Es wird kalt da draußen – in jeder Hinsicht. Gott sei Dank halten Kopfhörer die Ohren warm und sorgen dafür, dass man bei manchem Gespräch in der Straßenbahn nicht so genau zuhören muss. Ihr erkennt euch wieder? Sehr gut. Ich habe hier ein paar Sachen ausgegraben, die euch vielleicht noch in euren Lieblingsplaylists fehlen.

Camufingo

Sollte dieser großartige Potsdamer MC an euch vorbeigegangen sein (und das meine ich nicht im räumlichen Sinne): Schande! Schande über euch! Camufingo ist längst nicht mehr nur Hoffnungsträger im deutschen Consciousrap. Durch zahlreiche EP-Releases hat er sich seine Sporen verdient, bewiesen, dass er zeitgemäße Soundästhetik, deepe Lyrics und raffinierte Raptechniken beherrscht, live sowieso jede Bühne einnimmt – ach, und produzieren kann er auch. Warum ich immer noch Menschen auf sein unfassbares Debütalbum „Ombanji“ aufmerksam machen muss, weiß ich auch nicht. Vielleicht, weil andere Songs auf dem Album einfach noch stärker sind als die ausgekoppelten Singles. Die kommen jedoch mit so starken Video daher, dass man sich ihnen einfach nicht entziehen kann. Was mich an Camufingo am meisten beeindruckt, ist seine Nähe: Er macht seine eigene Gedanken- und Gefühlswelt, seine Lebensrealität und seine situativen Erfahrungen für mich als Hörerin so greifbar, dass ich mich unmittelbar mit allen damit einhergehenden gesellschaftlichen Fragen beschäftigen muss. Camufingo spricht über die Identitätssuche zwischen Deutschland und Angola, der Heimat seines Vater, den Alltag in einem Land, das zwischen reichen Bodenschätzen, einer atemberaubenden Natur und völliger Armut steht sowie eine Welt, in der scheinbar nur weiße Maßstäbe die Norm sind. Das Release umfasst ungewöhnlich lange 22 Tracks – die diesen Themen aber auch mehr als gerecht werden. Anhören! Jetzt!

Big Momma

Nicht ganz tagesaktuell, aber dennoch etwas, was ich niemandem vorenthalten will: Big Momma! Der*die Künstler*in hatte, Berichten zufolge, schon als Kind ein Faible für Massenmörder und allerhand düsteres Zeug. Merkt man fast gar nicht (hier unauffälliges Hüsteln einsetzen). In „Dentata“ rappt Big Momma über seine*ihre mit glänzenden Zähnen versehene Vagina. Das ist doch mal etwas anderes als Chromfelgen und Glitzerkettchen. Das Ganze ist in Ton- und Bildästhetik in jedem Falle so krass, dass ihr es euch dringend ansehen solltet – so vier, fünf Mal in Folge. Leider findet man in den Weiten des Internets fast gar keine Informationen mehr zu Big Momma und auch kein neues Material. Sollte jemand von euch etwas über seinen*ihren Verbleib wissen, teilt euer Knowledge gern mit mir!

Übrigens: Auf Spotify findet ihr meine musikalischen Entdeckungen in der eigens hierfür eingerichteten „Mona Lina Fundgrube“-Playlist. Wenn ihr auf „Folgen“ klickt, gibt’s alle Updates direkt auf euer favorisiertes Musikabspielgerät. Einziger Wermutstropfen: Nicht alle hier im Blog vorgestellten Songs gibt es auf Spotify.

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