neuen Soloalbum, das er der aktuellen weltpolitischen Lage widmete. „Renegat“ ist ein höchst sozialkritisches und zugleich provokantes Werk. Dazu gibt es eine gleichnamige Streetwear-Kollektion.

Das Jahr endete für mich mit einem ganz besonderen Projekt: SirPreiss aus Düsseldorf war schon zu RapSpot-Zeiten ein langjähriger musikalischer Begleiter für mich. Es ist mir folglich eine große Ehre, für sein Jubiläums-Album „Dekade“ mit ihm zusammenzuarbeiten. Das Album erschien am 18. Dezember, vorgestern gab es die zugehörige Videopremiere zum Song „10 Jahre“ bei der Backspin. Auf die nächsten zehn Jahre!

Ein langes, aufregendes, manchmal anstrengendes Jahr liegt hinter uns allen. Meine Plattenkiste ist wieder einmal voller geworden und ich blicke voller Stolz auf all die großartigen Releases, an denen ich mitarbeiten durfte. Ich bedanke mich bei allen Musikern, Labelpartnern und Veranstaltern für euer großes Vertrauen, bei den Medien- und anderen Kooperationspartnern für die tolle Zusammenarbeit und bei meiner Familie und meinen Freunden für die immerwährende Unterstützung. Ich freue mich auf 2016. One Love!

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