Sind wir mal ehrlich – Öffis fahren ist kein Zuckerschlecken. Der romantischen Vorstellung vom Musikzeitschriften lesenden Fahrgast, der sich dem Feierabendstau trotzend durch die Stadt kutschieren lässt, steht die harte Realität entgegen: Überfüllte Waggons, Nachtbusfahrer, die lieber Gokart als Omnibus fahren würden, Ansteckung mit mindestens fünf verschiedenen Viren-Arten nur durch Berührung der Haltestangen und an der nächsten Haltestelle steigt garantiert ein Akkordeonspieler ein, der eine extra schiefe Version von „Hit the Road, Jack“ zum Besten gibt. Das alles gibt es wahlweise zu überteuerten Ticketpreisen oder pulsierender Hauptschlagader, während der Adleraugen nach dem nächsten Kontrolleur Ausschau halten.

Doch es gibt sie, die Sternstunden des ÖPNV. Zum Beispiel dann, wenn man in der Berliner U-Bahn zufällig in die Dreharbeiten zu einer Folge „Beats on Road“ hineinläuft. Das Format hat es sich zur Aufgabe gemacht, HipHop-Produzent*innen aus ihrem dunklen Kämmerlein heraus in die Öffentlichkeit zu holen. Denn sind wir ehrlich: Was wäre HipHop ohne seine Producer*innen? Letzte Woche endete die vierte Staffel der Serie – und die hatte es mit zehn Folgen besonders in sich. Zeit, die Sets der vergangenen Monate Revue passieren zu lassen. Einsteigen bitte!

Folge 16: Melodiesinfonie

„Who?“ war meine erste Reaktion. Melodiesinfonie machte den Anfang der ersten Staffel und ich musste zu meiner Schande gestehen, noch nie etwas von ihm gehört zu haben. Der Produzent kommt aus der Schweiz, hatte 2014 sein Debüt-LP „Friede Freude“ rausgebracht und im November 2018 eine EP über das gemeine Lieblingslabel Sichtexot nachgelegt. Sein Stil: Jazzig-smooth und, wie könnte es anders sein, herrlich melodiös.

Folge 17: J. Lamotta Suzume

Da musste ich wirklich 17 Folgen warten, bis es endlich auch mal eine Frau vor die „Beats on Road“-Kamera geschafft hat. J. Lamotta Suzume ist dafür direkt das beste Beispiel dafür, dass man Frauen* im HipHop einfach nicht ignorieren kann. Mit abschließendem überraschenden Gesangspart zu abstrakten, leicht verspielten Beats sorgte die Künstlerin für Standing Ovations in der U-Bahn – und hat in mir einen neuen großen Fan gewonnen.

Folge 18: Awlnight

Für die insgesamt 18. Folge „Beats on Road“ war Awlnight zu Gast. Der Produzent aus Minsk brachte eine gute Portion Funk und Electro Boogie mit in die Sendung. Seit 2005 produziert er für verschiedene Künstler*innen, u.a. aus Weißrussland, Russland, den USA, China. Kein Wunder, dass es ihn früher oder später auch in die Berliner U-Bahn verschlagen hat.

Folge 19: Made in M

„Made in M“ könnte als Fabric Note künftig gern als Qualitätssiegel verwendet werden. Denn der gleichnamige, aus Madrid stammende Produzent hat mit seinem „Beats on Road“-Set gut abgeliefert. Ein larger Sample-Sound tief aus den Crates erwartete die Fahrgäste in der im November veröffentlichten vierten Folge der laufenden Staffel.

Folge 20: Hentzup

Für Folge 20 gab es Besuch aus Saarbrücken: Hentzup aus dem 2ZimmerGefüge verschönerte die Berliner U-Bahn mit supernicen Boombap-Beats. Da wär ich gern mitgefahren! Erst im Sommer 2018 hatte der deutsche Producer seine Platte „Out of the Blue“ veröffentlicht, die euch hiermit herzlichst empfohlen sei.

Folge 21: Thallus

Für Thallus war sein „Beats on Road“-Auftritt ein absolutes Heimspiel. Der Produzent aus Berlin hatte sich bisher mit mehreren Bandcamp-Releases einen Namen gemacht. Sein Set, das mit wunderschönen Streicher-Samples, atmosphärischen Harmonien und herrlich knarzigen Baselines daher kommt, ist eine meiner Lieblings-Performances in der BoR-Geschichte. Ich mein, Thallus schafft es diesen furchtbar cheesigen Passenger-Song geil zu samplen – was soll ich dazu noch sagen?

Folge 22: AK420

Der Anlass, für den AK420 Beats baut, sollte mit Blick auf seinen Namen unmissverständlich geklärt sein. Gott sei Dank beschränkt er seine musikalische Aktivität nicht nur auf den 20. April, sondern beschallte auch in der kurz vor Weihnachten erschienenen 22. Folge meiner YouTube-Lieblingsserie die Berliner U-Bahn mit seinen entspannten, jazz-basierten Instrumentals. Dass AK420 ursprünglich aus dem Death Metal kommt, sei an dieser Stelle nur als random Sitefact erwähnt.

Folge 23: Tom Doolie

Tom Doolie ist nicht nur ein sehr talentierter Fotograf, sondern hat (zu unser aller Glück) seine Freude am Beats bauen entdeckt. Im August hatte der Künstler seine beiden Leidenschaften zusammengeführt und sein Album „V I O A“ mit zugehörigem Fotobuch veröffentlicht. Am 8. Januar gab der Freisinger Künstler dann sein Können in der neuen „Beats on Road“-Folge zum Besten. Tom Doolie kombiniert Samples aus verschiedensten Genres und Epochen mit einem unterschwellig durchklingenden 90s Vibe. Das gefällt!

Folge 24: Psalm//Trees

Psalm//Trees nahm für die 24. Folge von „Beats on Road“ die weite Reise aus England auf sich, um ein gut 20-minütiges Beatset für die Fahrgäste der U1 zu performen. Das ist herrlich orchestral, leicht melancholisch und macht unfassbar viel Spaß. Psalm//Trees lebte längere Zeit im Kapstadt und ist bereits seit seinem 14. Lebensjahr musikalisch aktiv. Bis zu seinem Debütalbum mussten sich Fans des Producers aber lange Zeit gedulden: Erst 2018 war die selbstbetitelte LP über Chillhop Records erschienen.

Folge 25: Supreme.Frost

Den Abschluss einer grandiosen vierten Staffel „Beats on Road“ bildete das Set von Supreme.Frost. Der Hamburger Produzent dürfte auch Fans des Partner-Formats „Don’t Let The Label Label You“ ein Begriff sein: Regelmäßig liefert er Beats für die beliebten OnBeat-Battles der Battlerap-Liga. In stilechter Dilla-Hoodie erwies der Producer seinem großen Vorbild alle Ehre. Haters mögen zurückbleiben, bitte!

Neue Folgen „Beats on Road“ soll es schon in Kürze geben. Um auf dem neusten Stand zu bleiben, solltet ihr den YouTube-Kanal von DLTLLY abonnieren.

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