Neues Jahr, neues Glück, so heißt es. In den vergangenen Jahren hat sich einiges getan für Frauen in der Musikindustrie: Es gibt Workshops, Förderprogramme und journalistische Beiträge, es wird über Quoten geredet und Festivals können nicht mehr ganz so leicht ungeächtet rein männliche Line-ups aufsetzen. Dennoch ist der Weg zu einer gleichberechtigten Gesellschaft noch weit, auch in der Musik, und auch im HipHop. Mit den ersten beiden Teile von 365 Female MCs habe ich angefangen, all jene großartige Rapperinnen* überall auf der ganzen Welt vorzustellen – und mit ebendieser Mission wird es hier auch weitergehen. Ich freue mich sehr, euch pünktlich zum Jahresbeginn die dritte Ausgabe von „365 Female MCs“ mit 31 höchst unterschiedlichen, phantastischen Künstlerinnen* präsentieren zu können.

Happy 2019!

Hier geht es zu den bisher erschienenen Teilen von „365 Female MCs“:
Teil 1
Teil 2

01 M.I.A. (UK/Sri Lanka)

M.I.A. ist eine der besten, größten und mutigsten Musikerinnen unseres Zeitalters und strahlt mit ihrer Kunst weit über die HipHop-Szene hinaus. Die britische Rapperin, Sängerin, Songwriterin, Produzentin und Regisseurin polarisiert und provoziert regelmäßig mit ihren kontroversen Musikvideos und Texten. In „Born Free“ thematisiert sie Rassismus und politische Verfolgung und inszeniert kurzerhand einen Genozid an Rothaarigen, ihr Video zu „Borders“ zeigt Bilder, die die hedonistische Musikindustrie gern verdrängt: Grenzzäune, Menschenmassen auf überfüllten Booten auf dem Meer. M.I.A., die selbst eine Fluchtgeschichte hat, schreckt vor keinem Tabuthema zurück und ist gerade deshalb als Künstlerin so unfassbar wichtig für diese Welt. Fünf Alben und diverse Grammy-Nominierungen sind Teil ihrer Erfolgsstory, die sie hoffentlich noch lange fortsetzen wird.

02 Eternia (Kanada)

Denkt man an Lyricists aus Kanada, stolpert man früher oder später über Eternia. Seit 2005 ist die in Toronto wohnhafte Rapperin Teil des Games, arbeitete unter anderem mit Apollo Brown, MoSS, Wordsworth, Shad und zuletzt regelmäßig mit pHoenix Pagliacci zusammen. Seit 2010 tritt sie eher als Featuregast und durch vereinzelte Solosongs in Erscheinung – auf ein neues Album warten Fans vergebens. Live rasiert sie zum Glück noch immer regelmäßig, und beweist im Sinne ihres Merchandises, warum dein Favorite MC manchmal einen Rock trägt.

03 Yasmo (Österreich)

Yasmo macht „eigentlich kein HipHop“. Zumindest nennt sie so eine ihrer Singles. Der „kein HipHop“ von ihr und ihrer Klangkantine bekommt dafür dicke Aufmerksamkeit bis in den österreichischen Mainstream hinein. Yasmo begann ihre künstlerische Reise mit Poetry Slams, gewann als erste Österreicherin die U20-Poetry Slam-Meisterschaft. Dass die Wienerin besonderen Wert auf Message legt, zeigt sie in Songs wie „Zwei“, in denen sich die Künstlerin klar gegen den Rechtsruck in der Gesellschaft positioniert. Der charakteristische Sound der neunköpfigen Jazzband beschert Yasmo eine Zielgruppe eher außerhalb der Rapszene, der sie aber fest verbunden ist. So veranstaltet sie beispielsweise eine wöchentliche Freestylesession.

04 She Real (USA)

In Frankreich hat man She Real dank einiger Collabos und Konzerte bereits auf dem Schirm, hierzulande ist die New Yorker Rapperin mit der on-point-Attitude noch eine eher Unbekannte. Ihre Sporen hat sich die Musikerin seit ihrem Start im Business 2012 bereits verdient: Mehrfach hat sie Rap- und Freestylechallenges für sich entschieden und war Voract für Kollegen wie Juelz Santana und Styles P. Bald zwei Hände voll Mixtape-Releases sprechen außerdem für den Wahnsinnsoutput der Künstlerin.

05 Lauryn Hill (USA)

Wo fängt man an, wenn man nur einen einzigen Absatz über eine der größten und wichtigsten Künstlerinnen der HipHop-Geschichte schreiben möchte? Lauryn Hill ist Mastermind, Revolutionärin und Vorbild für unzählige ihr nachfolgende Musikerinnen. Sie brachte Rap und Soul zusammen und veröffentlichte mit ihrem bis heute einzigen Studioalbum „The Miseducation of Lauryn Hill“ ein unverwechselbares künstlerisches Manifest, nachdem sie in den 90ern bereits ungebremst mit den Fugees so ziemlich jeden Pop-Olymp erobert hatte. Miss Hill ist nicht skandalfrei, ihren Thron streitig machen kann ihr jedoch niemand.

06 Rebeca Lane (Guatemala)

Jeden Tag werden in Guatemala zwei Frauen ermordet. Damit ist das zentralamerikanische Land eines der Länder mit der höchsten Frauenmordrate auf der ganzen Welt. Rebeca Lane, Rapperin, Aktivistin und Feministin, hat in einem 2016 erschienenen Video ein offizielles Statement dazu abgegeben und steht seit jeher als Kämpferin für Frauenrechte im Spotlight. In ihrer Musik thematisiert die Künstlerin ungeschönt das Leben als Frau in einem vom Bürgerkrieg gezeichneten Land. Die Kultur ihrer Heimat ist ebenso fester Bestandteil ihrer Musik – das hört man nicht nur ihren Instrumentals an.

07 Agent Olivia Orange (Deutschland/Österreich)

Ist es möglich, dass Agent Olivia Orange 99% der männlichen Rapszene beerdigt? Mit unfassbar komplexen und völlig abgedrehten Texten, die sich jeglichem Auffassungsvermögen entziehen, und schier unendlichen Reimketten spittet sich die österreichische Agentin, die auch als Clockwork Blackness auftrat und sich sonst eher bedeckt hält, in dieselbe Liga wie Morlockk Dilemma, Audio88 und Co. Leider gibt es bereits seit vier Jahren kein wirkliches Lebenszeichen mehr von der Rapperin. Wenn es jemand schafft, die Gute wieder ans Mic zu kriegen – das würde ich sehr begrüßen.

08 Rah Digga (USA)

Es gibt einfach keine wie Rah Digga! Die Front Woman der Flipmode Squad mit der charakteristischen Stimme war nicht nur bei Busta Rhymes regelmäßiger Featuregast: The Fugees, Reflection Eternal, Masta Ace und Jamelia sind nur einige der zahlreichen Künstler*innen, mit denen sie zusammenarbeitete. Neben der Flipmode Squad etablierte sie sich als eines der Aushängeschilder der berüchtigten Lyricist Lounge. Ganz nebenbei nahm sie drei Soloalben auf und machte sich als Freestyle-Koryphäe einen Namen. Rah Digga wird nicht selten als eine der technisch besten Rapperinnen der Welt bezeichnet.

09 Yugen Blakrok (Südafrika)

Yugen Blakrok ist das musikalische Lauffeuer, das früher oder später auch Europa infizieren muss: Die selbstbetitelte Astro-Goth begeisterte bereits Raplegenden wie Chuck D. und Vince Staples, mit dem sie einen gemeinsamen Song für den „Black Panther“-Soundtrack aufnahm. Die Musik der Kapstadter Künstlerin lebt von starken, düsteren Bildern, die sie auch in ihre Musikvideos und Artworks mitnimmt. Auch hierzulande ist die südafrikanische Künstlerin übrigens keine Fremde: Neben einer Show auf dem tschechischen Hip Hop Kemp war sie auch in Deutschland auf Tour und tat sich für eine „Live Bars“-Ausgabe der deutschen HipHop-Plattform Don’t Let The Label Label You mit dem Hannoveraner MPC-Wunder Clockwerk zusammen. Für den 1. Februar hat die Rapperin ihr neues Album „Anima Mysterium“ angekündigt.

10 Amplify Dot (UK)

Eine junge Frau ergreift das Mike bei einer Open-Mic-Runde auf einem Missy-Elliott-Konzert und ist anschließend so von der großen Bühne angefixt, dass sie die UK-Grime-Szene in den Folgejahren maßgeblich mitprägen soll. Amplify Dot aka A.Dot aka Dotty steht für einen eigenen Sound, gibt Grime auch gern mal ein paar abstrakt-poppige Anleihen, und flext mit diesem Busta Rhymes, dem das Grime-Gewand gar nicht so schlecht steht, auf ihrer Single „I’m Good“. Als Radiomoderatorin und -Host ist A.Dot medial omnipräsent.

11 Nura (Deutschland)

SXTN, das Lieblings-Female-Booking diverser HipHop-Festivals der letzten Jahre, sind Geschichte. Die gute Nachricht: Nura und Juju sind solistisch inzwischen recht gut dabei. 2018 trat Nura durch gemeinsame Songs mit Trettmann, Sam (R.I.P.) und Remoe in Erscheinung. Da Nura im Sommer unter anderem auf dem splash! spielen wird, wird es bis dahin wohl noch den einen oder anderen weiteren Solo-Track geben.

12 Nineone (China)

In einem der größten Länder der Welt gibt es, naheliegenderweise, auch zahlreiche vorzeigbare Rapperinnen. Eine von ihnen ist Nineone, die mit einem recht interessanten Sprachmix und Referenzen an Rihanna auf einen Beat rappt, der gewisse Eurodance-Referenzen aufzeigt. Dass sie auch representen kann, zeigt sie beispielsweise in der „Lazyair“-Cypher mit Rap-Kollegen LRAY und Capper.

13 Azealia Banks (USA)

In den vergangenen Jahren machte Azealia Banks leider eher durch Twitter-Battles und öffentliche Pöbeleien von sich reden als durch ihre Musik. Dabei haben ihre Songs das Potenzial, die aus New York stammende Rapperin nach ganz oben zu katapultieren. Schon lange hat Azealia sämtliche Genregrenzen hinter sich gelassen und mischt fröhlich Rap mit 90s House, Disco, R&B, Pop und was ihr eben noch so in den Sinn kommt. Das ist immer so erfrischend und on point, dass man sich wirklich wünscht, jemand würde dem Multitalent endlich das Internet wegnehmen, damit sie sich wieder mehr auf ihre Musik statt auf sinnlosen Tweef besinnt.

14 Klassy (USA)

“Klassy like Aretha” rappt die kalifornische Künstlerin Klassy auf „Inside Out“ über einen Beat von Exile. Wenn sie nicht gerade an ihrem Debüt-Release „Dirty Cortez“ arbeitet oder Collabo-Tracks mit Künstler*innen wie Ruby Ibarra macht, tätowiert sie (gern auch sich selbst) mit Leidenschaft. Klassy tauscht Pitbulls und Chicks gegen Kinderwagen und Chicken und etabliert sich damit derzeit als eine der spannendsten neuen Stimmen in der Underground-Rapszene.

15 Vicky R (Gabun/Frankreich)

God bless her! Vicky R ist eine Rapperin und Beatmakerin aus Libreville, der Hauptstadt des zentralafrikanischen Staates Gabun. Im Alter von zwölf Jahren zog ihre Familie ins französische Lille, wo einer ihrer Cousins die Teenagerin mit HipHop infizierte. Seit ihrem 17. Lebensjahr veröffentlicht die Rapperin nun Songs im Internet. Als wichtigste Einflüsse nennt sie dabei Producer-Legenden wie Ryan Leslie, Timbaland, Scott Storch und Kanye West. Das hört man ihrem zeitgemäßen Sound ebenso an wie ihr musikalisches Talent.

16 MC Lyte (USA)

Kommen wir zu einer der Frauen, die HipHop schon geprägt haben, als dieser in Deutschland noch kaum zu spüren war. MC Lyte wird nicht umsonst als eine der relevantesten Figuren der HipHop-Historie gehandelt. Bereits im Alter von zwölf Jahren nahm sie ihre erste Single auf, arbeitete in den folgenden Jahrzehnten mit zahlreichen namhaften Artists zusammen und veröffentlichte insgesamt zehn Alben innerhalb von 27 Jahren. MC Lyte hat alles: Harte Bars, Wortwitz, Sozialkritik und Soul. Ach ja, ganz nebenbei machte sich die vielseitige Künstlerin auch als Schauspielerin einen Namen.

17 Presslufthanna (Deutschland)

In der linkspolitischen Rapszene Deutschlands hat sich in den vergangenen Jahren eine Kielerin mit dem vielleicht besten Künstlerinnennamen im deutschen Rap behauptet. Mit ihrem künstlerischen Partner LPP war Presslufthanna unter anderem beim YouTube-Format „Spuck auf Rechts“ zu Gast und teilte sich die Bühne bereits mit Acts wie Haszcara, Waving the Guns, Beppo S. & Peter B. und Schlakks.

18 Gavlyn (USA)

Gavlyn bezeichnet sich selbst zwar gern als „ordinary MC“, legte aber einen für dieses Understatement recht untypischen Raketenstart mit ihrer Debütsingle „What I do“ hin. Fünf Alben später ist die Kalifornierin noch immer am Start, tourt regelmäßig durch die ganze Welt und zeigt, dass man mit kluger Rapmusik als Frau ordentlich was reißen kann – und das noch nicht mal allein tun muss. Regelmäßig teilt Gavlyn sich die Bühne mit Künstlerinnen wie Reverie und Vel The Wonder.

19 Charli Baltimore (USA)

Charli Baltimore gehört zu den künstlerischen Persönlichkeiten, die es ohne Biggie bis heute vielleicht nicht geben würde. 1995 traf sie The Notorius B.I.G., der sie maßgeblich bei ihren Plänen, im Musikgeschäft Fuß zu fassen, unterstützte. Ihre Beziehung zu Biggie war Fluch und Segen zugleich, wurde der Rapperin doch oft vorgeworfen, sie sei nur wegen ihres berühmten Mentors bekannt, nicht wegen ihrer beachtlichen Rapskills. In Deutschland erlangte sie vor allem im Umfeld von Ja Rule Aufmerksamkeit, den sie mehrfach featurte. Dabei war es vor allem ihr 1999er Debütalbum „Cold as Ice“ mit Singles wie „Money“ und „Stand up“, die das Herz des geneigten HipHop-Heads höher schlagen ließen.

20 Sampa The Great (Zambia/Botswana/Australien)

Poetin und Rapperin, eine der wichtigsten Stimmen für die afrikanische Rapszene und eine der besten Rap-Acts Australiens – das ist Sampa The Great. Erst kürzlich meldete sich die aktuell in Melbourne lebende Künstlerin mit dem ersten musikalischen Lebenszeichen seit ihrem 2017er Album „Birds and the BEE9“ zurück und veröffentlichte mit „Energy“ eine Ode an weibliche Energie und Kraft. Im große Moves machen war Sampa übrigens schon früher ganz vorne mit dabei: So supportete sie nicht nur Weltstars wie Kendrick Lamar und Joey Bada$$, sondern wurde von der JUICE prompt zur Nachfolgerin der „Native Tongue“-Bewegung erklärt.

21 Lilla Namo (Schweden)

Den “Sound of da police“ auf Schwedisch? Bringt Lilla Namo, und machte 2012 mit „Höj Volymen“ und der KRS-One-Referenz ordentlich Lärm, ihr Debütalbum „Buggy Without Borders“ begeisterte Fans und Kritiker. Nach einigen Jahren Mic-Abstinenz veröffentlichte sie 2018 ihre neue EP „BEEP BEEP“ und bewegt sich seitdem zunehmend von ihren Rapwurzeln weg. Die studierte Ingenieurin und Stadtplanerin ist vor allem für ihre großartigen Songtexte bekannt, für die sie bereits für diverse Preise nominiert wurde.

22 Lisa M (Puerto Rico)

Nachdem in dieser Reihe bereits zahlreiche Wegbereiterinnen der US-amerikanischen HipHop-Szene Erwähnung gefunden haben, geht es heute um eine der prägendsten Figuren der lateinamerikanischen Rapgeschichte. Seit 1989 gilt Lisa M als erste spanischsprachige Rapperin Lateinamerikas. Auf ihren Songs bringt sie ihre Rapskills mit lateinamerikanischen Musikeinflüssen zusammen und machte sich schnell auf internationaler Ebene einen Namen. Seit 2005 ist sie unter dem Namen DJ Miss M auch als Electro-DJ unterwegs – denn Rap ist der Vocalistin, Komponistin, Produzentin und Tänzerin noch lange nicht genug.

23 Ill Camille (USA)

Ill Camille gehört zu den Künstlerinnen, die trotz vielen Jahren im Game und kontinuierlich hochwertigem Output noch weit unter dem Radar schwimmen. Wer die Kalifornierin bereits live erlebt hat, zum Beispiel auf dem splash! 20 oder dem letzten Hip Hop Kemp, dürfte sie aber nicht mehr aus den Augen verlieren wollen. Ihre Songs überzeugen mit komplexen Texten, astreinem Flow und schönsten soullastigen Beats. Wem diese Argumente noch nicht reichen: Ihr letztes Album „Heirloom“ erschien 2017 über Jakarta Records – und das Kölner Label ist ja für seinen phantastischen Geschmack weit über unsere Landesgrenzen hinaus bekannt.

24 Sharaya J (USA)

Dass (auch gute) Rapmusik inzwischen den Weg in die Massenmedien gefunden hat, ist keine große Neuigkeit mehr. 2018 nutzte die Hawaiianische Rapperin diesen Aspekt, und räumte in der US-amerikanischen Castingshow „The Four“ ordentlich ab. Doch Sharaya J ist bereits seit 2010 ordentlich im Geschäft unterwegs, stand viele Jahre lang bei Missy Elliotts Label The Goldmind Inc. unter Vertrag und war mit der Rapqueen sogar auf Europa-Tournee. Seit 2016 haben sich die Wege mit The Goldmind zwar getrennt, die Einflüsse ihrer ehemaligen Mentorin hört und sieht man aber auch noch in Sharayas 2018er Video „Say Less“. Und das hat es in sich!

25 La Pina (Italien)

Kommen wir zu einer weiteren Raplegende: La Pina gilt als erste Rapperin Italiens, die Musik aufnahm und veröffentlichte, Godmother des italienischen HipHops und ist Wegbereiterin für zahlreiche Female MCs in ihrem Heimatland. In Kontakt mit HipHop kam sie während ihres Studiums in Bologna, wo sie in die Kreise der hiesigen, langsam aufkeimenden HipHop-Bewegung gelangte. In den 1990er Jahren veröffentlichte sie zwei Soloalben. Zwar hat die in Milano aufgewachsene Künstlerin das Mic in Sachen Rap schon längst an den Nagel gehangen, als Fernseh- und Radiomoderatorin sollte sie sich jedoch in den Folgejahren noch einen Namen machen.

26 Arianna Puello (Dominikanische Republik/Spanien)

Bereits seit den 1990er Jahren aktiv ist auch Arianna Puello. Die spanische Rapperin, die in der Dominikanischen Republik geboren wurde, war als Teil diverser Kombos, wie der Band N.O.Del KRIB, unterwegs und gilt als eine der ersten Female MCs Spaniens. 1998 erschien ihr Debütalbum „El tentempié“. Bis heute reißt Ari, wie sie von ihren Fans auch genannt wird, auf Bühnen ab und hat kein Milligramm Skills oder Hunger verloren. Aktuell arbeitet sie an einem neuen Album. Neben ihrer beachtlichen Rapkarriere hinterlässt sie auch in der Filmindustrie ihre Fußabdrücke und verantwortete unter anderem zwei Kurzfilme.

27 Amanda aka She-Raw (Deutschland)

Zwischen souligem R&B und Punchlines erarbeitet sich die Berliner Rapperin She-Raw Anfang der 2000er eine solide Underground-Fanbase, arbeitet mit Artists wie Bass Sultan Hengzt, Serk MC und Amun zusammen und veröffentlicht 2005 mit „Beauty and the Beats“ ein absolutes Statement von einem Debütalbum. Leider tauschte die vielversprechende Rapperin die Rap-Booth zu schnell gegen das Hörfunkstudio, so dass es lange Zeit still um sie wurde. Doch 2017 gab es ein überraschendes Comeback, nun unter ihrem bürgerlichen Namen Amanda und mit Four Music im Rücken.

28 Anna Diorio aka Happy Accident (USA)

Halten wir fest: Wenn R.A. the Rugged Man Fan von etwas ist, ist das meistens ziemlich krass. Anna Diorio, die unter dem Namen Happy Accident erste Steps als Rapperin tätigte, ist da keine Ausnahme. Die Vollblutmusikerin betreibt „multidimensional Lyricism“ in Rap- und Gesangsform, hat ihre Wurzeln im Jazz und schreibt so phantastische Texte auf so großartige Musik, dass man fast nicht glauben kann, dass das wirklich gerade auf diesem Planeten passiert. Die Künstlerin aus Brooklyn hat vergangenen Monat ihr neues, via Kickstarter finanziertes Album „Inner Grounds“ veröffentlicht.

29 RoxXxan (UK)

Dass die britische Grime-Bewegung unfassbare Dopeness auf die Ohren der geneigten HipHop-Fanschaft losgelassen hat, ist hinreichend bekannt. Ein besonders gutes Beispiel dafür ist RoxXxan aus Birmingham. Mike Skinner von The Streets ist ihr Fan, und das aus gutem Grund: RoxXxan spittet harte Rhymes auf so ziemlich alles, was nicht bei Drei auf den Bäumen (oder gemutet) ist. Dubstep? Grime? Drum’n’Bass? Nichts ist vor ihr sicher. Von sich selbst sagt RoxXxan, dass sie kein Role Model ist – dass sie sich bisher von keinem Labelboss in den Kram reden ließ, dürfte sie aber durchaus zum Vorbild für zahlreiche Künstlerinnen machen.

30 Maliibu Miitch (USA)

„Maliibu Mitch is the realest Rapper in the Game right now”, titelte Highsnobiety 2017. Bedenkt man, dass die Künstlerin selbst aus der South Bronx, der Wiege der HipHop-Kultur stammt, ist die HipHop-Kredibilität womöglich in der DNA verankert. Und trotz tanzbarer Cloud-Beats und minimalistischen Songstrukturen geht Maliibu Miitch auf Aussage: „There is no force stronger than a bond between women“, titelt sie am Ende ihres Videos zum Song „Give her some money“, remixte zudem Klassiker ihrer fünf Heldinnen Foxy Brown, Lil‘ Kim, Lauryn Hill, Missy Elliott und Eve mit eigenen Verses als besondere Hommage an einige der großartigsten Künstlerinnen dieser sonst so männerdominierten Rapwelt und gibt öffentlich regelmäßig Statements ab, mit denen sie andere Frauen empowert – ein herrlicher Gegenpol zu den Minajs und Banks‘ unserer Zeit.

31 Mansha (Deutschland)

Auch wenn die Januar-Ausgabe von “365 Female MCs“ schon besonders geprägt von den Anfängen der HipHop-Szene in diversen Ländern der Welt war, möchte ich einige Worte zu einer weiteren Wegbereiterin, diesmal hier aus Deutschland, verlieren. Anfang Dezember veröffentlichte das Ficko Magazin ein Interview mit Mansha Friedrich aus Hannover. Darin erzählt Mansha von den Anfängen der HipHop-Szene hierzulande, Anfang der 1980er Jahre in Berlin – weit bevor der Breakdance-Hype die erste hiesige HipHop-Welle auslöste. Mansha war damals als Writerin, DJ und auch Rapperin (damals noch auf Englisch) aktiv, sollte in den folgenden Jahren auf unzähligen Jams spielen und zahlreichen Künstler*innen auf ihrem Weg auf die Bühne behilflich sein. Ihre Geschichte ist sehr bewegend, so dass ich euch für den letzten Tag des Januars das Interview mit form und ihr ans Herz legen möchte. Außerdem kehrte Mansha Friedrich 2005 mit Ricci Puncha und Lord Wax (MB1000) ins Studio zurück und nahm einige deutschsprachige Songs auf, die vielleicht nicht mehr straight Rap, aber dennoch sehr hörenswert sind.

Die nächste Ausgabe „365 Female MCs“ mit 28 weiteren Rapperinnen* erwartet euch am 1. Februar 2019. Bis dahin könnt ihr euch in der zugehörigen Spotify-Playlist durch alle in dieser Reihe vorgestellten und auf Spotify verfügbaren Künstlerinnen* durchhören:

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