Der September ist da! Ein Jahr ist es her, dass ich auf dem Reeperbahnfestival – wieder einmal – in eine Debatte rund um Frauen im HipHop verwickelt war, damals im Rahmen eines Fler-Interviews. Heute gibt es nun den elften – und damit vorletzten – Teil von „365 Female MCs“. Ich wollte der Welt da draußen 365 Gründe geben, Frauen am Mic nicht länger zu ignorieren, und damit die Masse, aber vor allem die Diversität von Female MCs auf der ganzen Welt zeigen. Nächsten Monat ist dieses Ziel erreicht. Und doch kann diese Reihe nicht ansatzweise all den großartigen Rapperinnen auf der ganzen Welt gerecht werden. Mehr als 1.250 habe ich im Rahmen meiner Recherchen gefunden – und es werden immer mehr. Da ist es nur logisch, dass in dieser Reihe wahnsinnig viele bekannte und unbekannte Gesichter fehlen. Ich hoffe dennoch, dass meine neue Female MC Selection für den Monat September euch ebenso begeistert wie mich. Und wem das nicht reicht – alle Teile von „365 Female MCs“ findet ihr unter diesem Link.

01 TrueMendous (UK)

Meine klitzekleine Schwäche für britischen Rap sollte in dieser Reihe bereits öfter mal durchgeblitzt sein. Natürlich ist da auch TrueMendous nicht an mir vorbeigegangen, eine spannende Lyricist aus Birmingham, die bereits drei EPs und ein Mixtape in ihrer Diskografie vorzuweisen hat. Dabei widmet sie sich deepen, gesellschaftlichen Themen, spricht über psychische Erkrankungen und familiäre Konflikte. Mit ihrem unverwechselbaren Flow und ihren poetischen Texten konnte sie nicht nur mich als Fan gewinnen: „One to watch out for“, sagte Jurassic-5-MC Akil einst über TrueMendous. Inzwischen lebt die versierte Storytellerin in East London, um ihre Musikkarriere weiter zu verfolgen und an ihrem ersten Gedichtband zu schreiben.

02 Coely (Belgien)

Coely war 17, als sie in einem Jugendzentrum in ihrer Heimatstadt Antwerpen entdeckt wurde. Ihre erste Single „Ain’t Chasing Pavements“ veröffentlichte sie noch als Schülerin, machte 2013 ihren Abschluss – und eröffnete nur einen Tag später das Couleur Café Festival für Künstler*innen wie Nneka, Aloe Blacc und Wyclef Jean. Die Musik führte sie seitdem auf Festivals auf der ganzen Welt, unter anderem das splash! und das Berlin Festival. Ihr herrlich smoother Rapstil passt perfekt zu ihren zeitlos komponierten und geschriebenen Songs. Mit „Different Waters“ war 2017 das bis dato letzte Soloalbum der bei Universal gesignten Künstlerin erschienen.

03 Snow tha Product (USA)

You better believe the hype: Seit 2011 glänzt Snow tha Product durch innovative und mehr als unterhaltsame Musikvideos und einen fast schon an Wahnsinn grenzenden Output an Mixtapes und anderen Releases. Die zweisprachige Rapperin wurde schon zu Beginn ihrer Karriere zur Hoffnungsträgerin des Female Raps benannt. Dabei hat die MC mit mexikanischen Wurzeln ihren selbstgewählten Weg nie aus den Augen verloren und ließ sich nicht mehr als nötig reinquatschen. So entschied sie sich im vergangenen Jahr, ihren Majordeal bei Atlantic Records an den Nagel zu hängen und lieber als Independent-Künstlerin ihr eigenes Ding zu machen – auch um anderen mexikanischen Mädchen und Frauen ein besseres Vorbild zu sein.

04 Ryaam (Frankreich)

Französischer Grime? Hört man die Pariser Rapperin Ryaam auf ihre düster-lethargischen Beats flowen, hat man sofort das Gefühl, in einem düsteren Club in London zu stehen. Ihrem einzigartigen Stil verdankt die MC, die 2006 erstmalig zum Mikrofon griff, Kollaborationen mit Artists aus Deutschland, Spanien und natürlich Frankreich. Dabei thematisiert Ryaam gesellschaftliche Probleme und politische Themen ebenso wie persönliche Geschichten. In ihrer neuen Freestyle-Reihe rappt sie über Frauen, die sie auf ihrem Weg inspiriert haben – wie die erste muslimische Marvel-Heldin Kamala Khan.

05 Fantasma Goria (Deutschland)

Sollte es so etwas wie einen Einheitsbrei der Popmusik geben – Fantasma Goria wäre die Chilischote, die dekorativ obendrauf liegt und einen soliden Mittelfinger darauf gibt, wonach der Brei nun eigentlich schmecken soll. Laut, unkonventionell, schrill – Schubladen? Fantasma nimmt den ganzen begehbaren Kleiderschrank! Dabei zeigt die Künstlerin aus Hamburg fast schon überirdisch anmutende Rapskills zu einer mehr als beachtlichen Gesangsstimme, bringt komplexe, nicht immer leicht verdauliche Texte mit und grast musikalisch so ziemlich jedes Genre ab, das ihr über den Weg läuft. 2017 war ihr selbstbetiteltes Debüt erschienen.

06 Foxxjazell (USA)

Sie gilt als eine der ersten Transgender-Artists, die es im HipHop zu Erfolg brachten: Mehr als 15 Jahre bevor Lil‘ Nas X sich fast schon skandalfrei als schwul outete, stand Foxxjazell mit ihrer Crew One20five auf der Bühne. Nach deren Trennung 2004 etablierte sie sich als Solokünstlerin mit insgesamt drei Alben, sensibilisierte die Öffentlichkeit für queeren HipHop und war zwei Mal Teil der berühmten „Homo Revolution Tour“. Foxxjazell stand jahrelang in der ersten Reihe, um der Homo- und Transphobie der Szene die Stirn zu bieten, und das in einer Zeit, in der noch viel weniger über Genderdiskriminierung in der Gesellschaft gesprochen wurde. Auch wenn es seit 2014 still um die Rapperin aus Alabama geworden ist – show some respect!

07 Merýl (Martinique)

Wenn man, wie ich, nicht sonderlich häufig Urlaub in der Karibik macht, stellt sich schnell die Frage: Martinique? Wo? Ah, gehört zu Frankreich, sagt der Atlas – und konfrontiert einen prompt mit dem auch 2019 nicht abgeschlossenen Kapitel der Kolonialzeit. Aber selbst wenn ihr euch nicht mit der bewegenden Geschichte der Karibikinsel beschäftigen wollt – mit einer Künstlerin aus Martinique solltet ihr euch ganz sicher befassen: Die junge Merýl machte sich zunächst hinter den Kulissen einen Namen, arbeitete unter anderem an Produktionen für französische Rapkollegen wie Soprano und Shay mit, und ist seit Ende 2018 nun auch solistisch unterwegs. Ihr Stil ist eine Mischung aus Trap, klassischem Rap und Dancehall in kreolischer Sprache und hat verdammtes Hitpotenzial.

08 Blaq Carrie (Australien/Simbabwe)

Blaq Carrie schleudert euch einen herrlichen Oldschool-Vibe um die Ohren: Auf herrlich souligen Instrumentalen spittet die in Harare, Simbabwe geborene und inzwischen in Brisbane lebende Künstlerin, was das Zeug hält. Inspiration holte sich die MC von ihren Vorbildern Lauryn Hill, Kanye West und Nas – von den Großen lernen also. In ihrer jungen Karriere kann die Rapperin auf einen Queensland Music Award und einen Australian Independent Award zurückblicken. Hört man ihre Songs, glaubt man fast, Blaq Carrie kann alles. Alles, außer Freestylen, verrät sie Ms. Hennessey im Interview auf die Frage, wer sie als Superheldin wäre: „I would be Queen Freestyle. People can come to me when they are losing free style battles and I can save them by dropping the baddest free style ever.”

09 Miss Lenny (Deutschland)

Wie so oft muss man nach den innovativsten Künstlerinnen im deutschsprachigen Raum etwas tiefer diggen. Warum ihr Miss Lenny nicht auf dem Schirm habt, weiß ich auch nicht. Mit lässig-langsamem, fast schon egalitärem Flow und einem maximal verwirrenden Video zimmert die Berliner Rapperin eine amtliche Nummer auf einen Beat von Tropf (genau, DEM Tropf). Dabei grenzt sich der selbstbetitelte „sprunghafte Sonnenschein“ herrlich erfrischend vom Deutschrap-Einheitsbrei ab. In diesem Jahr stand die Künstlerin als Voract von Flo Mega auf der Bühne.

10 Nakury (Costa Rica)

Mit Nakury ist nun endlich die erste MC aus Costa Rica in dieser Liste. Die Rapperin und Aktivistin fand über Graffiti und Breakdance den Einstieg in die HipHop-Kultur und griff erst später zum Mikrofon. 2014 erschien ihr erstes Mixtape „Rima que Ilumina“, ihr Debütalbum „VIA“ folgte drei Jahre später. Auch hinter den Kulissen ist Nakury aktiv, drehte gemeinsam mit Rebeca Laune und Audry Funk die Doku „Somos Guerreras“ und organisierte zahlreiche HipHop-Events in Zentralamerika.

11 Lil’ Kim (USA)

„Wo ist deine Nase, Lil‘ Kim?“, „So hat sich die Rapperin verändert“, „Divenalarm“! Liest man Schlagzeilen über Lil‘ Kim kommt man gar nicht mehr raus aus den Spekulationen um Schönheits-OPs, angeblich zu knappe Outfits und zu zickige Statements. Aber können wir nicht einfach mal darüber sprechen, dass diese Frau seit fast 25 Jahren das Rapgame maßgeblich prägt? Erste Schritte machte sie als Teil der Junior M.A.F.I.A. an der Seite von Biggie, der nicht nur ihr Liebhaber, sondern vor allem ihr wichtigster Förderer war und den sie mit Zeilen wie „B.I.G. comes first, then the Queen comes after” auch weit über seinen Tod hinaus feierte. Ab 1996 sollte sie zu einer der wichtigsten Rap-Persönlichkeiten überhaupt werden, arbeitete mit so ziemlich jedem zusammen, der irgendwie Relevanz hat(te) (ja, auch DJ Tomekk) und veröffentlichte zeitlose Hits wie „Lighters up“ und „Not Tonight“. Für 2019 hat die Queen B*tch ihr erstes Soloalbum seit 14 Jahren angekündigt.

12 Mimi Mercedez (Serbien)

In ihrer Heimat Serbien ist sie ein Rap-Superstar: Mimi Mercedez begann ihre Rapkarriere als Teil des Kollektivs Bombe Devedesetih. Seit 2011 macht sie sehr erfolgreiche Moves als Solo-Künstlerin und switcht da auch gern mal zu ihrem alternativen Künstlerinnennamen „Guda Iz Huda“. Allein im letzten Jahr hat Mimi zwei Soloalben veröffentlicht – diese Künstlerin hat definitiv Hunger!

13 Die P (Deutschland)

Unsere ehemalige Hauptstadt Bonn ist nicht unbedingt bekannt für eine florierende Rapszene. Im Untergrund der Rheinstadt nahm Die P (gesprochen: Die Pi) bereits vor über 15 Jahren, inspiriert vom Film „8 Mile“, erstmalig Zettel und Stift in die Hand, um einen 16er zu schreiben und battlete sich daraufhin mit fast der ganzen Schule, um an ihren Skills zu arbeiten. Für ihre erste Veröffentlichung ließ sich die Künstlerin dann jedoch ordentlich Zeit: Erst 2017 erschien ihr erstes Album „Bonnität“. Vor allem gilt Die P jedoch als wahnsinnig talentierte Live MC. Bonn sollte man also definitiv auf der eigenen Raplandkarte vermerken.

14 Invincible (USA)

Wir schreiben das Jahr 2017, Sven Kabelitz hat die wahnwitzige Idee, auf laut.de ein Jahr lang über „Die Frau in der Musik“ zu schreiben und lässt zu diesem Zweck auch prägnante Figuren aus allen Genres zu Wort kommen – so auch Kool Savas. Dieser gibt heftige Props an Gavlyn, Queen Latifah. YoYo – und Invincible. Who? Mit dem Song „Sledgehammer“ bekam Invincible Ende der 2000er einen kleinen Hype unter Liebhaber*innen. Kurz darauf folgte ein Eklat um das Musikvideo zum Song „Ropes“, der sich mit dem Thema Suizid beschäftigt. Seit vielen Jahren gibt es keine neue Musik mehr von Invincible, der*die sich nicht einem Geschlecht zuordnet. Ihre Songs haben jedoch nichts an Relevanz und Großartigkeit eingebüßt.

15 Priestess (Italien)

Priestess versteht sich selbst als Singer-Songwriterin mit HipHop-Attitüde. Dafür kickt die Künstlerin aus Apulien aber beachtliche Bars – und hat offenbar ein Faible für berühmte Frauen. So widmete sie einen ihrer erfolgreichsten Songs „Maria Antoinetta“ und veröffentlichte erst im März einen Song mit einer „Brigitte“-Bardot-Referenz. Seit 2017 macht Priestess ordentlich Welle in Italien. Ihr letztes Album „Brava“ war im April erschienen.

16 Bia Doxum (Brasilien)

Die brasilianische Rapperin Bia Doxum bringt soundmäßig alles mit, was es für eine internationale Karriere braucht. Die Rapperin, Sängerin, Komponistin und Aktivistin stammt aus São Paulo. In ihrer Musik mischt sie starke feministische und antirassistische Statements mit der vollen Palette der Latin und Black Music. Dabei wusste die Musikerin schon früh, was sie wollte: Im zarten Alter von 15 Jahren nahm sie ihre erste EP „Boletim de Omissao“ auf, die 2013 das Licht der Welt erblickte. Ein erstes Release in Albumlänge folgte 2015.

17 Ace Tee (Deutschland)

Im Winter 2016/17 ging ein Erdbeben durch die internationale Musikszene, ausgelöst im grauen Hamburg. Kurz vor Weihnachten veröffentlichten Ace Tee und Kwam.E das Video zu ihrer gemeinsamen Single „Bist du down?“ – und waren über Nacht ungefähr überall. Der Song brachte Ace Tee nicht nur einen Deal mit der Modekette H&M, sondern der Musikszene auch den 90s-Hype zurück. Seitdem ist Ace Tee regelmäßig als Featuregast unterwegs und brachte 2017 ihre Debüt-Collabo-EP „Tee Time“, ebenfalls mit Kwam.E, raus.

18 Lexie Liu (China)

Der ostasiatische Raum wimmelt nur so von großartigen Künstler*innen. Oft sind sie hierzulande durch die heftigen Internetrestriktionen in Ländern wie China, aber natürlich auch durch die Sprachbarriere schwer zu finden. Lexie Liu ist da eine Ausnahme – wohl auch, weil sie ihrem Heimatland zu Gunsten ihrer musikalischen Karriere mehrfach den Rücken kehrte. So nahm sie 2015 an einer koreanischen Castingshow teil und veröffentlichte ihr aktuelles Album „2030“ explizit in den USA. Die vielseitigen musikalischen Einflüsse hört man der Rapperin aus Changsha definitiv an.

19 Leddie MC (UK)

Denkt man an Rap aus England, denkt man an London und Manchester – aber ganz sicher nicht an Middlesbrough im Nordosten des Landes. Hier macht sich Leddie MC seit mehreren Jahren einen Namen. Erste Achtungserfolge sammelte die Rapperin als Teil des Duos L&S. Ihr erstes Soloalbum erschien 2017. Seitdem ist die Vollblut-HipHopperin in ganz England unterwegs, gewann in Chuck D einen prominenten Fan und veröffentlicht fleißig neue Musik. Ihre nächste EP erscheint am 8. November.

20 Queen Pen (USA)

Immer wieder finden in dieser Reihe auch Wegbereiterinnen des HipHop ihren Platz. Queen Pens Stimme kennt wirklich jede*r: Ihr Part auf Blackstreets Classic „No Diggity“ ist legendär, auch wenn sie im Songtitel, im Gegensatz zu Dr. Dre, nie als Featuregast benannt wurde. Zwei Soloalben später wendete sie dem Rapgeschäft den Rücken zu, blieb dem Stift aber treu: Die Queen aus Brooklyn ist inzwischen als Schriftstellerin tätig und hat mehrere Romane veröffentlicht.

21 La Nefera (Schweiz/Dominikanische Republik)

La Nefera gehört zu den umtriebigsten Künstlerinnen in der Schweizer Musikszene. Die Baseler Musikerin, die im Alter von zehn Jahren aus der Dominikanischen Republik in die Schweiz kam, war und ist Teil mehrerer Bandformationen (u.a. Vybezbilder und Error 404: Band not found). Aber auch und vor allem als Solokünstlerin macht die MC von sich reden: 2016 veröffentlichte sie ihr sehr hörenswertes erstes Soloalbum „A Lo Hecho Pecho“, seitdem gab es zahlreiche legendäre Auftritte der Publikumspreisträgerin des Baseler Pop-Preis. Für Ende 2019 wurde nun endlich ein neues Soloalbum angekündigt.

22 Tendresse (Marokko)

Nicht nur aufgrund ihres Namens ist die marokkanische Rapperin Tendresse ein willkommenes Gegengewicht zur machogeprägten HipHop-Szene. Seit Ende der 2000er ist die MC aus der Kultur nicht mehr wegzudenken. Mit ihren Texten möchte sie vor allem Hoffnung stiften – auch für junge Frauen. Dabei kann sie durchaus als veritables Rolemodel hinhalten: Dank ihrer Rapskills schafft sie den perfekten Spagat zwischen breiter Anerkennung im männlich geprägten HipHop-Biz und starken Moves, die gegen den Strom schwimmen.

23 CHIKA aka oranicuhh (USA)

CHIKA ist eine der Künstlerinnen, bei denen ich extrem froh bin, sie mir bis zum Ende meiner Reihe aufgehoben zu haben. Denn was die MC aus Montgomery in den letzten Monaten für einen Sprung nach vorn gemacht hat mit ihrer Musik, ist mehr als beachtlich. Die einst als oranicuhh bekannte Rapperin ist eine solide Adresse für HipHop-Heads, die auf der Suche nach wahnsinnig gut gemachtem, sozialkritischem, aber dennoch zugänglichen Rap sind. Starke Messages ziehen sich durch den Lebensweg der jungen Frau: 2017 startete sie die inzwischen mehrfach ausgezeichnete „Ego Challenge“, in der sie andere User dazu aufforderte, über ihre eigenen Schwächen zu singen – über Beyoncés Song „Ego“. Wenn in zehn Jahren erfolgreiche Rapperinnen gefragt werden, wer sie dazu inspiriert hat, auf die Bühne zu gehen – es würde mich nicht wundern, wenn sie den Namen CHIKA nennen.

24 Kitsuné Kendra (Frankreich)

Girls Do It Better! Das ist nicht nur (oft) Fakt, sondern auch der Name eines Pariser Künstlerinnen- und Fashionkollektivs, zu dem auch Kitsuné Kendra gehört. Seit 2018 ist die Künstlerin inzwischen nicht mehr nur primär als Fashionbloggerin unterwegs, sondern greift verstärkt selbst zum Mikrofon. Mehrere Singles sind im vergangenen Jahr erschienen, wobei expressive Outfits in ihrem Outfit natürlich weiterhin eine wichtige Rolle spielen.

25 Sabrina (Tunesien)

Als Sprachrohr der tunesischen Jugend versteht sich die Rapperin Sabrina. Ihre Texte behandeln Themen wie die hohe Suizidrate unter Jugendlichen, aber auch politische Fragen. In ihren Songs mischt sie die in ihrem Heimatland gesprochenen Sprachen Arabisch und Französisch. Mit 15 Jahren begann sie zu rappen und wurde in ihrer Musik hörbar vom Rap der 2000er beeinflusst. Ihre Musik wird heute zum Teil sogar im Schulunterricht besprochen.

26 Sammus (USA)

“Black Girl Nerd Rap” und “Feminerdcore” betitelt Sammus ihre eigene Musik. Da mein riesiges Herz für Nerds ja einschlägig bekannt ist, ist klar, dass ich Fan bin. Klar, dass bei der in Philadelphia lebenden Künstlerin Rap noch lange nicht das Ende der Fahnenstange ist: Neben ihren Skills am Mic produziert die Tausendsassa phantastische Beats, ist als Visual Artist aktiv und macht gerade ihren PhD im Bereich Science & Technology Studies. Darüber hinaus hat sie mehrere feministische Artikel veröffentlicht. Von einer vermeintlichen Man’s World lässt sich diese Frau jedenfalls in keinster Weise einschüchtern.

27 Sophiegrophy (Australien/Neuseeland/Nigeria)

Sophiegrophy ist wohl das Musterbeispiel für eine World Wide Woman. Geboren in Nigeria wuchs die junge Musikerin zunächst in Neuseeland auf. Inzwischen übernimmt sie mit einer absoluten Selbstverständlichkeit die australische Rapszene und wird vom Vice-Magazin bereits potenziell als „Australia’s First Trap Star“ gehandelt. Mit ihren 2016er Debütmixtape „Purpularity“ brachte sie sich erstmalig auf den Schirm von Fans und Medien. Seitdem hat Sophie beim Label WVS unterschrieben und mehrere Singles gedroppt.

28 Adi Amati (Deutschland)

Eigentlich will man Adi Amati gar nicht in die Schublade HipHop packen – Funk, Soul, Rap, Pop, dazu musikalische Einflüsse aus der ganzen Welt – für die Musikerin aus Kiel ist jeder Schrank zu klein. Bereits mit 14 beginnt sie, im selbstgebauten Heimstudio erste Songs aufzunehmen und gründet mit Anfang 20 ihr eigenes Label. In mehreren Formationen arbeitet sie an eigener Musik, die jedoch nie den Weg in die Öffentlichkeit schafft. 2017 setzt sie dann endlich zum großen Schlag an und veröffentlicht ihre EP „Weltenkind“, die sie in bester DIY-Manier selbst produziert und promotet hat. Irgendwo zwischen Afrosoul und Alternative Rap & Funk geht die Künstlerin unbeirrt ihren Weg und setzt dabei wichtige politische und sozialkritische Statements.

29 Ruby Ibarra (USA/Philippinen)

Als Stimme der philippinisch-amerikanischen Gemeinschaft, und vor allem als unfassbar dope Rapperin hat sich Ruby Ibarra seit dem Release ihres ersten Mixtapes einen Namen gemacht. Erste Bühnenerfahrungen hatte sie zuvor als Teil des Spoken-Word-Kollektivs SickSpits gesammelt. Neben ihrem 2017er Album „Circa91“ sind es vor allem Kollaborationen mit anderen Filipino American Artists, die für Welle sorgen. So ist der Song „Us“, der die Rapperinnen Klassy, Rocky Rivera und Faith Santilla featured, die ultimative Hymne auf Female Empowerment und thematisiert dazu die Erfahrungen der MCs als Immigrantinnen.

30 SilvA (Deutschland)

Aus aktuellem Anlass ist der Abschluss des aktuellen Female MCs-Teils einer ganz besonderen Frau gewidmet, die im vergangenen Monat leider ihren unfassbar harten Kampf gegen den Krebs verlor. Die Rap-Welt hätte es definitiv verdient gehabt, mehr von SilvA zu hören. Mit zwölf Jahren verliebte sich die Korbacherin in Rap – eine Liebe, die immer größer werden sollte. Im Internet lernte man die junge Frau als wahnsinnig ambitionierte, warmherzige und riesige Supporterin von HipHop kennen. In ihrer Wahlheimat Berlin griff sie 2008 schließlich selbst zum Mic. Sie rappte und schrieb bis zuletzt, trotz ihrer fortschreitenden Krankheit – neben ihren beiden Kids gab Rap ihr klar die Kraft, die sie so dringend brauchte. So schrieb sie selbst auf ihrer Facebookseite: „Auch wenn mir nie jemand zuhören würde, ich nie wahrgenommen werden würde und in völliger Bedeutungslosigkeit untergehen würde, wird aller Ruhm, alles Geld der Welt niemals das Gefühl toppen, welches ich habe, wenn ich am Mic stehe.“ Liebe SilvA, ich hoffe so sehr, dass es dort, wo du jetzt bist, unfassbar viele Mics gibt, die alle auf dich gerichtet sind und nur darauf warten, von dir ergriffen zu werden. Du hinterlässt eine große Lücke im deutschen Rap-Untergrund. Rest in Love!

Der letzte Teil von „365 Female MCs“ erscheint am 1. Oktober 2019. Bis dahin solltet ihr dringend die zugehörige Playlist auf Spotify abonnieren:

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