Wie um alles in der Welt ist das passiert? Wo ist dieses verrückte letzte halbe Jahr hin? Wir sind bei Teil 6 der 365 Female MCs angelangt und haben damit die Halbzeit erreicht. Wenn ich daran zurückdenke, wie ich im Oktober letzten Jahres die ersten Rapperinnen in meinem Notizbuch zusammen gebrainstormt habe, wird mir das Ausmaß dieser Aktion erst bewusst: Ich wollte zeigen, dass es genug Female MCs gibt. Inzwischen sind in meiner Datenbank über 1.000 Künstlerinnen*. Mehr als genug. So unfassbar viel Talent zu erleben und vorstellen zu können, ist ein riesiges Geschenk, und ich freue mich sehr über jede*n Supporter*in, die das auch so erlebt. Starten wir also in den April mit 30 altbekannten und neuen Stimmen, die ihr auf dem Schirm behalten solltet.

Alle bisherigen Teile von 365 Female MCs findet ihr hier:
Teil 1
Teil 2
Teil 3
Teil 4
Teil 5

01 Soulcat E-Phife (Österreich) (365 Female MCs Exclusive)

Wir beginnen die neue Ausgabe mit einem besonderen Highlight: Dem ersten „365 Female MCs“-Exclusive. Das kommt von der wunderbaren Soulcat E-Phife aus Wien. Die Rapperin, Produzentin und DJ rappt in englischer Sprache. Ihr großartiger Boombap-Sound erinnert ein wenig an Künstlerinnen wie Yo Yo, Bahamadia oder Akua Naru, wobei sie auch gern mal Ausflüge in andere Genres wie Soul oder House unternimmt. Dass sie sich unter anderem als Teil von Künstler*innen-Kollektiven wie Organized Thread, aus dem auch Gavlyn hervorging, einen Namen machte und dazu eine der wichtigsten Femme DMC-Artists ist, darf hier durchaus als Ritterschlag verstanden werden. Heute veröffentlicht die Katze nicht nur das großartige Mona Lina-Exclusive-Video „Flaunt it“, sondern auch ihre zugehörige EP „Prepare for Warfare“.

02 Gloria Boateng (Belgien)

Obacht, Ohrwurmalarm! Was die belgische Rapperin Gloria Boateng mit ihrem Vorzeigesong „Kumasi“ darbietet, hat absolutes Hitpotenzial. Dass die belgische HipHop-Szene zahlreiche spannende Female MCs zu bieten hat, weiß man spätestens seit dem All Female Festival La Belle Hip Hop. Als Rapperin und Produzentin gehört Gloria Boateng zu den spannendsten von ihnen. Seit ihrem 13. Lebensjahr schreibt sie Songs, eröffnete die Bühnen für internationale Artists wie Macy Grey, The Roots und Nneka und ist von ebendiesen auch nicht mehr wegzubekommen. Gut so!

03 Chynna Rogers (USA)

Chynna Rogers hat das Potenzial, einer der prägendsten Charaktere der Cloud-Rap-Bewegung zu werden: Trotz aller Härte in ihrer Attitude zeigt ihre Musik eine tiefe Verletzlichkeit und Traurigkeit, thematisiert offen Drogensucht, Verlusterfahrungen und den Tod und bringt so eine Tiefe hervor, die das Gros der aktuellen Artists vermissen lässt. „Music 2 Die 2“ heißt eines ihrer Alben – einen Titel, den sie damit begründet, dass sie ziemlich angepisst wäre, wenn sie zu Musik von Jason Derulo sterben müsste. Ob als letzte Hymne oder nicht: Von ihrer Musik begeistert zu sein, ist nicht schwer. Das sieht auch der A$AP Mob, dessen Protegé die MC ist. Nach sechs releasereichen Jahren sollte man Chynna definitiv nicht mehr ignorieren!

04 Siri (Indien)

Alles andere als destruktiv ist die indische Rapperin Siri in ihrer Musik. „Live it“ ist eine Nachricht an ihr künftiges Selbst in Songform. Die Künstlerin aus dem Süden Indiens rappt auf Englisch und Kanaresisch und thematisiert in ihren Songs die Benachteiligung von Frauen und die Vorherrschaft von Stereotypen in der Gesellschaft (nicht nur) ihres Heimatlandes. Mit ihrer Reihe „Straight off the Desk“ veröffentlichte sie in den letzten Jahren außerdem sehr unterhaltsame Remakes bekannter Rapsongs wie „N*ggas in Paris“.

05 Juju (Deutschland)

Solltet ihr im vergangenen Monat Jujus „Intro“ verpasst haben, möchte ich euch ernsthaft nahelegen, den Stein zu verlassen, unter dem ihr scheinbar lebt. Dass die ehemalige SXTN-Hälfte auf etwas über drei Minuten eben mal die halbe Deutschrapszene gebeischlaft hat und damit auch noch ganz nebenbei ihr Soloalbum ankündigt, hat die gemeine HipHop-Anhängerschaft vom Rapfeuilleton bis zu den sozialen Netzwerken schwer begeistert. Juju44, Digga, merk dir ihren Namen!

06 Elle Teresa (Japan)

Elle Teresa heißt die nicht zu ignorierende Rapsensation aus Japan, die wie eine Allzweckwaffe die misogyne und sexistische Gesellschaft und HipHop-Szene mit provokanten und selbstbewussten Tracks infiltriert. Dem japanischen Stereotyp einer Frau – immer süß und hübsch anzusehen, immer nett und höflich – will sich die Rapperin aus Numazu City nicht fügen. Zwei Mixtapes umfasst die Diskografie der Anfangzwanzigerin. Fertig ist sie noch lange nicht.

07 Plaeikke (Deutschland)

Vor etwa zweieinhalb Jahren durfte ich Zeugin eines magischen Moments werden. Bei einem Gig eines Crewkollegen von mir gab eine junge Rapperin ihr Bühnendebüt: Plaeikke. Seit unzähligen Jahren schrieb die Leipzigerin bereits an Texten und stellte sich nun erstmalig auf eine Bühne. Die Crowd war viel zu klein, aber was Plaeikke vermittelte, erreichte jede*n im Publikum. Ich hatte schon lange keine so komplexen, deepen und emotionalen Texte auf Deutsch mehr gehört. Umso mehr freue ich mich, dass es seit einigen Wochen endlich ein Mixtape der MC gibt – „Mess with ma weakness“. Ob Stärken oder Schwächen – in Reime gepresst kriege ich nicht genug von den Gedanken der Rapperin. Ich war selten so stolz, mich als Fan der ersten Stunde bezeichnen zu können.

08 Lady Lykez (UK)

Es folgt der fast schon obligatorische Lobgesang auf die Rapszene des Vereinigten Königreichs. Die Liste an talentierten Female MCs ist so unfassbar lang, dass es fast eine eigene UK-Version von „365 Female MCs“ bräuchte. Lady Lykez ist eine von ihnen. Auch wenn es in den letzten Jahren etwas ruhiger um die Künstlerin mit den Fire-Bars war, sei sie hier erwähnt. Mit kontroversen Texten und einer atemberaubenden Technik und Delivery nimmt sie jede Bühne für sich ein. Spätestens seit ihrem Battle gegen Sox bei den „Lord of the Mics“ sollte klar sein, dass sich niemand so leicht mit der Lady anlegt.

09 Lena Jackson (USA)

Schriftstellerin, Rapperin, Poetin und vor allem HipHop-Lover – das ist Lena Jackson aus North Carolina. Ihre ersten Bars waren noch Gedichte, ehe sie sich zu den Rapcyphers in der Cafeteria ihrer Schule dazu gesellte. 2018 erschien ihre Debüt-EP „Darkness Brim“, ein kleines Conscious-Rap-Manifest, in dem sich die MC und Spoken-Word-Künstlerin Themen wie Armut, häuslicher Gewalt und psychischer Gesundheit widmet.

10 Ivorrie (Schweiz)

Die Luzerner Künstlerin Ivorrie hat ihre Karriere direkt mit einem amtlichen Paukenschlag begonnen: Ihr Debütrelease „Twins“ mauserte sich zum Kritikerliebling, eine Zusammenarbeit mit Jason Derulo und eine Kooperation mit Coca-Cola stehen ebenfalls im Lebenslauf der Sängerin und Rapperin. Dass sie es, trotz Erfolgen im Pop-Bereich, ernst meint mit dem Rappen und einen soliden Mittelfinger auf Hater und Neider gibt, zeigt sie mit der Ende 2018 erschienenen Single „Straight“. Kann man straight feiern!

11 Mina La Voilée (Senegal)

Als Teil der HipHop-Formation „Benen Eleve“ erschien Mina La Voilée 2012 erstmalig auf der Bildfläche. Nach der Auflösung der Crew ist die Rapperin, deren Künstlerinnenname sich von ihrem Vornamen Aminata ableitet, solistisch unterwegs. Ob als Freestylerin oder als Teil von All Female Cyphers – die MC aus Dakar zeigt ihre Skills wo immer es geht und steht dabei für einen empowernden Mindstate ein.

12 La Furia (Spanien)

Denkt ihr an San Sebastián, habt ihr sofort sonnenverwöhnte Strände und Meer im Kopf? Die spanische Rapperin La Furia bringt ihre Heimat seit fast einem Jahrzehnt auch in Sachen HipHop auf die Landkarte. Sie selbst bezeichnet sich als Feministin, Komikerin und Kämpferin, wobei auf ihrem neusten Release „Pecadora“ die ernsteren, selbst- und gesellschaftskritischen Themen überwiegen. Dabei ist La Furias Impact auf die spanische HipHop-Szene nicht zu unterschätzen: Als feministische MC schafft sie seit Jahren Räume für andere Frauen* in einer Subkultur, in der weibliche Artists oft nach wie vor nicht allzu gern gesehen sind.

13 Bre-Z (USA)

Wer die Serie “Empire” gesehen hat, dürfte dieses Gesicht kennen: Bre-Z macht sich aktuell nicht nur als Schauspielerin, sondern auch als Vocalistin einen Namen. Bereits mit 14 wagte die Künstlerin aus Philadelphia erste Steps am Mikrofon und erlangte so die Aufmerksamkeit von Freeway, der die MC fortan unter seine Fittiche nahm. Im letzten Jahr machte sie ernst und veröffentlichte neben ihrer Debüt-EP „The GRL“ auch die Single „Best of me“ mit Lil‘ Mo in der Hook – dezenter Nostalgie-Flash incoming.

14 Malsha (Deutschland)

Zurück im Deutschrap-Untergrund: Die Hamburger Rapperin Malsha stand im letzten Finale von HipHops bester Castingshow „Raptags“. Doch auch darüber hinaus hat die Female MC einen ziemlich beachtlichen Output mit hochwertigen Videos und zeitgemäßem Sound, der den Nerv der Generation Soundcloud trifft. So fleißig wie Malsha am Grinden ist, würde es mich sehr wundern, wenn da nicht früher oder später mal ein Hit rumkommt.

15 Princess Eud (Haiti)

Haiti mag nicht unbedingt auf der Liste der Länder mit den präsentesten HipHop-Szenen sein, doch hat der Inselstaat bereits einige bemerkenswerte Female MCs hervorgebracht. Eine von ihnen ist Princess Eud, die seit ihrem 16. Lebensjahr Musik macht. In ihrer Musik hört man das musikalische Erbe Haitis klar heraus. Ihre Mischung aus tanzbaren Afrobeats und haitianischen Lyrics haben sie, völlig zu Recht, zum Liebling der Medien gemacht, die sie gern als „Haiti’s First Lady of Rap“ bezeichnen. Dabei ist der MC aus Port-au-Prince ihr Impact bewusst: „I’m singing for the voiceless and I’m singing for the women. I want to empower them, make them feel like they are strong, they are beautiful, they are smart.” Dabei ist Princess Eud nicht nur Musikerin, sondern auch Schauspielerin und hat ihre eigene, sehr erfolgreiche Taschenkollektion. She’s not a business woman, she’s a business, women!

16 The Honey Farm (UK)

Falls ihr euch schon mal gefragt habt, wer “potentially the first and only and by default greatest Scottish female rap group of all time” ist: Die Antwort lautet The Honey Farm. Seit letztem Jahr warte ich fieberhaft auf das Album des Trios aus Edinburgh. Die Zeit bis dahin kann man sich mit ihren bisher erschienenen Songs vertreiben, die in bester DIY-Manier und mit nicem Oldschool-Flavour humorvoll Themen wie Sexismus, Catcalling und Homophobie aufarbeiten. Bitta DisGrace, Pimpses Asha und Sweethardt Dowt zeigen, wie ein solidarisches und kreatives Miteinander unter Künstlerinnen im HipHop funktioniert.

17 Sini Sabotage (Finnland)

Sini Sabotage zählt zu den interessantesten Shooting-Stars der finnischen Musikszene. Die Rapperin und DJ schaffte mit „Levikset repee“ im Jahr 2013 einen Nummer-Eins-Hit in ihrer Heimat. 2015 erschien ihre bisher letzte EP „Lue mun huulita“, seither trat sie lediglich als Featuregast in Erscheinung. Ihr 2016 unterzeichneter Labeldeal mit Universal Music lässt jedoch hoffen, dass die Künstlerin mit dem charakteristischen, von EDM und New Wave inspirierten Sound bald nachlegt.

18 Erica Mason (USA)

Erica Mason in zwei Worten: „Pretty N Radical“. So hat die Künstlerin aus Gainesville, Florida, ihre Debüt-EP betitelt. Kluge Lyrics, Selfempowerment, soulige Klänge und Liebe zu Gott, das ist das Rezept ihrer Musik, das ihr bereits Nominierungen für die Gospel Choice Awards und die Kingdom Choice Awards eingebracht hat. Mit dem Ziel, durch ihre Songs andere Menschen, insbesondere Frauen und Mädchen, zu bestärken, ist sie auch als Speakerin auf internationalen Konferenzen unterwegs. Gott sei Dank bleibt dazu noch genug Zeit für die Sängerin und Rapperin, großartige Musik zu veröffentlichen.

19 Reykjavíkurdætur (Island)

Willkommen bei der großen Künstlerinnennamen-Challenge: Wer den Namen der isländischen Rapcrew Reykjavíkurdætur nach maximal fünf Mal lesen noch auswendig kann, bekommt ein Stück Schokolade von mir. Das schmälert den künstlerischen Impact der vielleicht coolsten Girlgroup der Welt keineswegs. Zehn Female MCs graben die Rapszene Reykjaviks seit 2013 ordentlich um. Alles begann in einer Kellerkneipe in der isländischen Hauptstadt. Die weibliche Rapszene hatte sich dort einen Save Space geschaffen, um sich entspannt am Mic auszuprobieren. Da die Jams beim Publikum direkt ordentlich einschlugen, erarbeiteten die Künstlerinnen einen gemeinsamen Song mit dem Namen „Reykjavíkurdætur“ – und hatten daraufhin quasi keine Wahl, als als Kollektiv durchzustarten. Inzwischen arbeiten die zehn MCs an ihrem zweiten Crew-Album, das im Herbst erscheinen soll.

20 Antifuchs (Deutschland)

Fuchs muss tun, was ein Fuchs tun muss. Und außerdem sind Füchse keine Rudeltiere. Diese beiden HipHop-Weisheiten hat Antifuchs aus Flensburg tief verinnerlicht. Die Solokünstlerin mit der Maske hat aktuell einen so heftigen Release-Schedule, dass man gar nicht hinterherkommt. Dass sie es ernst meint, weiß man schon seit Beginn ihrer Onlinebattle-Historie im Jahr 2013. Eine EP und ein Album später hat die Rapperin mit kasachischen Wurzeln inzwischen einen Majordeal in der Tasche. In ihrem Song „IWNWIW“ rappt Antifuchs darüber, dass sie nicht weiß, was sie im Leben will. Muss sie vielleicht auch gar nicht, wenn sie weiterhin mit so einem Output abreißt. Anti for life!

21 呆宝静 (Double J) (China)

Es gibt immer wieder Fälle bei „365 Female MCs“, wo die Sprachbarriere zu einem unüberwindbaren Rechercheproblem wird. Die chinesische Rapperin Double J ist so ein Fall. Mit „It’s okay“ lieferte die Rapperin in jedem Fall einen amtlichen Representer zu ihrem gleichnamigen Mixtape, das 2013 erschien. Wer sich also schon immer mal vergewissern wollte, dass mensch auch auf Mandarin krass spitten kann – diese junge Frau beweist es euch.

22 Shivani Ahlowalia [Alo Wala] (Dänemark/USA)

Eine indisch-amerikanische Rapperin, die unter anderem in Südafrika und Guinea gelebt hat und in Kopenhagen hängen geblieben ist, um mit zwei dänischen Musikern auf einem portugiesischen Label gesignt zu sein. Wem das schon international vorkommt, der sollte dringend in die Tracks der Band reinhören. Alo Wala lassen keinen globalen Einfluss aus und schaffen mit ihrer Musik dennoch ein rundes Soundbild. Ihr Debüt-Release „Cityboy“ schlug in Kritikerkreisen ordentlich ein. 2017 erschien die Single „Paralyzed“, mit besten leshurr’schen Doubletime-Verses, einem Beat zum unmittelbaren Durchdrehen und hefigsten Bildern aus der Umgebung der Megametropole Mumbai.

23 Monie Love (USA/UK)

Monie Love ist vielleicht die erste internationale Rapperin, die ich auf meinem Radar hatte. Der Beginn des Instrumentals von „It’s A Shame (My Sister)“ verpasst mir jedenfalls noch immer Gänsehaut-Flashbacks in meine Kindheit. Dabei wird Monie Loves Impact gern unterschätzt: Sie war nicht nur eine der frühen Vorzeige-Female-MCs, sondern auch eine der ersten Artists aus England, die sich auf dem US-Musikmarkt etablierten. Ihre 1989 erschienene gemeinsame Single mit Queen Latifah, „Ladies First“, ist bis heute ein Manifest für feministischen Rap. Als Teil der Native-Tongues-Bewegung bewies sich die Künstlerin als talentierte, intelligente Lyricist. Heute ist sie vor allem als Radiomoderatorin tätig.

24 Sarahmée (Kanada/Senegal)

Dass Kanada eine Brutstätte für großartigen französischsprachigen Rap ist, sollte niemanden überraschen. Eine der interessantesten Künstlerinnen aus diesem Land ist Sarahmée. Die in Montréal lebende Rapperin veröffentlicht am 5. April ihr zweites Album mit dem Titel „Irréversible“. 2019 markiert außerdem das zehnjährige Bühnenjubiläum der vielseitigen Musikerin, die gern mal kolumbianische und afrikanische Einflüsse in ihre Musik packt und sich ungern auf einen musikalischen Film festlegt. Neben ihrer Musik durfte Sarahmée schon als Gesicht der Kosmetikmarke Sephora herhalten.

25 Lizzo (USA)

Lizzo ist Kult! Die Rapperin und Sängerin steht für Selbstbewusstsein, Body-Positivity – und unfassbar großartige, fast schon satirische Musikvideos, die eben mal sämtliche Stereotype der Musikindustrie über den Haufen werfen. Medien feiern sie nicht umsonst als eigenes „Movement“ und vergleichen ihre Attitude mit Diana Ross und Aretha Franklin. Gott sei Dank hat die Künstlerin mit „Cuz I Love You“ für den April direkt ein neues Album am Start – ihr bereits drittes, in dem sie Diversität jeder Art zelebriert. Dass sie ihren Aufruf zu mehr Selbstliebe ernst meint, zeigt sie bei ihren Bühnenshows: Hier wird sie von ihrer Backup-Tanzformation The Big Grrrls begleitet – einer Gruppe aus wunderschönen und talentierten Plus-Size-Tänzerinnen. Mit ihrer gesellschaftlichen Ansprache erschafft Lizzo unfassbar positive, lebensbejahende Musik, die riesig viel Spaß macht.

26 Class A (Australien)

Auch in down under wird gespittet, was das Zeug hält: Class A macht sich aktuell vor allem als Eventhost einen Namen, blickt aber bereits auf eine beachtliche Diskografie aus drei Alben und einem Mixtape zurück. Dass sie die Creme de la Creme der Golden Era zu ihren Einflüssen zählt, hört man in der Wahl ihrer wunderbar boombapigen Beats. Gemeinsam mit Aoi tat sich die Rapperin für das Siteprojekt „The Baroness“ zusammen. Außerdem war sie Teil des Rapkollektivs L-Burn ILLuminati.

27 Kolera (Türkei)

Rapperin seit 1998, Labelinhaberin seit 2018: Kolera meint es ernst! Die Künstlerin aus Istanbul startete in den 2000ern gemeinsam mit ihrem Ex-Mann, Rapper Sagopa Kajmer, ordentlich durch. Die beiden veröffentlichten zahlreiche gemeinsame Tracks und ein Collabo-Album. Doch auch solistisch beweist Kolera mit einem hohen Output ihr Können – ihr Sound ist aktuell von Trap- und Trip-Hop-Einflüssen geprägt, Ohrwurm-Hooks inklusive. Ihre ersten Steps in der HipHop-Kultur machte die MC übrigens als Breakdancerin.

28 Shawnna (USA)

Da ich am 28. April Geburtstag habe, widme ich diesen Tag der Rapperin, die zu Teenagerzeiten den größten Einfluss auf mich hatte: Shawnna, einstige First Lady von Ludacris‘ Label Disturbing tha peace. Dass die Rapperin aus Chicago locker mal ihre gesammelten Label-Kollegen (und den damals schnellsten Rapper der Welt, Twista) an die Wand rappte, zeigte sie auf ihrem 2004er Solodebüt „Worth tha Weight“ sowie dem ersten DTP-Labelsampler. Als Featuregast auf Ludas Single „Stand Up“ wurde sie außerdem zu einer von bis heute nur sieben Female MCs, die die Nummer Eins der US-Billboard-Charts erreichten. Für mich zeigte Shawnna ein zu der Zeit einmaliges Gesamtpaket aus unfassbaren technischen Skills, einer außergewöhnlichen Stimme und provokanten, expliziten Texten. Nach der Trennung von Disturbing tha peace widmete sich Shawnna verstärkt ihrer Familie, ist aber inzwischen mit neuem Material am Start.

29 Shubangi (Deutschland)

Manchmal wirft diese Musikwelt für mich riesige Fragen auf – zum Beispiel wie die Welt Shubangi verschlafen konnte. Sie rappt, sie singt, sie hat ihren eigenen, krassen Sound und gute Texte mit Message. Politische, kritische Lyrics ohne zu weit erhobenen Zeigefinger, dazu eine intensive Live-Energie – auf insgesamt drei EPs und zahlreichen Live-Gigs hat sich die in Münster lebende Künstlerin ihre Sporen verdient. Ihre ersten musikalischen Schritte machte sie noch an der Geige, inzwischen ist sie mit dem Mikro quasi verwachsen. Wenn Shubangi nicht gerade auf der Bühne oder im Studio anzutreffen ist, unterrichtet sie an einer Schule im Münsterland Englisch, Politik und Geschichte.

30 Gripsta aka Egypt (USA)

1993 war auf Ice-Ts Album „Home Invasion“ eine gerade einmal 14-jährige Rapperin zu hören. Kaum einer erinnert sich heute an den Totalabriss, den Gripsta auf dem Track „Funky Gripsta“ abzog. Dabei handelt es sich bei dem Song um ein weiteres Manifest dafür, dass krasse Female MCs schon immer ein selbstverständlicher Teil der Rapszene waren und sind. Auch wenn es durch Labelprobleme nie zum Release eines Albums gab, bewies die MC aus Oakland auf diversen Solosingles und Featureauftritten ihre Skills – und macht bis heute Musik. Inzwischen ist sie unter dem Namen Egypt aktiv. Neben ihrer Liebe für krasse Bars hat es ihr auch die Schauspielerei angetan.

Teil Sieben von “365 Female MCs” kommt am 1. Mai – also tanzt nicht ganz so heftig in den nächsten Monat hinein. Ich freue mich wie immer über euer Feedback und eure Vorschläge, als Kommentar unter diesem Beitrag oder per Mail.

Hier geht’s zur aktuellen Spotify Playlist mit allen Female MCs:

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