Vergangenen Monat startete ich eine Aktion, mit der ich mir vornahm, innerhalb von zwölf Monaten 365 Rapperinnen vorzustellen. Wie verrückt diese Idee ist, begriff ich erst, als ich nach wenigen Stunden einen vollen Posteingang hatte, hunderte Menschen den Beitrag teilten und ich von allen Seiten unfassbar viel Zuspruch erhielt. All diese Reaktionen haben mich in meiner Wahrnehmung bestärkt: Ja, es braucht mehr Sichtbarkeit von Frauen* in der HipHop-Szene (und in vielen anderen Teilen der Gesellschaft). Ich freue mich, mit „365 Female MCs“ einen Teil dazu beizutragen und danke von Herzen allen, die mich bei diesem dezenten Wahnsinn unterstützen.

Hier geht’s zum ersten Teil von „365 Female MCs“.

Für den Dezember habe ich 31 Rapperinnen* aus meiner inzwischen mehr als 500 Musikerinnen* umfassenden Datenbank ausgewählt, die HipHop auf der ganze Welt repräsentieren und ganz unterschiedliche künstlerische Herangehensweisen an Rapmusik haben.

01 Blu Samu (Belgien)

Dass einige unserer Nachbarländer illustre HipHop-Szenen haben, dürfte bekannt sein. Nur wenige haben jedoch belgischen Rap auf dem Schirm. Blu Samu ist eine der bekannteren Vertreterinnen der offenbar immer aufregender werdenden Musikkultur in Brüssel. Die Künstlerin, die in ihren Songs Rap- und Trap-Elemente mit souligen Gesangspassagen kombiniert, wuchs in Antwerpen auf, connectete dann mit der Formation Le77 und ist seit knapp einem Jahr als Rapperin sichtbar. Schon in ihrer Debütsingle „I run“ beweist Salomé, so Samus bürgerlicher Name, dass sie auch vor schwerwiegenden Themen nicht Halt macht.

02 Asian Doll (USA)

Asian Doll ist Südstaatenrapperin durch und durch. Geboren in Dallas (Texas) dürfte sie den Dirty-South-Hype der 2000er in ihren besten Teenager-Jahren miterlebt haben – ein Einfluss, den man ihrer Musik anhört. Schon in der Highschool griff die „Icy Princess“ zum Mikrofon und verfolgte fortan ein klares Ziel: Grenzenlosen Fame. Social Media und ihrer ersten EP sei Dank gelang ihr das recht rasch, so dass sie die Schule abbrach, um sich voll auf die Musik zu konzentrieren. Zahlreiche Beefs, unter anderem mit ihrer ehemaligen künstlerischen Weggefährtin Cuban Doll, dürften die mediale Aufmerksamkeit unterstützen.

03 Queeen (Österreich)

Wie viel E braucht eine Queeen? Die österreichische Rapperin scheint sich da selbst nicht so sicher zu sein, taucht sie doch mal mit zwei, mal mit drei Mal „e“ im Namen auf. Das hält die Künstlerin aus Villach in Kärnten nicht davon ab, auf ihren Tracks selbstbewusst Nachhilfeunterricht in Rapskills zu geben. Im letzten Jahr hat sich „Professor Queeen“ mit Atsche zusammengetan und ergänzt ihre Representer von nun an mit Autotune-Sound und minimalistischen Cloud-Beats.

04 Akua Naru (Deutschland/USA)

Wenn es ein Aushängeschild für Conscious Rap gibt, ist es Akua Naru. Mit unaufgeregter, aber präsenter Stimme trägt sie ihre tiefgründigen, eloquenten Lyrics auf jazzigen Beats mit Weltmusikeinflüssen vor, widmet sich dabei der Identitätssuche und gesellschaftlichen Themen ebenso wie ihrer Leidenschaft zu HipHop. Besonders live ist die Musik der charismatischen Künstlerin ein Erlebnis: Spätestens, wenn sie mit ihrem Classic „Poetry (How does it feel)“ auditive Orgasmen verschenkt, ist man heftig verliebt – es gibt einfach keinen erotischeren und dabei unaufdringlicheren Song. Für diesen Artikel kann es jedoch nur einen Referenzsong der aus Connecticut stammenden Rapperin geben: In „The World is listening“ huldigt Akua Naru anderen wegbereitenden Rapperinnen.

05 Belona MC (Chile)

Reisen wir weiter nach Südamerika: Belona MC gehört zu den Vertreterinnen der chilenischen Rapszene, die dort noch weit mehr als hierzulande eine Rolle als „Voice of the Voiceless“ einnimmt. Entsprechend politisch sind auch die Lyrics der Rapperin, die 2011 erstmalig in Erscheinung trat und es in Chile zu beachtlicher Aufmerksamkeit gebracht hat. In ihren Songs beschreibt sie das Leben der marginalisierten Arbeiterschicht in ihrem Heimatland, thematisiert Ausgrenzungserfahrungen – und setzt diese schwerwiegenden Inhalte musikalisch extrem spannend um. So sampled der Song „Aperturas“ von ihrem Debütalbum ein Schlaflied, das im Kontrast zu ihren aggressiven Flowpatterns steht.

06 Paigey Cakey (UK)

Wenn eine Künstlerin ihre Single „Pullup and Skrrr“ nennt, ist die musikalische Richtung bereits klar. Die Rapperin und Schauspielerin hat den Swag gepachtet und prägt seit 2011 die britische Rap- und Trapszene mit. Dabei gehört sie zu den melodiösesten Vertreterinnen ihres Subgenres: Paigey Cakey bringt auch ohne Autotune ausreichend Musikalität mit, um mit Hit auf Hit zu überzeugen. Ihr Weg ins Rampenlicht begann, wie bei so vielen ihrer Generation, im Internet – ganz klassisch, mit R&B-Coversongs. Inzwischen blickt die Allrounderin auf vier Mixtapes und eine EP in ihrer Diskografie zurück.

07 Benny Renee (USA)

Stell dir vor, eine junge Frau aus Florida nimmt sich Bustas „Touch it“-Beat zur Brust und rasiert fröhlich drauf los: Benny Renee gehört zu den Underground-Namen im US-amerikanischen Rap, die in den letzten Jahren primär durch Feature-Auftritte im eigenen Kreis ein wenig Aufmerksamkeit erzeugen konnten. Verstecken muss sich die Rapperin, die vor einem Jahr ihr „Seasonz“-Mixtape veröffentlichte, mit ihren Skills jedoch absolut nicht.

08 Sookee (Deutschland)

Nein, Sookee, spricht stilistisch nicht jeden HipHop-Head an. Auf der anderen Seite wird die HipHop-Aktivistin oft so sehr auf ihre Messages und politischen Äußerungen reduziert, dass ihre Rap- und Storytelling-Skills viel zu wenig Beachtung finden. Was jeder Mensch, egal wie der musikalische Geschmack nun ausgeprägt sein mag, der Rapperin zu Gute halten muss: Es gibt keine Person in der Rapszene, die sich so aktiv gegen Diskriminierung, sämtliche „-ismusse“ und alles, was auf der Welt so schiefläuft, einsetzt. Und das mit einer bewundernswerten Beharrlichkeit und Diskussionsfreude. Damit stellt sich die Musikerin jeden Tag einem Kampf, bei dem viele Gangsterrap-Kollegen vermutlich schon nach 24 Stunden das Handtuch werfen würden – und ist für zahlreiche Künstler*innen ein Vorbild.

09 Eve (USA)

Wer um das Jahr 2000 herum nicht gerade unter einem Stein gelebt hat, dürfte an Eve kaum vorbeigekommen sein. Die First Lady der „Ruff Ryder’s“ veröffentlichte mehrere Charthits, ist als Schauspielerin aktiv und bekam doch oft nicht die Aufmerksamkeit, die sie verdiente. Unter dem Namen Eve of Destruction signte sie in den 90ern zunächst bei Dr. Dres Aftermath-Label, erfuhr dort aber kaum Unterstützung. Trotz ihrem großartigen Gastpart wurde bei der Single „You got me“ von The Roots meist nur Erykah Badu als Feature angegeben; nur wenige wissen heute, dass der Rap-Part in der zweiten Strophe von Eve stammt. Ihren Fame bekam sie mit Songs wie „Let me blow ya mind“ mit Gwen Stefani und „Gangsta Lovin“ mit Alicia Keys. Seit 2014 gab es kein neues Release mehr von Eve – trotzdem sollte man die Antwort auf die Frage „Who’s that girl?“ nicht vergessen.

10 Mona Haydar (USA)

2017 tauchte in den Unweiten des Internets das Video zu einem Song namens „Hijabi“ auf. Zu sehen: Eine hochschwangere Frau, die über ihr Kopftuch und all die Vorurteile, die ihr durch ebenjenes begegnen, rappt. Mona Haydar begegnete mit diesem Song zunächst Skepsis und löste dann genau die Debatte aus, die sie sich offenbar gewünscht hatte: Die Öffentlichkeit setzte sich verstärkt mit dem Kopftuch als durchaus auch feministischem Symbol auseinander. Doch Mona Haydar auf diesen einen Song zu beschränken, wäre ein fataler Fehler, auch wenn sie sich in Songs wie „Barbarian“ ähnlichen Themen widmet: Dem westlich geprägten Schönheitsideal unserer Gesellschaft und weiblicher Identität. Die in Flint Michigan geborene Künstlerin mit syrischen und amerikanischen Wurzeln sieht sich als Poetin und Lehrerin und studiert aktuell in New York Christliche Ethik.

11 Silvana Imam (Litauen/Schweden)

Seit 2012 mischt Silvana Imam die schwedische Rapszene auf. Und das mit gehörig Selbstbewusstsein, bezeichnet sie sich selbst doch gern mal als den „Vincent van Gogh“ oder „Quentin Tarantino“ des Raps. Ihre Skills haben Silvana bereits mehrere Auszeichnungen eingebracht. Zwei EPs, zwei Alben und ein Projekt mit der schwedischen Folk-Sängerin und ihrer Lebensgefährtin Beatrice Eli – das kann sich sehen lassen. Auch wenn Songs wie „Vikken Då“ für deutschsprachige Ohren womöglich etwas gewöhnungsbedürftig klingen.

12 IAMDDB (UK)

Wenn man sich auf die Suche nach gutem Rap begibt, braucht man eigentlich nur kurz auf die andere Seite des Ärmelkanals schauen. IAMDDB ist das beste Beispiel dafür, wie krass die britische Rapszene aktuell ist. Für Mainstream-Medien ist die Rapperin aus Manchester zwar vor allem dann interessant, wenn sie im durchsichtigen Kleid bei den Brit-Awards aufkreuzt, beschäftigt man sich jedoch ein wenig mit ihrem „Urban Jazz“, ist man eigentlich instant in die Musik von Diana De Brito verknallt. So könnte eine Erykah Badu auf Trap klingen – oder: So einzigartig klingt IAMDDB.

13 KT Gorique (Elfenbeinküste/Schweiz)

Als ich das erste Mal ein Video von KT Gorique sah, war ich unfassbar geflasht. Im Video zu „Outta road“ inszeniert sich die Schweizer Künstlerin mit der markanten Gesichtsbemalung als Urkriegerin und battlet nicht nur in der visuellen Version des Songs alles weg: 2012 gewann die Rapperin die Weltmeisterschaft des „End of the Weak“. Ganz nebenbei erklärt euch KT Gorique auch noch, was es über HipHop zu wissen gibt: „On ne fait pas du hip hop, on EST hip hop, un point c’est tout. Tu vis, tu bouges, danse, pense hip hop.” Und jetzt geht in eure Ecke und schämt euch, wenn ihr sie bisher nicht auf dem Schirm hattet.

14 Hunney Pimp (Österreich)

Sucht man im deutschsprachigen Raum nach dopem Cloudrap, landet man früher oder später zurecht bei Hunney Pimp aus Wien. Wer denkt, dass eine wavy-smoothe Soundästhetik und österreichische Mundart keinen Match ergeben können, wird hier eines Besseren belehrt. Dass die Österreicherin auch straight Rap kann, hatte sie mit ihrem ehemaligen Alter Ego Madda Rah bereits bewiesen. Da darf sie dann auch getrost eine Genregrenze nach der anderen sprengen – und steht mit dieser Mission hoffentlich noch ganz am Anfang ihrer Rapkarriere.

15 Aristophanes (Taiwan)

Im Genregrenzen sprengen ist auch Aristophanes Profi und tat sich für den Song „Scream“ mit der kanadischen Sängerin und Produzentin Grimes zusammen. Hier möchte ich an dieser Stelle das Musikmagazin „Fader“ für mich sprechen lassen: „We can’t understand what she’s saying, but her SoundCloud is blowing our minds.“ Gott sei Dank gibt es auch in Deutschland Menschen, die sich mit der taiwanesischen Rapszene auseinandersetzen (Hallo Yannik), so dass die Künstlerin mit ihrem einzigartigen Flow auch an mir nicht vorübergegangen ist. Als special service gibt es im Video zu „Scream“ übrigens englische Untertitel.

16 Bahamadia (USA)

Bahamadia nicht zu kennen, ist absolut unverzeihlich. Die Lieblingsrapperin eurer Lieblingsrapper hat nicht nur eine uneingeschränkt empfehlenswerte Solo-Diskografie, sondern blickt auf Zusammenarbeiten mit The Roots, Talib Kweli, Morcheeba, Jedi Mind Tricks und vielen mehr zurück. Zu ihren Wegbereitern gehörten Guru und DJ Premier, womit sie wohl offiziell zur HipHop-Ritterin geschlagen wurde. Dass es die Vollblutrapperin aus Philadelphia auch 2018 noch live kann, bewies sie bei ihrer diesjährigen Europatour.

17 Ingrid (USA)

Ganz so lang ist die Diskografie von Ingrid noch nicht. Dafür hat die Rapperin aus Houston (Texas) umso prominentere Fans: Unter Vertrag steht sie bei Beyoncés Label Parkwood Entertainment und war zuvor schon als Songwriterin für den Weltstar tätig. Kein Wunder, die beiden sind quasi Nachbarinnen aus Kindheitstagen, ihre Mütter waren befreundet und generell scheint die Hood Third Ward so einiges an Talent hervorzubringen. Ingrids Debüt-EP „Trill Feels“ erschien 2016 und featurte unter anderem den smoothen Hit „Flex“ mit Sevyn Streeter.

18 Gabylonia (Venezuela)

Ähnlich wie bei Belona MC in Chile ist auch in Venezuela HipHop die Sprache all jener, die keine Stimme haben. In dem lateinamerikanischen Land hat sich, auch dank des Internets, eine hoch politische Rapszene etabliert. Eine Vertreterin dieser Szene ist Gabylonia. Mit ihrem Song „Abuso de Poder“ setzt sie sich beispielsweise mit dem Thema Polizeigewalt auseinander. Auf die schöneren Dinge im Leben scheint sie sich im Video zu „Siempre Sone“ zu besinnen, wo ein recht glücklich wirkendes Paar im Mittelpunkt steht.

19 Stefflon Don (UK)

Zugegeben ist Stefflon Don keine klassische Rapperin, sondern fühlt sich vor allem in Reggae und Dancehall zu Hause. Die britische Künstlerin jamaikanischer Abstammung mischt seit 2015 in der internationalen Musikszene mit und orientiert sich dabei sowohl in Richtung HipHop-Szene als auch an der Popwelt. So arbeitete Steff Don unter anderen mit Demi Lovato, aber auch mit French Montana zusammen.

20 Eno (Ghana)

Obacht, Ghanas First Lady of Rap Eno sollte unter keinen Umständen mit ihrem deutschen Namensvetter verwechselt werden. Den Vergleich scheuen muss die Hoffnungsträgerin jedoch absolut nicht: In zahlreichen Freestyle-Sessions und -Battles hat sie ihr Talent auch medienwirksam unter Beweis gestellt. Ihr Debüt „Pull me out“ packte sie auf die internationale Rap-Landkarte. In einem Interview sagte Eno im vergangenen Jahr, sie sei „the best female rapper in Africa“. Mit ihren empowernden Texten und ihrer Delivery dürfte sie auch einen großen Teil der weltweiten männlichen Rapszene in die Tasche stecken.

21 Ebow (Deutschland/Österreich)

Ebow gehört zu den ganz großen Hoffnungsträgerinnen im deutschen Rap. Dabei schwamm die in Wien lebende Künstlerin lange Zeit unter dem Radar und erarbeitete sich mit sozialkritischen Texten und natürlich Unmengen Skills ihre Sporen. „Komplexität“ hat die Rapperin ihr letztes Album genannt und scheut in ihrer Musik auch nicht vor komplexen Sachverhalten und stilistischen Konzepten zurück. Das gefällt und macht derbe Bock auf mehr!

22 Sitcomlife (Jamaika/USA)

Kennt ihr das, wenn ihr eine Künstlerin entdeckt, bei der ihr euch fragt, wo sie eigentlich euer ganzes Leben lang war? Bei Sitcomlife aus Brooklyn, New York, hatte ich diesen Effekt – zumal die Rapperin schon seit sechs Jahren Musik veröffentlicht. Die Poetin, die auch als Grafikerin und Videographin tätig ist, ist Conscious-Rap Level Endboss und macht dabei einfach unfassbar viel Spaß. Für ihre nächsten Singles arbeitet sie an einem Kurzfilm. Normaler Move.

23 MC Bahata (Serbien)

Serbien? Während ihr gerade euren Schulatlas raussucht, lasst euch gesagt sein: Ja, eine krasse HipHop-Szene gibt es auch in dem Balkanstaat – und dazu einige sehr respektable Rapperinnen. Die als Kragujevac stammende MC Bahata betitelt sich selbst auch als „FunkySistah“ und zeigt ihr Können am liebsten live on stage. Das Studio teilte sie sich bereits mit Kolleginnen wie Lejdi Lerdi und Lil Plane, aber auch mit MC Rima.

24 Angel Haze (USA)

Detroit rules! Die Stadt hat Eminem hervorgebracht, die Stadt hat Black Milk hervorgebracht – nicht zu vergessen das wegweisende Musiklabel Motown. Eine Künstlerin, die bei allen Lobgesängen auf die untergehende Stadt im Norden der USA gern vergessen wird, ist Angel Haze. Raeen Roes Wilson, so die Rapperin mit bürgerlichem Namen, ist nicht nur ein mehr als wichtiges Rolemodel für queere Menschen, sondern eine der besten Rap-Acts unserer Zeit. Punkt. Ihr fühlt ihre Mucke nicht? Call the f*ing ambulance!

25 J.J. Fad (USA)

Nun noch eine kleine Reise in die Vergangenheit. Ihr kennt Salt-n-Pepa und Roxanne Shante? Gut, aber habt ihr auch J.J. Fad auf dem Schirm? Die drei Rapperinnen mischten Mitte der 1980er bis Anfang der 1990er die kalifornische Rapszene ordentlich auf und punkteten dabei nicht nur mit funky Choreographien (jaja, andere Zeiten damals), sondern vor allem mit Text- und Reimmotiven, die sich bis heute in populären Songs wiederfinden (Hallo Fergie). Neben ihrem Stammproducer Arabian Prince mischte bei ihrem Gold-zertifizierten Album „Supersonic“ auch ein gewisser Dr. Dre mit, dazu war die Crew bei Eazy-Es Label Ruthless Records unter Vertrag. Obwohl sie relevante Wegbereiter von N.W.A. waren und dazu die erste weibliche Rapgruppe, die für einen Grammy nominiert war, tauchten sie im N.W.A.-Biopic „Straight Outta Compton“ nicht auf. Seit 2009 ist die Crew dafür wieder auf Bühnen zu erleben – unter anderem auf Freestyle-Events.

26 AYBEN (Türkei)

Sie ist eine der Vorzeige-Künstlerinnen der Türkei: Ayben, zu der vielen vielleicht zuerst einfällt, dass sie die jüngere Schwester des bekannten türkischen Rappers Ceza ist, tritt seit 1999 in die Fußstapfen ihres Bruders. In Rap findet sie ihre „Kunst der verbalen Verteidigung“ – auch wenn sie diese, fast 20 Jahre später und als etablierte Künstlerin, ganz offenbar nicht mehr ganz so nötig hat. In Ihrem aktuellen Video zum Song „La La“ ist die Welt eher positiv. Vielleicht braucht es solche Tunes aber auch, in Zeiten wie diesen.

27 LayFullStop (UK)

Und wieder einmal Manchester! Falls ihr über LayFullStop bisher geschlafen habt: Die junge UK-Rapperin-Slash-Soulstress ist Teil einer nicht enden wollenden Reihe an unfassbar krassen Female MCs aus dem Vereinigten Königreich, die uneingeschränkt empfohlen werden können. Irgendwo zwischen Soul, Jazz und Rap erobert sich die Musikerin seit etwa drei Jahren eine langsam wachsende Fanbase.

28 Tiye Phoenix (USA)

“God Hop” nennt Tiye Phoenix ihren eigenen Stil – und representet sich mit empowernden Rhymes durch den Big Apple. Einen Namen machte sich die Rapperin unter anderem als Teil der Crew Polyrhythm Addicts, an der Seite von DJ Spinna, Mr. Complex und Shabaam Sahdeeq. Und dass sie „Half Woman Half Amazin‘“ ist, wie der Titel ihres 2009er Albums verrät, beweist sie nicht nur am Mic, sondern auch als Producerin.

29 Sister Fa (Senegal/Deutschland)

Sister Fa ist nicht nur eine der bekanntesten Rapperinnen im Senegal, sondern auch eine bedeutende politische Aktivistin, die sich gegen zwei absolute Tabuthemen einsetzt: Die Genitalverstümmelung sowie die Zwangsverheiratung junger Mädchen in ihrem Heimatland. Schon für ihr erstes Demotape erhielt sie den senegalesischen HipHop-Award. Die Künstlerin bezeichnet sich selbst als Rebellin, möchte mit ihrer Musik aber vor allem weiterbilden und für relevante Themen sensibilisieren, einen „Lichtblick in dieser oft dunklen Welt“ bieten, so erzählt sie im Interview mit laut.de. Die in Dakar geborene Sister Fa lebt heute in Berlin.

30 Fiva (Deutschland)

Sie ist die Lyrikerin des deutschen Raps: Fiva mag das MC aus ihrem Namen gestrichen und ihre Fanbase größtenteils außerhalb der aktuellen Szene wissen, diesen HipHop kriegt man aus der Münchnerin aber einfach nicht raus. Einst im klassischen DJ-MC-Gespann mit DJ Radrum unterwegs, braucht sie, unterstützt von der JRBB, inzwischen größere Bühnen. Und auch mit Bigband im Rücken haben Songs wie „Goldfisch“ noch immer mehr puren Rap-Swag als viele sogenannte Classics.

31 Brianna Perry (USA)

Wie könnte man das Jahr 2018 besser beenden als mit einer Künstlerin, deren neues Projekt „Fortune Cookie“ heißt? Lil‘ Brianna ist inzwischen nicht mehr klein und aus dem Schatten ihrer Wegbereiterinnen Missy Elliott (bei deren Label Goldmind Inc. sie unter Vertrag stand) und Trina herausgewachsen. Die „Marilyn Monroe“ des Miami-Rap hat sich auch als Reality-TV-Star, unter anderem in der Serie „Sisterhood of Hip Hop“ einen Namen gemacht.

Die geballte Female Rap Power findet ihr auch in der Spotify-Playlist „365 Female* MCs“, wo alle auf dem Streamingdienst verfügbaren Rapperinnen* aus dieser Reihe zu hören sind:

Teil 3 von „365 Female MCs“ kommt voraussichtlich pünktlich zum ersten Kater im neuen Jahr, am 1. Januar 2019.

Comments


Add Comment