Diesen Monat starten wir in die zweite Hälfte „365 Female MCs“, zugleich gibt es die 200. Rapperin dieser Reihe für euch auf die Ohren. Über 1.000 Female Rap Acts aus der ganzen Welt sind inzwischen in meiner Datenbank und ich werde regelmäßig von Neuem überrascht, welche großartigen Rapperinnen ich noch nicht auf dem Schirm hatte und wie divers die internationale HipHop-Szene ist. So freue ich mich, euch an 31 weiteren Entdeckungen aus Mainstream und tiefstem Underground teilhaben zu lassen.

Neu hier? Die ersten sechs Teile „365 Female MCs“ findet ihr hier:
Teil 1
Teil 2
Teil 3
Teil 4
Teil 5
Teil 6

Für alle Lesefaulen lohnt ein beherzter Scroll (oder mehrere) zum Ende der Seite – da gibt’s die Spotify-Playlist zur „365 Female MCs“-Reihe

01 Butterscotch (USA)

Neben der Unterstellung, Frauen könnten nicht rappen, wird fast noch öfter behauptet, Frauen könnten nicht beatboxen. Butterscotch reguliert beide Games und ist darüber hinaus noch examinierte Pianistin, spielt Saxofon, Flöte und Gitarre und singt fantastisch. 2005 gewann sie die erste World Hip Hop Beatbox Woman´s Championship, zwei Jahre später entschied sie West Coast Championship für sich (und besiegte dafür 18 männliche Beatbox-Kontrahenten). Neben ihrer Teilnahme bei America’s Got Talent teilte sie sich die Bühne mit Künstler*innen wie Wyclef Jean, Helge Schneider und Max Mutzke. Was für großartige Songs sie schreibt, zeigt unter anderem ihre 2016er Single „Accept who I am“.

02 Alyona Alyona (Ukraine)

„Die erste Frau, die auf Ukrainisch rappt“, titelte jetzt.de kürzlich. Auch wenn die Diskussion darum, wer nun der*die Erste ist und war, ja immer diskutabel ist, muss man Alyona Alyona einfach Props geben: Die Rapperin aus dem Kiewer Umland fährt gerade einen waschechten internationalen Hype, der langsam, aber sicher auch Deutschland erreicht. Und das völlig zu Recht: Die neue Single „Puschka“ ist nicht nur aufgrund ihres Titels eine echte Kanone und macht große Lust auf mehr. P.S.: Das Schokoladenstück der Ausgabe geht an die Person, die eine deutsche Rapperin im Musikvideo findet.

03 Tierra Whack (USA)

Ein heißer Kandidat für das Musikvideo des Jahres dürfte Tierra Whack vergangenen Monat mit „Unemployed“ geliefert haben. Generell ist die Rapperin, Sängerin und Songwriterin für verrücktes audiovisuelles Material bekannt – schon für ihr 2018 erschienenes Werk „Whack World“ hatte sie eine Grammy-Nominierung kassiert. Ob sie für ihr neues Video endlich die verdiente Trophäe mit nach Hause nimmt, bleibt abzuwarten, ebenso ob nach ihrem #WhackHistoryMonth im April nicht bald ein neues Release ansteht. Mein Bedürfnis nach neuer Musik der Künstlerin aus Philadelphia ist jedenfalls ebenso groß wie mein Hunger auf Kartoffeln. Schmecken lassen!

04 Nora Mazu (Österreich)

Nora Mazu, auch bekannt als Nora MC, mag nicht der erste Name sein, der einem bei Rap aus Österreich einfällt. Dabei verdient sich die Wiener Rapperin ihre Sporen schon seit über zehn Jahren. Ob als Teil der All Female Rapcrew MTS an der Seite von Mag-D, Miss Def und Oh’leak, eine Hälfte des Duos Kayomazu mit Producer und Vocalist Kayonardo oder solistisch – ihre ruhige Stimme und der Hauch Philosophie, mit dem sie ihre Tracks spickt, geben der „Headonistin“ ihren Signature Sound.

05 Justina Valentine (USA)

Wer ist sie den nun, die weibliche Eminem? Wenn es nach Justina Valentine geht, dürfte die MC aus New Jersey den Thron selbst einnehmen. In der Rolle der „Feminem“ flasht sie sich in Ems „Stan“ rein, schreibt als „Just“ Briefe an ihr künftiges Selbst und übernimmt auch souverän den Part von Dido. Pop-Einflüsse scheut die aus einer Musiker*innenfamilie stammende Künstlerin nicht. 2012 veröffentlichte die Rapperin, die auch als Sängerin, Songwriterin und Model tätig ist, ihr erstes Mixtape. Als Teil der MTV-Serie „Wild N Out“ vergrößerte sie ihre Fanbase.

06 Comagatte (Italien)

Auch im Südosten Italien hörte man Eminem: Im zarten Alter von zehn Jahren entdeckte Comagatte in ihrer Heimatstadt Puglia ihre Liebe für den Detroiter Rapper. Dass sich früher oder später auch bei ihr der Wunsch entwickeln würde, ihre Gedanken in Reime zu packen, war wohl nur eine Frage der Zeit. Seit 2010 steht Comagatte nun schon auf Bühnen und erkämpft sich mit eingängigen Songs wie „Limbo Calypso“ und ihrem 2018er Album „Serena Variabile“, dessen Titel Bezug auf ihren bürgerlichen Namen nimmt, ihren Spot im Rampenlicht der italienischen Rapszene. Dass sie, durch internationale Auftritte z.B. bei „La Belle Hip Hop“, auch über die Grenzen ihrer Heimat hinaus für Furore sorgt, dürfte da durchaus hilfreich sein.

07 Foxy Brown (USA)

Wer es in den 90ern wirklich geschafft hat, an Foxy Brown vorbeizukommen, sollte mir den Stein zeigen, unter dem er oder sie gelebt hat. Die MC aus New York ist nicht nur eine der versiertesten ihrer Zeit, sondern hat auch mit so ziemlich jeder prägenden Person der damaligen Musikwelt gearbeitet. Legendäre Collabos mit Jay-Z, Blackstreet und Dru Hill zur Hochzeit ihrer Karriere parallel zu ihrem Album mit Nas, Cormega und AZ als „The Firm“ (kann jemand diese Killer-Crew aus heutiger Perspektive fassen?) sind Teil ihrer Diskografie. Und auch sonst ist das Leben der Foxy Brown fast filmreif: Es gibt kaum eine Rapperin (und dazu diverse männliche MCs) mit denen sie keinen Beef hatte, ein zwischenzeitlicher kompletter Verlust ihres Gehörs und ein Knastaufenthalt sorgten außerdem für Schlagzeilen. Schade, dass ihre Musik in den letzten Jahren so kurz gekommen ist.

08 Beanz (USA)

Wo wir gerade schon in Erinnerungen aus den 90ern geschwelgt sind: Die junge Beanz hat 2017 einen wahren Klassiker für sich neu interpretiert: „Cream“ ist zum einen eine herrliche Hommage an den Clan aller Clans, zeigt aber auch die krassen Skills der Rapperin aus Pennsylvania. 90er Flavour ist ihr Ding – Vergleiche mit Lauryn Hill kommen da schon mal vor. Seit ihrem 12. Lebensjahr schreibt die Künstlerin eigene Texte, rappte gern auch mal auf der Rückbank des Schulbusses, und macht sich in ihrer Heimat einen Namen als das Mädchen, das echt spitten kann.

09 Vist (Deutschland)

Wir haben 2019 – folglich ist es langsam okay, wenn man beim Gedanken an das Video Battle Turnier VBT ein wenig nostalgisch wird. Besonders schön ist es, wenn Künstler*innen aus dem VBT-Dunstkreis auch außerhalb der YouTube-Battlewelt zu ein wenig Erfolg kommen. Vist verschwand nach ihrer VBT-Hochphase Mitte der 2010er bedauerlicherweise ziemlich wortlos. Umso überraschender erschien im November letzten Jahres ihre großartige Single „Minimum“, mit gewohnt emotionalen Lyrics, die genau den Punkt akupunktieren, der richtig wehtut. Nicht nur ich erwarte sehnsüchtig mehr davon.

10 Zamaera (Malaysia)

Südostasia hat eine neue GOAT-Kandidatin: Ende März hat Zamaera aus Malaysia ihre Debüt-EP mit dem simplen wie eingängigen Namen „Z“ veröffentlicht. Und ehrlich, wer schafft es schon, für sein Debüt-Release ein ganzes Orchester anzuheuern und das komplette Ding dann auch noch mit einer exklusiven Nylon-Doku mit dem Titel „The Chicago Sessions“ rauszuhauen? Ich kenne niemanden. Seit 2017 macht sich die Rapperin und R&B-Sängerin, die es in der Vergangenheit auch für ein Auslandssemester nach Deutschland zog, durch regelmäßige Singlereleases einen Namen. Nachdem sie sich bereits Bühnen mit SZA und Vince Staples teilte, steht als nächstes ihre eigene Südostasientour an. Und danach? Vermutlich die Weltherrschaft.

11 La Gale (Schweiz)

Politischer Rap hat keine Skills? Eines der besten Gegenbeispiele ist die Schweizer Rapperin La Gale. Die Künstlerin mit libanesischen Wurzeln thematisiert in ihren Songs gesellschaftliche Probleme wie Fremdenfeindlichkeit in Europa, aber schreckt auch vor großen politischen Themen wie den Konflikten im Nahen Osten zurück. Erste musikalische Steps gelangen ihr in der Lausanner Punk-Szene – ein Einfluss, den man ihrer Musik bis heute anhört. Ihr letztes Album „Salem City Rockers“ liegt inzwischen vier Jahre zurück. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich brauche Nachschlag!

12 Megan Thee Stallion (USA)

Auch Megan Thee Stallion nimmt inhaltlich kein Blatt vor den Mund: Würde es noch keinen Aufkleber für Explicit Content geben, für die Rapperin aus Houston, Texas, würde er erfunden werden. Ihren Erfolg verdankt die Südstaaten-MC diversen Freestyle-Videos, die auf Instagram viral gingen. Zwei EPs und einen Deal bei 300 Entertainment später ist Miss Tina Snow – so ihr Alter Ego, mit dem sie Bezug auf Pimp Cs „Tony Snow“ nimmt – in der Szene recht etabliert. Und weil das HipHop-Game noch lange nicht genug ist, überlegt die Künstlerin inzwischen, ihre Schreibskills künftig auch bei Drehbüchern für Horrorfilme zum Einsatz zu bringen.

13 Kate Tempest (UK)

Rapperin, Dichterin, Roman- und Theaterautorin – Kate Tempest ist vielleicht eine der größten Sprachkünstlerinnen unserer Zeit. Ihr 2016er Album „Let Them Eat Chaos“ wurde von Kritiker*innen auf der ganzen Welt als künstlerisches Manifest auf sprachlicher und musikalischer Ebene gefeiert und gehört dringendst in jede gut sortierte Conscious-Rap-Plattensammlung. GZA, Chuck D – das sind nur zwei Namen, die die Musikerin und Schriftstellerin aus dem Süden Londons für ihre Skills in den Himmel loben. Eine Künstlerin, die man einfach nicht ignorieren kann und darf!

14 Dope Saint Jude (Südafrika/UK)

Von Kapstadt über London hinaus in die ganze Welt! Nach zwei EPs ist die südafrikanische MC Dope Saint Jude aktuell auf ihrer ersten Welttournee. Als eine der spannendsten Repräsentantinnen der internationalen queeren Community macht sie dank komplexer Instrumentals mit verschiedensten Einflüssen, eingängigen Hooks und einem sich abhebenden Rapstil von sich Reden. Klar, dass ihr Style nicht nur die Modekette H&M auf den Plan ruft, sondern auch M.I.A. dringend mit der Rapperin ins Studio wollte. Im April erschien ihre neuste Single „Liddy“, am 20. Mai spielt die Künstlerin im Berliner Cassiopeia. Sollte man mal vorbeischauen.

15 Haszcara (Deutschland)

Ich muss zugeben: Bei Haszcara bin ich voreingenommen. Nicht nur durfte ich mit der Rapperin aus Göttingen bereits zusammenarbeiten, auch verfolge ich ihren musikalischen Werdegang bereits seit einigen Jahren. Und was für eine krasse Entwicklung die Rapperin, Produzentin und Rap-Workshop-Leiterin in kurzer Zeit hingelegt hat, verblüfft mich immer wieder. Haszcara, inzwischen Wahl-Berlinerin, vereint Battlerap-Attitüde mit Verletzlichkeit und gesellschaftskritischem Anspruch. Ihr Debütalbum, das 2018 über Audiolith erschienen ist, nannte sie selbstbewusst „Polaris“ – vielleicht weil es jemanden wie sie nun mal braucht im manchmal so belanglosen Dämmerlicht der Deutschrapszene.

16 E-Turn (USA)

E-Turn ist der lebende Beweis dafür, dass Conscious Boombap auch 2019 noch spannend sein kann. Die Rapperin aus Orlando hat die Lyrics, die Technik, den Flow und das richtige Händchen für Beats – das ultimative Gesamtpaket also. Große Ansagen im Hands-on-DIY-Style, dazu eine unfassbar sympathische Bühnenpräsenz – all das macht die US-amerikanische Künstlerin zu einer der authentischsten Figuren des aktuellen internationalen Rap-Geschehens. Ende letzten Jahres erschien ihr bereits drittes Album „Young World“.

17 Dee MC (Indien)

„I didn’t face challenges as a female rapper but I have faced challenges, being a female in this country.” Dee MC ist eine der wenigen, international hörbaren weiblichen Stimmen der indischen Rapszene. Die Rapperin wuchs in Kalyan, einem Township in der Nähe der Metropole Mumbai auf. Im Alter von 19 Jahren tauschte sie Gedichte gegen Raplyrics ein und steuert eine beachtliche Karriere an, die bereits einen längeren Touraufenthalt in Großbritannien sowie mehrere Auszeichnungen umfasst. In Ihren Songs thematisiert sie soziale Unterschiede und übt Gesellschaftskritik. So handelt ihr Song „No more Limits“ vom gesellschaftlichen Stigma, das dem Thema Menstruation anhaftet. Dee MC zeigt darüber hinaus aber auch ungeniert, was sie am Mic zu bieten hat – und das auch durchaus gern mal bei dem einen oder anderen Battle.

18 Lady Slyke (Uganda)

Rap als Black CNN und als Vermittler von Knowledge – das lebt Lady Slyke mit jedem Wort am Mikrofon voll aus. Seit den 1990ern ist die Rapperin aus Kampala im Musikbusiness unterwegs und gilt als erste Female MC, die einen Song in ihrer Muttersprache Luganda veröffentlichte. Auch teilte die Rapperin sich im Rahmen der „We love Youganda“-Tour von Viva Con Agua bereits mit Megaloh die Bühne und ist auf einem gemeinsamen Song mit Maeckes und Marteria zu hören. Die positiven Werte, die sie in ihrer Musik predigt, lebt sie voll aus und coacht beispielsweise junge Menschen in Sachen Rap und Songwriting.

19 Jean Grae (USA) [200/365]

Es gibt ein Phänomen im HipHop, das ich gerne als „Jean-Grae-Phänomen“ bezeichne. Es bedeutet, ein grundsolides bis sehr gutes Album mit einem einzigen Feature-Gastauftritt völlig in den Schatten zu stellen. So geschah es bei Jean Graes Featureparts unter anderem auf Alben von Pharoahe Monch („Assassins“ auf „W.A.R.“) und Talib Kweli („Uh oh“ auf „Gutter Rainbows“). Die Rapperin, Schauspielerin und Comedian ist eine der größten Lyricists und Bühnenpersönlichkeiten unserer Zeit und dabei eine der underratetsten Künstler*innen überhaupt. Sechs Studioalben (darunter Collabo-LPs mit Quelle Chris, Blue Sky Black Death und 9th Wonder) sowie mehr EPs und Mixtapes als auf deine Handy-SD-Karte passen stehen in ihrer Diskografie. Inzwischen macht die Independent-Künstlerin auch ihre Videos selbst, was ihre Musik zu skurril-sperrigen, aber einfach großartigen Gesamtkunstwerken macht. „You know what? I need that Grammy. I think I might be able to stop after that”, wird Jean Grae zitiert. Den Grammy hat sie mehr als verdient – aufhören soll sie aber bitte niemals!

20 Dej Loaf (USA)

Aufgewachsen in Detroit kam Deja Trimble bereits im Kindesalter mit der wachsenden HipHop-Szene in Berührung und griff bald selbst zu Stift und Textbuch. Spätestens mit ihrem 2014er Achtungserfolg „Try Me“ ist die Rapperin auf dem Schirm der internationalen Rapwelt – Drake ist Fan, als Teil des Allstars-Tracks „Detroit vs. Everybody“ teilte sie sich außerdem die Booth mit Eminem, Royce Da 5‘9“, Danny Brown, Big Sean und Trick-Trick. Nach mehreren EPs, Mixtapes und Singles wird für 2019 ihr Debütalbum erwartet. Der Titeltrack „Liberated“ erschien bereits im vergangenen Jahr.

21 Y.A.K. (Myanmar)

T-Zin und Triple-A bilden mit Y.A.K. das erste weibliche Rap-Duo Myanmars. In dem südostasiatischen Land sind Frauen nicht nur in der HipHop-Szene, sondern generell auf Bühnen ein rares Phänomen. Entsprechend viel Gegenwind erleben Y.A.K. seit ihrer Gründung im Jahr 2004. Ihre Liebe zu HipHop und der Wunsch, ihre eigenen Erfahrungen mit einer ordentlichen Portion Sozialkritik in Lyrics zu packen, ließen sie am Ball bleiben. 2016 erschien ihr langersehntes Debütalbum „Rap Crazy Women“. Zuvor hatte MTV bereits eine Dokumentation über die beiden MCs gedreht. Übrigens: Der Name des Duos ist eine Hommage an ihre Heimatstadt und steht für „Yangon Always Kingdom“. Seit 2017 sind die beiden Künstlerinnen vermehrt solistisch oder in Zusammenarbeit mit anderen Rapper*innen unterwegs.

22 Flor de Rap (Chile)

Flor de Rap gehört zu den Gründen, wegen denen ich echt gern Spanisch gelernt hätte. So kann ich mich nur auf die starke Delivery und Bildsprache ihrer Musik konzentrieren, die vor Emotionen quasi überläuft. Die chilenische Rapperin bringt puren Soul in ihre Rapsongs. Ihr letztes Album „Inmarchitable“ erschien im vergangenen Jahr und sei euch hiermit wärmstens ans Herz gelegt.

23 Lin Que (USA)

Kommen wir zu einem echten HipHop-Urgestein: 1989 erschien Lin Que aka Isis, Rapperin und Filmemacherin aus New York, erstmalig auf dem Radar der HipHop-Welt. Im Umfeld des X-Clans und der Crew Deadly Venoms sowie durch Kooperationen mit MC Lyte, Mary J. Blige und Queen Latifah erlangte sie innerhalb der Szene, aber auch in den Medien Aufmerksamkeit. Ihre beiden Alben „Rebel Soul“ und „GODspeed“ liegen 17 (in Worten: siebzehn) Jahre auseinander, ihr Output unterliegt jedoch einer gewissen zeitlosen Roughness die fast schon anklagend wirkt, wenn man bedenkt, wie wenige HipHop-Heads die MC überhaupt auf dem Schirm haben.

24 That Girl Lay Lay (USA)

Vom Urgestein zur Next Generation: Ein freestylendes zwölfjähriges Mädchen aus Houston, Texas, hält nicht nur die HipHop-Medien bei Atem. That Girl Lay Lay hat in ihrem zarten Alter mehr erreicht als manch ausgewachsener HipHop-Act. Auftritte in großen TV-Shows wie der von Ellen DeGeneres, dazu einen Labeldeal bei EMPIRE und seit Anfang des Jahres auch ein eigenes Album. Sieht man Lay Lay auf der Bühne, wirkt es, als hätte sie nie etwas anderes gemacht – genauso ist es offenbar auch, denn nach eigener Aussage rappt sie seit ihrem fünften Lebensjahr. Ob sie mit zwölf dann schon Raprentnerin ist? Ich hoffe nicht.

25 YAEL (Deutschland)

YAEL hat “keine Zeit für dich“ – Gott sei Dank aber zum Musikmachen. R&B- und Souleinflüsse treffen bei der Wahlberlinerin auf HipHop-Attitüde und die eine oder andere Punchline. YAEL stammt aus Rheinland-Pfalz, ist Teil des Künstler*innen-Kollektivs FiftyFifty und veröffentlichte im vergangenen Jahr ihr erstes Release „Real_Fantasy“, das Album „L.U.V.“ folgte bereits Mitte Februar. Und es dürfte spannend weitergehen, denn die Wahlberlinerin hat Ambitionen: „Ich zeige den Rappern in Deutschland, wie man auch als Frau in diesem Geschäft leben kann“, sagt sie im Rap.de-Interview. Go, Girl!

26 Casey (Frankreich)

Casey beschönigt nichts. Keine funkelnden Synthie-Melodien, keine Heldenstories aus den Ghettos – nur die Wahrheit über gesellschaftliche Abgründe, über eine rassistische, ungleiche Zivilisation findet Platz in ihrer Musik, die sie selbst als „Musik der Immigrantenkinder“ bezeichnet. 1995 veröffentlichte sie ein erstes Lebenszeichen auf der Compilation „L“Art D’Utiliser Son Savoir“. 2006 erschien ihr Debütalbum „Tragédie d’une trajectoire“, zehn Jahre sollte es von da an noch dauern ehe sie erstmalig eine deutsche Bühne rockte. Doch in Frankreich ist die in Le Blanc-Mesnil lebende Künstlerin längst das Sprachrohr, dass die HipHop-Szene so dringend braucht.

27 Lex LaFoy (Südafrika)

Im südafrikanischen Durban ergatterte die junge Lex LaFoy 2002 ein Exemplar von Jay-Zs „Blueprint“ und war umgehend angefixt. Es dauerte nur zwei Jahre, bis sich die Rapperin selbst als Battle- und Freestyle-MC auf die Bühne stellte. Ihre Liebe zur Sprache spiegelt sich in ihrem Künstlernamen wie auch in ihren Songs wider. 2013 ist sie Teil des exklusiven „Red Bull Bass Camp“. Drei Jahre später wird sie vom GQ Magazine als eine der heißesten Rapperinnen Südafrikas betitelt – all das noch bevor 2017 ihr lang erwartetes Debütalbum „Honey Bass“ erscheint. Über dessen Titel sagt sie: “I realised Honey Bass […] describes my sound perfectly. I am honey and I love the bass. Plus honey has all these healing properties and so do I.”

28 Mozee Montana (Russland/Armenien)

Wenn drei Rapperinnen sich zusammentun, um im fernen Russland einen Song mit dem Titel „Not Bad For A Girl“ aufzunehmen, sagt das eigentlich alles: Female MCs werden mit demselben Blödsinn konfrontiert, auf der ganzen Welt. Eine der beteiligten Rapperinnen ist Mozee Montana. Auf den Tweet des bekannten russischen Rappers Oxxxymiron, der behauptete, es gäbe keinen hochwertigen Rap von Frauen, konterte sie mit der Aussage, dass das Problem vielleicht eher bei den Männern liege, die guten Female MCs nicht zuhören – den Link zu ihrem Soundcloud-Profil schickte sie kurzerhand mit. Oxxxymiron war selbstredend begeistert von den Skills der gebürtigen Armenierin, teilte den Link und trug so ein Stück weit dazu bei, dass Mozee Montana heute ein Role Model für viele Frauen* in der Szene ist. Sie gilt als eine der besten Battlerap-MCs des Landes – bereits seit ihrem zwölften Lebensjahr versorgt die Rapperin und Ghostwriterin die russische Rapszene mit ihren Punchlines. Die Independent-Künstlerin hat dazu bereits mehrere Releases im zeitgenössischen Trapsound an den Start gebracht.

29 DreamDoll (USA)

Zugegeben mag der aktuelle Trend diverser Rapperinnen, sich selbst als Puppe zu betiteln, sowie die zugehörige, meist sehr poppige Musik bei dem ein oder anderen Realkeeper auf nicht unbedingt viel Gegenliebe stoßen. VH1 veröffentlichte zwischenzeitlich sogar schon einen „Quick Guide to Rap’s Reigning Dolls“. Eine von ihnen ist DreamDoll. Die Rapperin aus NewYork spielt das Barbie-Image, ähnlich wie vor ihr schon Nicki Minaj, bis zum Ende durch: Im März veröffentlichte sie ihre neue EP „Life in Plastic 2“ und führt damit die quietschpinke Glitzerwelt aus ihrem ersten Release nahtlos weiter. Bei DreamDoll ist alles so zuckersüß und klebrig wie Speiseeis – klar, dass sich ihre Fanbase kontinuierlich vergrößert.

30 Tina Mweni (Dänemark/Kenia)

Eine waschechte „Rapvolution“ strebt Tina Mweni mit ihrer Musik an. Dass ihre von Afrobeats und Soul inspirierten Tracks Einflüsse von Weltstars wie Lauryn Hill oder Erykah Badu zeigen, dürfte hellhörig machen. Die kenianische Künstlerin, die inzwischen in Kopenhagen lebt, macht sich als Rapperin, Tänzerin, Stylistin und Model einen Namen. Ihr Song „Respect Women“ ist nur eines von vielen Beispielen für ihren großen Einsatz für Frauenrechte.

31 DKN (Deutschland)

Rap gibt es in allen Sprachen – so auch in Gebärdensprache. Eine der aktuell relevantesten Künstlerinnen im deutschsprachigen Raum ist DKN, kurz für Deaf Kat Night. Die gehörlose Rapperin performt ihre eigenen Songs – und auch wenn ihr ihre Sprache nicht versteht, sieht das einfach unfassbar schön und inspirierend aus und zeigt vielleicht mehr vom Kern der HipHop-Kultur als jeder achtsilbige Reim: HipHop ist für jede*n, es geht darum, sich die kulturellen Gegebenheiten der Kunst individuell anzueignen und sein eigenes Ding draus zu machen. Und das macht DKN auf beispiellose Art und Weise!

Teil 8 von “365 Female MCs” kommt am 1. Juni. Wer bis dahin einen vernünftigen Soundtrack braucht, dem sei diese Playlist auf Spotify ans Herz gelegt:

Comments


Add Comment

Ich akzeptiere