Mit Teil 5 der 365 Female* MCs nähern wir uns langsam aber sicher der Halbzeit unserer Challenge. Inzwischen umfasst meine Datenbank über 740 Künstlerinnen* aus der ganzen Welt und die Auswahl für diese Blogreihe fällt mir immer schwerer. Doch ich möchte nicht auf hohem Niveau jammern, denn allein die Tatsache, dass mir auch ohne großartige Recherche immer wieder neue Rapperinnen* ins Auge fallen, beweist doch einmal mehr: Es gibt sie zuhauf, die angeblich ach so seltene Spezies der Female* MCs. Und somit gibt es für den März wieder einmal 31 hörenswerte Female* Rap Acts für euch.

Neu hier? Die bisher erschienenen Teile der „365 Female MCs“ findet ihr hier:
Teil 1
Teil 2
Teil 3
Teil 4

01 Okenyo (Australien)

Starten wir den neuen Monat mit einer echten Hymne: „I’m a very busy woman with a lot on my plate”, rappt die selbstbetitelte „Neo Soul/Electro Goddess“ und Female MC Okenyo aus Sydney in ihrer 2017er Single „Woman’s World“, und schießt damit selbstbewusst gegen all jene, die Feministinnen als „Feminazis“ bezeichnen und eine Frau lieber in der Küche sehen als am Mic, Schreibtisch oder wo auch immer sie eben hinwill. Mit ihrer folgenden EP „The Wave“ konnte die Künstlerin, die Erykah Badu zu ihren Vorbildern zählt, genau das machen: Welle.

02 Raja Kumari (USA)

Raja Kumari ist nicht nur eine Rapperin, die man auf dem Schirm behalten sollte, sondern machte sich in den vergangenen Jahren als Songwriterin für Künstler*innen wie Gwen Stefani, Selah Sue, Fall Out Boy und Fifth Harmony einen Namen. Die amerikanische Musikerin mit indischen Wurzeln hat ein absolut bestechendes Gespür für Ohrwürmer, die in Sachen Komplexität aber keinerlei Abstriche machen. Bitte auf dem Schirm behalten!

03 Pyranja (Deutschland)

Endlich! Das war mein erster Gedanke, als mit „Overkill“ 2017 die erste Pyranja-Single nach einer viel zu langen Abstinenz der Rapperin zu hören war. Pyranja ist eine der renommiertesten Künstlerinnen in diesem Spiel namens Deutschrap. Drei Alben, ein eigenes Label, Features und geteilte Bühnen mit einem wesentlichen Part der deutschen Rapszene, dabei eine großartige und unpeinliche Realkeeper-Attitüde sind das noch längst nicht abgeschlossene Vermächtnis des Nordlichts. Mit Springstoff hat die Rostockerin eine neue Labelheimat gefunden. Ich warte sehnsüchtig auf ein Albumrelease – und auf das nächste „endlich!“.

04 Madders Tiff (UK)

Machen wir einen Ausflug in die britische Grime-Szene, die man, wenn man nach dopen Female MCs sucht, in jedem Falle im Auge behalten sollte. Hier räumt Madders Tiff gerade ordentlich das Game auf. Sie versteht Rap vor allem als Sprachrohr, und richtet ihren Track „Listen“ deshalb an die britische Premierministerin Theresa May, gespickt mit Wortbeiträgen von Jugendlichen aus dem Norden Londons, wo sie selbst herkommt. Aufmerksamkeit bekam Madders auch durch ihre Teilnahme an Lady Leshurrs „Girls in Grime“-Cyphervideo, das dringend auf eure YouTube-Favoritenliste gehört.

05 Misunda Stood (Kanada)

Noch ganz am Anfang ihrer Karriere steht die kanadische Rapperin Misunda Stood. Im Dezember veröffentlichte die aus Quebec stammende Künstlerin ihr Debütalbum „Obnoxious Entrance“, nachdem es ein Jahr lang Videoauskopplung an Videoauskopplung geregnet hatte. Ansonsten ist die recht unbekannte junge MC für das Internet noch eine recht Unbekannte. Sollte man mal ändern, hm? Ihre Skills sprechen dafür.

06 Yo-Yo (USA)

Yo-Yo gehört zu den Oldschool-Legenden, die zu gern mal vergessen werden. Ein Skandal, bedenkt man, was diese Frau für HipHop alles getan hat: Sie hat nicht nur eine Vielzahl großartiger Tracks als Solokünstlerin released und war als Featuregast auf Alben von ihrem Mentor Ice Cube, Brandy und vielen weiteren Künstler*innen zu erleben – von ihrer Schauspielkarriere mal ganz abgesehen. Ihre „Yo-Yo School of Hip-Hop“ dürfte die Pausvorlage sein für jegliche Bestrebungen, HipHop als Tool für Krisenbewältigung und Empowerment in die Jugendarbeit mit zu integrieren. Merkt euch den Namen!

07 IC3PEAK (Russland)

Das Moskauer Goth-Rap-Elektro-Duo IC3PEAK ist für Kontroversen bekannt und Frontfrau Nastja sicher kein klassisches Beispiel für eine Female MC, mischt sie doch Rap mit Elementen aus Folklore, Gothic und Klassik. Dennoch seien IC3PEAK hier aufgeführt, denn sie tun etwas, was so HipHop ist, dass man die schwere Einordbarkeit ihrer Musik gern außen vorlassen kann: Sie stellen sich mit ihrer Musik gegen Regime und gesellschaftliche Normen, wählten den Weg nach oben um durch ihren extremen Erfolg auch außerhalb Russlands vor der in ihrer Heimat herrschenden Zensur sicher zu sein. Ach, und ganz nebenbei sind sie einer der spannendsten Acts Eurasiens.

08 Quay Dash (USA)

‘I’m black, I’m trans, and I can actually rap. Plus, I’m pretty… When you have beauty, brains, and talent, that’s some shit they can’t take’. Zum Weltfrauentag möchte ich euch mit Quay Dash eine der inspirierendsten Persönlichkeiten der New Yorker Rapszene vorstellen. Die Künstlerin zelebriert Selfempowerment in jedem einzelnen ihrer Songs, verwandelt all den furchtbaren Hass und die Transphobie, die ihr im täglichen Leben begegnen, in Gold – in Lyrics und Songs – bis es keinen Zweifel gibt: Sie ist die „Queen of that sh*t“.

09 MC Melodee (Niederlande)

MC Melodee gehört zu den HipHop-Acts, die ihre Leidenschaft für Rap schon im Kinderzimmer entdeckten. Seit ihrem achten Lebensjahr hat die holländische Rapperin nur Beats und Bars im Kopf, startete zunächst als Teil des HipHop-Duos La Melodia durch und machte sich bald auch solo einen Namen als eine der wenigen auch außerhalb der Niederlande sichtbaren Rap-Künstler*innen. Mit der spanischen Producer-Crew „Cookin‘ Soul“ fand Melodee schließlich ihre musikalische Heimat. 2018 kam ihre Tochter auf die Welt und rückte den Fokus ein Stück weg vom Musikmachen. Die Vorfreude auf das Comeback der MC ist aber schon jetzt groß.

10 Shay (Belgien)

Shay legte einen ziemlichen Traum-Karrierestart hin. Die belgische Künstlerin stellte zu Beginn ihrer Laufbahn am Mic einige Freestyle-Takes online, auf die – durch einen Freund – der französische Rapper Booba aufmerksam wurde. Dieser war von der MC so angetan, dass er sie als Featuregast auf sein 2011er Mixtape „Autopsie Vol. 4“ einlud. Mit ihrem Faible für Gangsterrap wird Shay inzwischen gern selbst von den Medien als weibliche Version ihres Mentors tituliert.

11 Physical Graffiti (Ecuador/USA)

Erst vergangenen Monat war Physical Graffiti wieder einmal auf deutschen Bühnen zu erleben. Gründe, die in New Jersey lebende Künstlerin auf dem Schirm zu behalten, gibt es viele: Freude an abstrakten Instrumentals, großartige Bühnenpräsenz, nice Lyrics. In dem Nürnberger Produzenten Kuchenmann hat sie einen kompetenten Partner an den Reglern gefunden, mit dem die Künstlerin, die ihre Plattencover in liebevoller Handarbeit selbst gestaltet, regelmäßig an neuem Material arbeitet.

12 Vel the Wonder (USA)

Fragt man Underground-Heads nach ihren liebsten Female MCs, so ist Vel the Wonder kein selten genannter Name. „Smoother than the inside of a silkworm cocoon“, titelte das Find Mag über das 2014 erschienene Debütalbum „Laced With Pearls“ der kalifornischen Rapperin. Echte Perlen sind ihre Tracks ausnahmslos, treffen dort doch wunderschöne Jazzstrumentals auf Vels fast schon luftigen Rapflow. Für ihr neues Album „La Sena Ave“, das genau an diesem Tag – dem 12. März – erscheinen soll, hat die MC nochmal eine ordentliche Schippe draufgelegt.

13 Echo (Israel)

Echo gilt als eine der relevantesten HipHop-Artists Israels. Die Rapperin, Songwriterin und Produzentin machte zunächst als Teil der Formation Echo & Tito auf sich aufmerksam. 2018 folgte ihr Debütalbum „Achat“, für das sie mit zahlreichen namhaften Produzenten aus der israelischen Musikszene zusammenarbeitete. Trotz mangelnder Hebräisch-Kenntnisse meinerseits macht der smoothe, warme Sound ihrer Musik wahnsinnig Spaß und Appetit auf mehr.

14 Mz Bratt aka Cleo. (UK)

Wenn die Genrebezeichnung Neo-Soul Grime bei euch bereits orgasmusähnliche Gefühlswallungen hervorruft, könnte Cleo., vormals als Mz Bratt bekannt, etwas für euch sein. Bevor Cleo. ihre Gesangsstimme erkundete, war sie als Rapperin ihrer Zeit (und dem Gros der britischen Rapszene) weit voraus. Ihre Bars präsentierte die Londoner Künstlerin zunächst auf Myspace und machte sich dann in der TV-Show Musicool einen Namen. Da der große Erfolg als MC wider allen Erwartungen ausblieb, legte sie eine etwa zweijährige Pause ein, um 2015 mit ihrem neuen Alter Ego Cleo. und neuem Material zurückzukehren.

15 Finna (Deutschland)

Für die Hamburger Künstlerin Finna gilt „Rap ist Politik“: Seit 2015 macht die MC auch außerhalb des audiolithschen Zeckenrap-Kosmos Welle, mit Mut zur Aussage und vor allem zum Sie-selbst-sein. Verdientermaßen wurde sie dafür bereits mit dem Hamburger Musikpreis „Krach & Getöse“ ausgezeichnet und bespielte unzählige Bühnen live. Auf Sexismus, Homophobie und gesellschaftliche Kälte hat die Musikerin so gar keinen Bock und zeigt das auch offen. “Ich bin nicht normal? Danke, das weiß ich“ – und das ist auch verdammt gut so, liebe Finna!

16 Young M.A. (USA)

Ich muss zugeben – live hat mich Young M.A. bisher nicht überzeugen können, was wohl primär Symptom einer neuen Generation an Rapper*innen ist. Dennoch gilt die New Yorker MC bei vielen bereits als „beste Rapperin der Welt“, und das obwohl sie erst seit ihrem 2016er Instant Hit „OOOUUU“ auf sich aufmerksam macht. Das aber dafür in besonders großem Maße: Der Support von Szenegrößen wie Jay-Z, Beyoncé, Remy Ma und Swizz Beats lässt nicht lange auf sich warten. Covershootings für The Fader und HighSnobiety ebenso wenig. Ihren einzigartigen Style, der Gangster-Attitude und eine gute Portion Macho-Gehabe miteinschließt, festigte sie auf ihrer 2017er Debüt-EP „HERstory“ – und ist noch lange nicht fertig damit, ihren Stern an den Rap-Himmel zu schießen.

17 Jvcki Wai (Südkorea)

Ein in der westlichen Rapszene viel zu selten beachtetes Subgenre ist der K-Hop – ein eigenes HipHop-Movement aus Korea, das Stilmittel traditioneller koreanischer Musik mit Rap, Trap und Cloud Rap kombiniert. Auf dem Schirm haben sollte man da besonders Jvcki Wai. 2016 veröffentlichte sie ihre Debüt-EP „Exposure“, machte sich in der koreanischen Rapszene jedoch schon zuvor einen Namen und sahnte beispielsweise einen Preis für die „Best Mixtape Collaboration“ für einen Song mit Futuristic Swaver ab. Seit Anfang 2018 steht sie bei Indigo Music unter Vertrag, wo auch ihr letztes Album „Enchanted Propaganda“ im Juli erschienen war.

18 Cardi B (USA)

23 Jahre. 23 Jahre mussten wir warten, bis eine Frau den Grammy für das „Beste Rap-Album“ holt. Seit 1996 gibt es die Kategorie, erst seit 1989 wird HipHop überhaupt bei den Awards ausgezeichnet, lange Zeit wurde das Genre dort sehr stiefmütterlich behandelt. Man muss kein Cardi-B-Fan sein, um den Moment, als die Preisträgerin völlig sprachlos mit der Trophäe vor dem Mikrofon steht, zu feiern. Die Geschichte der Selfmade-Millionärin Cardi ist weltbekannt – es ist ihrer harten Arbeit und ihrem kontinuierlichen Hustle unter den unbequemsten Umständen zu verdanken, dass sie dort ist, wo sie hingehört: Auf der Bühne, als Frau, die alle Rekorde bricht. Eine Erfolgsgeschichte, die auch klar macht, dass es nicht nur Eine geben muss.

19 Malikah (Libanon/Frankreich)

Die in Beirut lebende Rapperin Malikah wurde in Frankreich geboren, verbrachte ihre Kindheit jedoch im Libanon unter dem Schatten des dort herrschenden zerstörerischen Krieges. Bereits im zarten Alter von 16 Jahren machte sich die junge MC in der libanesischen Rapszene einen Namen und mauserte sich schnell zum weiblichen Role Model der arabischen HipHop-Bewegung. Die Selbstbetitelung als „The True Queen of Arab Hip-Hop“ scheint da keine Untertreibung zu sein, bespielte Malikah doch zahlreiche Bühnen als erste Female MC überhaupt. Durch ihre Live-Aktivitäten ist die Rapperin inzwischen weit über ihre Landesgrenzen hinaus bekannt.

20 Mainy Aiuto (Deutschland)

Im niedersächsischen Nirgendwo, wo die Schornsteine ihre Umrisse in den Horizont malen, hat sich Mainy Aiuto ihren ganz eigenen Stil erarbeitet. Geprägt vom zeitgeistigen Rap zum Gesang einer Namika, und dennoch abstrakter, introvertierter, melancholischer als die größeren Namen im deutschen Female Rap Game sieht die Wolfsburgerin sich selbst als Singer-Songwriter-Rap-Pianistin mit Ghettoqualitäten. Erst 2018 hat Mainy Aiuto ihre EP „Blickdicht“ veröffentlicht. Auschecken, dieses!

21 Shadia Mansour (UK/Palästina)

Mit der Libanesin Malikah haben wir schon über „The True Queen of Arab Hip-Hop“ gesprochen. Nun hat eine Rapszene neben einer Queen natürlich auch noch eine selbstbetitelte First Lady – und das ist im Falle der arabischen HipHop-Welt Shadia Mansour. Internationale Kollaborationen mit Artists wie M1 (Dead Prez) und Ana Tijoux machten die Londonerin mit palästinensischen Wurzeln international bekannt. Das verdankt sie auch ihren kritischen Texten und Statements: So positioniert sie sich selbstverständlich im Nahost-Konflikt, bricht aber parallel dazu mit in Palästina (und auch der HipHop-Szene) vorherrschenden Genderrollen, indem sie sich beispielsweise weigert, vor nach Geschlechtern getrenntem Publikum zu performen. In den letzten Jahren ist es leider recht ruhig um die Britin geworden.

22 Eunique (Deutschland)

“Die aufregendste Rapperin des Landes“ nannte Die Zeit die Hamburger Rapperin Eunique zum Release ihres Debütalbums „Gift“ im April 2018. Generell scheint die MC die Künstlerin zu sein, der einfach niemand in der Szene die Skills abzusprechen wagt, und die dazu weibliches Empowerment, das andere Frauen ganz selbstverständlich mit einbezieht, astrein verkörpert. Schon vor Release ihres Erstlingswerks hat sich Eunique mit Unterstützung ihres Haus- und Hofproduzenten Michael Jackson (dem aus Berlin) eine solide Basis aufgebaut und mit dem „Kobra Militär“ eine mehr als treue Fan-Gefolgschaft. Auftritte in der Serie „4 Blocks“ sowie ihre eigene Doku „Becoming Eunique“ zementieren den Weg zum Fame. Wer ist so nice wie sie?

23 HeeSun Lee (Südkorea/USA)

Die seit 2008 aktive New Yorker Rapperin HeeSun Lee musste sich ihre Legacy in der Szene erst hart erarbeiten. “I have had to constantly remind myself that I am legit”, erzählt die Musikerin über ihre Anfänger in einer Kultur, die asiatischen Künstler*innen gern die Skills abspricht. HeeSun Lee kam in Seoul auf die Welt und wurde vier Monate nach ihrer Geburt zur Adoption freigegeben. Ihre chinesisch-amerikanischen Adoptiveltern nahmen die Kleine mit nach Staten Island, wo sie in ihrer Kindheit mit der Musik von Tupac Shakur und Lauryn Hill in Berührung kam. Neben ihrer Liebe zu HipHop thematisiert die Künstlerin vor allem ihren christlichen Glauben in der Musik. Ihre neue EP „Flying Cars“ erscheint diesen Monat.

24 5tka (Polen)

Lauryn Hill und Heather B zählt auch 5tka aus Polen zu ihren größten Einflüssen. 5tka bezeichnet sich selbst als „gewöhnliches Mädchen aus der schönen Stadt Łomża, das sich gern durch Musik ausdrückt“. Das macht Sara, so der bürgerliche Name der Rapperin, auf klassischen HipHop-Beats mit positiven Vibes. In ihrem aktuellsten Song „Chodź ze mną“ (Deutsch: „Komm mit mir“) thematisiert sie die Liebe zu ihrer Heimat und zu ihren Wurzeln.

25 Alika (Argentinien)

Über die argentinische HipHop- und Reggae-Szene hört man hierzulande zugegeben nicht sonderlich viel. Beschäftigt man sich mit dem Sound der aus Buenos Aires stammenden MC Alika und ihrer Nueva Alianza, macht das aber definitiv Appetit auf mehr. 1994 machte Alika gemeinsam mit einer Band erste Steps im Musikbusiness, startete aber bald darauf als Solokünstlerin durch. Irgendwo zwischen Reggae, Dancehall und Rap schuf sie sich ein eigenes Soundbild, mit dem sie zur Repräsentantin ihres Landes werden sollte. Dabei bleibt Alika bis heute Independent-Künstlerin und schreckt in ihrer Musik auch vor unbequemen Themen wie Kritik an sozialer Ungerechtigkeit nicht zurück.

26 11Ä (Schweiz)

Sie “passe ja gar nicht zu den glamourösen Klischees der Hip-Hop-Szene“, schreibt die Schweizer Illustrierte über 11Ä. Die Berner Rapperin lebt auf dem Land, ist zweifache Mutter und macht aus ihren eigenen Tiefpunkten keinen Hehl – und vielleicht sind es genau die Aspekte, die sie zur geeigneten Blaupause für die Female MCs unserer Generation machen. Sie ist ehrlich, sie ist sie selbst und sie braucht keine aufgesetzte Attitüde, um es zu Anerkennung zu bringen. Die bekam sie für ihr komplett auf Schwitzerdütsch aufgenommenes Album „Hie“, das 2018 erschien, bereits von zahlreichen Seiten.

27 Killumantii (USA)

Killumantii dürfte als musikalisches Musterbeispiel für Südstaatenrap herhalten. Die Rapperin aus Atlanta bringt den prägnanten, Crunk- und Trap-getränkten Sound ihrer Heimatstadt auf den Punkt. Bereits als Teenagerin nahm Killumantii, die ihren Namen aus den Lyrics eines Tupac-Songs herleitete, an Freestyle Battles teil und postete zudem kurze Performance-Videos ihrer Rapskills auf gängigen Social-Media-Kanälen. Auf diese Weise baute sich die MC, die in diesem Jahr gerade mal ihren 20. Geburtstag feiert, eine eigene Fanbase auf. 2018 erschien ihr Debütalbum „Yellow Tape“.

28 NoLay (UK)

Seit sie 2005 erstmalig mit ihrer Crew Unorthadox in Erscheinung trat, hat sich NoLay aka Bella Gotti einen festen Platz am Grime-Firmament erarbeitet. Die Rapperin aus dem Süden Londons steht für kompromisslose Bars und einen kantigen Flow. Wird sie mit UK-Schwergewicht Ghetts verglichen und als weibliche Version des Rappers bezeichnet, kontert sie selbstbewusst: „How do you know Ghetts isn’t the male version of me?“ Insgesamt 13 Mixtapes umfasst die Diskografie von NoLay bis heute, für 2019 hat sie eigenen Aussagen zufolge einiges in petto. Einer ihrer wichtigsten Songs bleibt aber „Dancing with the devil“, in dem sie das in der Popkultur viel zu wenig beachtete Thema der häuslichen Gewalt mit brutalster Direktheit aufgreift.

29 TRIBADE (Spanien)

Sakralmusik, um dem Feminismus zu huldigen, gepackt in tighte Bars von drei höchst unterschiedlichen Rapperinnen – bitte was?! Ja, was die spanische Rapformation TRIBADE mit „La Purga“ in audiovisuelle Form gepackt hat, hat selbst mich nach 148 Videos von Female MCs in Staunen versetzt. Brittah, Masiva Lulla und Sombra Alor aus Barcelona legen die Beichte ab und beschreiben unter anderem, wie sie sich selbst anderen Frauen gegenüber toxisch verhalten und die Probleme andere Menschen ignoriert haben. „Heute unterdrückt, doch morgen Unterdrückerinnen / Ich bin des Feminismus nicht würdig, exkommuniziert mich“, ist nur eine Zeile des Songs. Wem das Lust auf Meer macht: Das neue Album des Trios mit dem Namen „Las Desheredadas“ erschien erst im Februar.

30 Genuva (Deutschland)

Kommen wir zu einer deutschen Newcomerin: Genuva hat das Gesamtpaket, das sie ziemlich sicher in sehr absehbarer Zeit zu einem Plattenvertrag (sofern dieser nicht schon längst in Sack und Tüten ist) bringen wird. Sie hat eine Wahnsinnssoulstimme und dazu derbe Rapskills, dazu mit fast 44.000 Instagram-Follower*innen bereits eine kleine aber feine Fanbase – und das völlig ohne professionelles Release, nur mit ein paar unfassbar sympathischen Handyvideos. Sie ist diese Künstlerin, von der ihr in ein paar Jahren sagen könnt, dass ihr sie schon kanntet, als sie noch in ihrem Zimmer auf Beats von Mero und Luciano rappte und sang. Gern geschehen!

31 Narubi Selah (USA)

Beenden wir die Märzausgabe der „365 Female MCs“ mit einer echten lyrischen Koryphäe: Die New Yorker Rapperin und selbstbetitelte „Hip Hop Female Assassin“ machte sich in den 2000ern unter anderem auf dem legendären Label Def Jam Records, aber auch als Schauspielerin, Pädagogin und Spoken-Word-Artist einen Namen. 2010 erschien ihr Debütalbum „I Am Living Math“. Insbesondere der sich mit Waffengewalt in ihrem Heimatland, den Vereinigten Staaten von Amerika, auseinandersetzende Track „Gun Law“ zementiert die politische und lyrische Relevanz der MC.

Die nächsten 30 Female MCs gibt es voraussichtlich am 1. April 2019.
Alle auf Spotify verfügbaren Tracks, die im Rahmen von „365 Female MCs“ vorgestellt werden, findet ihr in der zugehörigen Playlist:

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