Es ist verrückt, was alles aus Wut und Trotz heraus entstehen kann. Viel Negatives, aber manchmal, manchmal auch etwas Positives. „365 Female MCs“ zum Beispiel. Nach unaufhörlichen Debatten im Internet und im realen Leben, nach dem Reeperbahnfestival und unzähligen Geschichten von anderen Frauen* aus der Szene, war es eine pure Trotzreaktion, diese Aktion zu starten. Dass sie so viel Gutes lostreten konnte, freut mich sehr. Im vergangenen Monat wurde diese Blogreihe in die Shortlist des International Music Journalism Award aufgenommen, in der Kategorie „Beste Musikjournalistische Arbeit unter 30“. Das ist eine unfassbare Ehre und ein wahnsinnig krasses Gefühl. Noch mehr bewegt mich allerdings das Feedback von Leuten aus der Szene – ich freue mich sehr, wenn Veranstalter*innen über diesen Blog auf Künstlerinnen* aufmerksam werden, die sie dann buchen. Ich freue mich, wenn HipHop-Fans ihre Playlists weiblicher gestalten, weil sie über diesen Blog neue Lieblingskünstlerinnen* entdeckt haben. Am meisten haben mich aber die Gespräche mit Rapperinnen* bewegt, die in diesem Blog eine Motivation sehen, sich immer weiter auf Bühnen zu stellen, nicht aufzugeben, egal wie viel Gegenwind es geben mag. Bitte macht unbedingt weiter – the world is listening!

Auch im August stelle ich euch wieder 31 Rapperinnen* vor. Die bisher erschienenen, bereits neun Teile „365 Female MCs“, findet ihr hier.

01 Rico Nasty (USA)

Rico Nasty ist vielleicht genau die Künstlerin, die die aktuelle HipHop-Generation braucht. Auf inzwischen sieben Releases lässt die Rapperin aus Maryland die Öffentlichkeit nicht nur an ihrer eigenen Geschichte – von der Drogen tickenden Teenager-Mum ohne Perspektive zu einer der relevantesten aktuellen Rap-Acts – teilhaben. Rico Nasty gibt in ihrer Musik der gesamten Bandbreite menschlicher Gefühle einen Raum, betreibt „Anger Management“, zeigt aber auf der Bühne auch ihre verletzliche Seite. Hört man ihre Musik, wirkt das wie eine Vollzeit-Detoxkur – alles muss raus. Jetzt! Genau dieser Umgang mit sich selbst und ihrer Umwelt ist es, der Rico zu einem der wichtigsten Vorbilder der heutigen Rap-Szene macht.

02 Hava (Deutschland)

Ein noch weitestgehend unbeschriebenes Blatt ist Hava. Im April haute sie ihre erste Single „Heartbreaker“ raus und ging über Nacht direkt viral. Mit ihrem Folgesong „Korb“ versucht die Rapperin aus dem westfälischen Hamm nun zu zeigen, dass sie kein One Hit-Wonder ist (und man sie auch nicht nur auf ihr hübsches Äußeres reduzieren sollte, wie es von einschlägigen Gossip-Medien gern getan wird). Hier sollte man definitiv die Ohren offen halten.

03 Eva Alordiah (Nigeria)

Eva Alordiah gilt nicht nur als eine der besten Rapperinnen* ihres Heimatlandes Nigeria. Die Musikerin aus Abuja versammelt mit ihren vielfältigen Aktivitäten als MC, Designerin, Make up-Artist und Gründerin ihrer eigenen Make-up-Company ihre Fanbase, die sich liebevoll „Alordians“ nennen, um sich. Darüber hinaus tritt die Allrounderin als Speakerin auf und schreibt auf ihrem Blog über Tabuthemen wie Sex während der Menstruation. Ihr bisher einziges Album „1960“ ist 2015 erschienen – nach zweijähriger Wartezeit. Hoffen wir, dass sie sich für den Nachfolger nicht mehr viel Zeit lässt.

04 Juiicy 2XS (USA)

Dass der Übergang zwischen Rap und Gesang 2019 absolut fließend ist, zeigen zahlreiche Künstler*innen auf der ganzen Welt. Eine von ihnen ist die Rapperin Juiicy 2XS (das 2XS steht dabei für „two times“, nur falls ihr vergesst, wie viele „i“s die Künstlerin im Namen trägt. Ist aber auch kompliziert heutzutage). Die MC, Sängerin, Songwriterin und Tänzerin aus Cincinnati veröffentlichte über Jahre Cover von R&B- und HipHop-Songs sowie Freestyle-Videos auf ihrem YouTube-Kanal. Inzwischen gibt es auch eigenes Material zu hören – und das kommt mit einem ziemlich nicen Vibe daher.

05 Tayna (Albanien)

Na, wann habt ihr euch das letzte Mal mit der albanischen Musikszene beschäftigt? Solltet ihr das im letzten Jahr getan haben, ist euch mit Sicherheit Tayna über den Weg gelaufen. Die in Pristina lebende Rapperin gilt als Shootingstar der albanischen HipHop-Szene. 2018 ging der Sommerhit „Columbiana“ auf ihre Kappe, seitdem legt sie regelmäßig mit Hitsingles nach. Und die klingen zum Beispiel so:

06 Flo Kennedy (USA)

Bock auf herrlich knarzige Jazz-Beats, soulful gelieferte Flows und deepe Lyrics? Dann ist Flo Kennedy eure potenzielle neue Lieblingsrapperin. 2016 erschien ihre Debüt-EP „He(art)“, und tatsächlich ist die MC aus Harlem mehr als eine Rapperin, sondern eine Künstlerin im weitesten Sinne. Sie begann schon im Kindesalter, sich mit Bleistift und Skizzenbuch die Welt zurecht zu malen, in der Schule kam sie dann in Kontakt mit Lyrik und Poetry Slams. Von dort aus war es nur noch ein kurzer Weg, bis sie ihren Vorbildern Lupe Fiasco, Common, Lauryn Hill & Co. nacheiferte. Das letzte Lebenszeichen der Rapperin kam 2018 – höchste Zeit für neues Material, wenn ihr mich fragt.

07 Big Zis (Schweiz)

Schubladen gibt es in der Welt von Big Zis ganz sicher nicht. Nur ein einziges Gesetz herrscht dort: „Big Zis dörf alles!“. Die „Hohepriesterin des Mundartraps“ (Vice) hält seit 1998 die Schweizer Rapszene von Zürich aus in Bewegung. In ihrer inzwischen neun Releases umfassenden Diskografie hat die MC mit ungefähr jedem Genre geliebäugelt und sich mit ihren klaren Ansagen gegen Sexismus und andere Formen der Diskriminierung sowie ihren gern provozierenden Texten nicht nur Freunde gemacht. Dennoch (oder gerade deshalb) gilt Big Zis als eine der wichtigsten Figuren der Schweizer Rapszene. Ihre Alben, Musikvideos und Auftritte muten oft als Gesamtkunstwerke an, so wie das 2017 veröffentlichte Neun-Minuten-Video „Hyphe Myzel Hype“. Anfang des Jahres erschien ihre neue EP „Beyond“.

08 072 (Japan)

Wie klingt eigentlich japanischer Boombap? 072 macht euch das mal vor – und es hört sich phantastisch an! Jazzige Beats, eine catchy Hook und einfach geiles Rapgeflexe – damit machte sich die MC auch über die Grenzen des Inselstaates hinaus einen Namen. 2014 veröffentlichte die Rapperin aus Hokkaido ihr bis dato letztes Album „Sol Terra Three“, zwei Jahre zuvor war ihr Debüt „Inquisition“ erschienen.

09 STL aka Stella Mwangi (Norwegen/Kenia)

Mit STL sollte man sich nicht so einfach anlegen: „If you think you in competition with me, get on ten toes“, rappt sie im gleichnamigen Song aus dem Jahr 2018. Stella Mwangi wurde in Nairobi geboren und zog im frühen Kindesalter nach Norwegen. Dort war es vor allem HipHop, der ihr als schwarze Frau ein Sprachrohr bot, so dass sie bereits im zarten Alter von elf Jahren die ersten Bühnen eroberte. Ihre Leidenschaft brachte sie 2011 schließlich auf die Bühne des Eurovision Songcontests – als Vertreterin Norwegens. Die Beteiligung an mehreren amerikanischen Filmsoundtracks sowie Werbedeals mit Samsung, Nike und anderen Brands, eine eigene Fashion Line sowie Auftritte ungefähr überall, zementieren ihren Status.

10 Lady Sovereign (UK)

Weit bevor Grime auf dem internationalen Siegeszug war, Stormzy das Glastonbury als Headliner zum Beben brachte und Skepta auf der splash!-Mainstage spielte, gab es Lady Sovereign. In den 2000ern eroberte sie die weltweite HipHop-Szene auf eine damals noch eher untypische Weise – über das Internet. Ihr Erfolg machte sie zum ersten Def Jam-Artist außerhalb der USA, ihr Debütalbum „Public Warning“ war eine Naturgewalt. Bis heute wird Sov von vielen Künstler*innen, insbesondere aus dem UK-Grime, als wichtige Inspirationsquelle genannt – und das trotz einer Big Brother-Eskapade. Seit fast zehn Jahren ist es nun ruhig um Lady Sovereign – angeblich hat sie aus gesundheitlichen Gründen seit ihrem zweiten Album „Jigsaw“ 2009 keinen weiteren Longplayer aufgenommen. Ihr Impact bleibt jedoch unbestritten bestehen.

11 Bby Mutha (USA)

Als “Underground Rap Mom” begann die zunächst recht steinige Rapkarriere von Bby Mutha auf Soundcloud. Die alleinerziehende vierfache Mutter von zwei Zwillingspärchen fand im Rap den Ausdruck, den sie (und wenn wir ehrlich sind: die ganze Szene) braucht: Ihr Auftreten ist offen, sex-positiv, aber dennoch antisexistisch und stark. Der Durchbruch gelang ihr mit dem Musikvideo zu „Rules“ 2017. Acht Releases zieren inzwischen ihre Diskografie. Mit ihnen hat Bby Mutha ganz nebenbei auch das Verständnis von Rap und Mutterschaft über den Haufen geworfen – zum einen, weil sie ihr Leben als „Single Mom“ offen in ihren Songs und auf der Bühne thematisiert, zum anderen, weil sie ihre Kids inzwischen durch ihre Musik ernährt. Was für ein krasses Vorbild!

12 Beba (Italien)

It’s a Women’s Thing! Als die Turiner Rapperin Beba 2017 auf der Bildfläche erschien, tat sie es gemeinsam mit der italienischen Producerin Rossella Essence, um ein rein weibliches Soundbild irgendwo zwischen straightem Rap und Trap zu etablieren. Inzwischen hat Beba einen Majordeal in der Tasche und ist als erste weibliche MC überhaupt auf einem Mixtape der italienischen „Machete“-Mixtape-Reihe vertreten. Nicht umsonst gilt sie als eine der Wegbereiterinnen der italienischen Trap-Szene.

13 Action Ahrens (Deutschland)

„Action Ahrens ist die Superheldin, die ihr euch nie gewünscht habt“, titelte die Vice Ende 2018. Und warum du sie nicht kennst, frage ich mich auch. Die Rapperin aus Halle an der Saale ist sperrig, ein klitzekleines bisschen größenwahnsinnig (zum Beispiel wenn sie sich mal wieder „zwischen Biggie und Bowie“ einordnet), ironisch – und absolut genial. Auf ihr 2017er Album „Es geht immer nur ums Eine“ folgte 2018 ein würdiger Nachfolger mit dem phantasievollen Titel „Es geht immer nur ums Eine 2“. Wenn sie nicht gerade solistisch unterwegs ist, teilt sie sich mit der Crew 131premium die Bühne.

14 Lauren Sanderson (USA)

Manche Artists entdecken nach jahrelanger erfolgreicher Rap-Karriere zusätzliche Einnahmequellen in der Arbeit als Motivational Speaker oder Lifecoach. Bei Lauren Sanderson lief es genau anders herum: 2016 entschied sich die heute 22-Jährige, dass Musik doch ein weitaus passenderes Medium wäre, um möglichst viele Menschen mit authentischen, positiven Inhalten zu erreichen. Und so veröffentlichte die aus Indiana stammende Rapperin kurzerhand ihre erste EP „Center of Expression“ in kompletter Eigenregie. Booking? PR? Machte Lauren alles selbst und baute sich so eine beachtliche Fanbase auf. Inzwischen hat sich ihr künstlerisches Umfeld durch einen Deal bei Epic Records etwas verändert. Ihr Erfolgsrezept – pure Emotionen auf vibenden Beats – ist jedoch konstant geblieben.

15 Mestiza (Venezuela/USA)

Geboren und aufgewachsen im venezuelischen Caracas, griff Mestiza bereits im süßen Alter von elf Jahren zum Mikrofon und begann, ihre Liebe zu Rap in Freestyle-Battles auszuleben. Besondere Aufmerksamkeit erlangte ihre gemeinsame Single mit Rapperin Neblinna. Generell ist der Support anderer weiblicher Akteure der HipHop-Szene in ihrer Heimat ein besonderes Anliegen für Mestiza. Inzwischen lebt die „Barbie Trapper“ in Miami, veröffentlicht aber auch weiterhin fleißig Singles auf Spanisch.

16 Cyrine J (Frankreich)

Cyrine J rief sich 2018 erstmalig solistisch auf den Plan. Die Jasminrevolution inspirierte die Pariser Rapperin und Jura-Studentin mit tunesischen Wurzeln, zum Mikrofon zu greifen. Rap ist für sie schon seit ihrer Jugend Katalysator für Wut und negative Gefühle. Heute nutzt Cyrine dieses Medium, um sich politisch zu positionieren – und für mehr Sichtbarkeit von Frauen in der männerdominierten Gesellschaft zu sorgen.

17 Namika aka Hän Violett (Deutschland)

„Name Namika, Na-Nador, Nabel der Welt“ – denkt man an die Frankfurter Künstlerin Namika, denkt man zuerst an ihren größten Hit „Lieblingsmensch“. Tatsächlich begann „Die Schreiberin“ ihre Karriere mit „Flow zum Gesang“ unter dem Namen Hän Violett. Ihre so betitelte, selbst produzierte erste LP vereinte – wie der Titel es vermuten lässt – Rap mit Gesangselementen, viel Boasting zu melodiösen R&B-Elementen. Und auch ihren Veröffentlichungen als Namika hört man die HipHop-Wurzeln immer wieder an.

18 Starrlight (Niederlande)

Starrlight ist eine der krassesten Live-Acts auf diesem Kontinent. Punkt. Wer die MC aus dem niederländischen Tilburg einmal auf der Bühne erlebt hat, wird automatisch zum Fan. Inspiriert von Künstlerinnen wie Bahamadia, Missy Elliott und Da Brat mischt Starrlight die besten Einflüsse aus Oldschool Rap und neuen HipHop-Stilen, kombiniert dies mit einer Technik, die man am besten als „insane“ beschreiben kann, und setzt dazu inkludierende, pro-feministische Statements (die sie in dem einen oder anderen Facebook-Post leider wieder über den Haufen wirft). Dennoch: Ihre Alben und EPs sind allesamt mehr als empfehlenswert, wenn auch kein Vergleich zu ihren Liveperformances.

19 L’originale K (Frankreich)

„MC Maman Courage“ ist nicht nur der Titel von L’originale Ks erstem Album, sondern gleichzeitig die beste Beschreibung, die es für die Rapperin aus Nantes gibt. Das hört und sieht man im Besonderen in ihrer Single „Handicapés“ aus ihrem kommenden Album „Guerrières“ (zu Deutsch: Krieger*innen). Das herzzerreißende Musikvideo zeigt den Kampf einer Mutter mit behindertem Kind. Es ist nicht das erste Mal, dass die Künstlerin einer kranken Gesellschaft den Spiegel vorhält. Erste Bühnenerfahrung sammelte L’originale K als Teil des All Female Rap-Kollektivs „lèse Majesty“ im Jahr 1997. 20 Jahre und zahlreiche Live- und Studioerfahrungen in allen möglichen Genres später verbreitet sie ihre wichtigen Messages solistisch.

20 Gifted Gab (USA)

Gifted Gab sollte man spätestens seit ihrer Collaboration mit Blimes Brixton auf dem Schirm haben. Sowohl als Teil von B.A.G., aber auch solistisch macht die Rapperin aus Seattle eine großartige Figur. Ihrer Musik hört man die Liebe zum Eastcoast-Rap, aber auch den Vibe der Westcoast an, dazu gibt es boastende Representer und Liebeserklärungen an die beliebteste Grünpflanze der Szene. Gab, die schon in Kindertagen ihre Battlerap-Attitude in Form von Disstracks an Mitschülerinnen schulte, veröffentlichte 2012 ihre Debüt-EP. Ihr letztes Soloalbum „Cause & Effect“ ist im April erschienen.

21 Meryem Saci (Kanada/Algerien)

Wenn sich eine Rapperin als „Half Human, half Unicorn“ vorstellt, hat sie meine uneingeschränkte Liebe. Meryem Sacis Geschichte ist aber auch für einen Menschen schon unvorstellbar genug. Im Jahr 2000 kam die junge Frau als Geflüchtete aus Algerien nach Kanada und landete schließlich in Montrèal. Musik rettete ihr das Leben, sagt sie heute, und so ist sie als Singer-Songwriterin, aber auch als wahnsinnig interessante Rapperin aktiv. Ihre Songs haben eine außergewöhnliche Energie, der man Einflüsse aus ungefähr allen Genres anmerkt. Ob als Teil der multilingualen Crew „Nomadic Massive“, solistisch oder als Featuregast, zum Beispiel auf dem 2017er Album der legendären französischen Rapcrew IAM – diese Allround-Künstlerin solltet ihr auf dem Schirm haben.

22 Gani (Rumänien)

Nicht nur in Deutschland waren die 2000er Jahre der lokalen HipHop-Szene von Internet-Battles und HipHop-Foren geprägt. In Rumänien machte Gani um 2004 herum erste Versuche als Rapperin in hiesigen Communities und wurde so zur ersten weiblichen MC, die im Finale der BODD-Meisterschaft stand. 2006 veröffentlichte die Künstlerin aus Bukarest gemeinsam mit S.K.Dron ihre erste Single „Cuvânt“, die Debüt-EP folgte drei Jahre später. Seit 2016 ist sie Teil der rumänischen All Female Rapformation MUZE.

23 Jennska (Deutschland)

Im deutschen Rapuntergrund irgendwo zwischen Kassel und Berlin macht Jennska sich seit nunmehr drei Jahren einen Namen, größtenteils auf kleineren Bühnen und via Soundcloud. Geil roughe Tracks mit herrlichen LoFi-Beats gibt es da zu hören, die definitiv Lust auf mehr Output der Künstlerin machen (requeste hiermit einen Collabo-Track mit Ms. Marple und Mimi – danke!). Jennska ist nicht nur als Rapperin, sondern auch als Sprayerin und Tattoo-Artist tätig.

24 Sasha Sathya (Argentinien)

Sasha Sathya mischt seit 2014 die argentinische HipHop-Szene ordentlich auf. Dabei startete die Rapperin, Produzentin und DJ aus Lomas de Zamora ihre ersten musikalischen Gehversuche in einem ganz anderen Genre: Ihre erste große Liebe galt der Gitarre, mit 13 Jahren wurde sie für eine Rock’n’Roll-Band angeworben. Heute steht der Sound der Vollblutkünstlerin, die ihre Transidentität ebenso wie ihre Homosexualität in ihrer Musik offen thematisiert und so ein wichtiges Role Model für die queere Community ist, für lebendigen HipHop, Dancehall, Reggaeton und Trap. All das ist auf ihrem im März erschienenen „ReBeba MiXXXtape“ zu hören.

25 Trina (USA)

Als “Queen of tha south” regulierte Trina ab 2000 die Geschicke des Südstaatenraps. Kein Wunder, war sie doch schon mit ihrem ersten Album beim damals legendären Label Slip-N-Slide-Records unter Vertrag. Seither gehört sie zu den Rapperinnen mit dem regelmäßigsten Output. Neben sechs Studioalben, vier EPs, elf Mixtapes und 14 Singles gründete die Rapperin aus Miami ihr eigenes Label, schmeißt ihre eigene Modelagentur und ein Modelabel, stand in einigen Filmen und Fernsehshows vor der Kamera und startete ihre eigene Sitcom.

26 Masia (Polen)

Masia ist eine der spannendsten Stimmen der polnischen HipHop-Szene und arbeitete bereits an zahlreichen Musikproduktionen im Bereich Rap, Jazz und Soul mit. Ihre charakteristische Stimme wird gern mal mit Erykah Badu verglichen, und auch ohne ein Wort Polnisch zu verstehen ist es kaum möglich, sich ihrer Wirkung zu entziehen. Ihre letzte EP „Bezkres“ mit Producer Salvare ist 2016 erschienen.

27 Salt-n-Pepa (USA) [300/365]

Salt-n-Pepa kommen in der HipHop-Geschichtsschreibung nicht ganz so oft vor wie Run DMC, N.W.A. und Gang Starr – dabei kann ihr Impact auf die einst noch junge Szene gar nicht überschätzt werden. Bis heute gehören sie mit über 15 Millionen verkauften Platten zu den erfolgreichsten Rap-Artists überhaupt. Ihre Songs und ihr ganzes Auftreten standen für Sisterhood, Sex-Positivity und Feminismus und brachten Cheryl „Salt“ James, Sandra „Pepa“ Denton und Deidra „DJ Spinderella“ Roper 1995 als eine der ersten weiblichen Rap-Acts überhaupt einen Grammy ein. Seit 2005 steht das Trio wieder vermehrt auf der Bühne und arbeitet aktuell an einer autobiographischen Mini-Serie.

28 Kitty Kat (Deutschland)

Mitte der 2000er Jahre, als Deutschrap geprägt war von der großen Straßenrapwelle, und MTV und Viva das Game noch regulierten, gab es hierzulande kaum sichtbare Rapperinnen – mit einer Ausnahme: Kitty Kat war die First Lady des Berliner Erfolgslabels Aggro Berlin. Zunächst ein Mysterium, das öffentliche Auftritte mied und lange Zeit ein Geheimnis um ihr Aussehen machte, trat sie ab 2006 erstmalig als Featuregast auf verschiedenen Singles in Erscheinung. Nach dem Ende von Aggro folgte ein Deal mit Universal Music sowie 2009 das Debütalbum „Miyo!“. Parallel dazu begann die Berlinerin, als Songwriterin auch für andere Künstler*innen tätig zu sein und erzielte so mit mehreren Singles der Band Glasperlenspiel Chartplatzierungen. Doch auch am Mic ist Kitty Kat nach all den Jahren noch aktiv – 2018 erschien ihr bis dato letztes Album „Love & HipHop“.

29 윤미래 Yoonmirae aka Tasha Reid (Südkorea/USA)

Südkoreanischer Rap hat es in sich – und Yoonmirae aka Tasha Reid gilt als eine der besten, wenn es um HipHop in ihrer Wahlheimat geht. Die in Texas geborene MC kam als Kind nach Südkorea, in die Heimat ihres Vaters. Ihre Rapkarriere begann dort eher zufällig – als sie einen Freund zum Casting für eine Rapcrew begleitete, wurde sie entdeckt, als sie vor der Venue selbst ein paar Bars spittete. So wurde Tasha 1997 mit gerade mal 16 zunächst Teil der Crew Uptown und stand dann als eine Hälfte des Duos Tashannie auf der Bühne. 2001 startete sie schließlich ihre bis heute anhaltende, sehr erfolgreiche Solokarriere.

30 Savannah Hannah (USA)

Seit einem Jahr führt Savannah Hannah einen recht stabilen Soundcloud- und YouTube-Grind, der Appetit auf mehr macht. Bereits zu Schulzeiten konnte die in der Bronx geborene und inzwischen in Dallas lebende Rapperin nicht von Stift und Schreibblock lassen. Die viele Übung hat sich gelohnt: Savannah Hannah hat ein feines Gespür für qualitativ hochwertige Ohrwürmer. Ob als Savannah Hannah oder unter ihren Alter Egos Hannah Teflon oder Malibu Hannah – von dieser MC wird man sicher noch hören.

31 Kumba (Schweden/Gambia)

„Fakka me nig“ ist definitiv eine meiner Lieblingsentdeckungen der letzten Monate. Das Musikvideo ist wie eine dezent ironische Hommage auf die gesagte HipHop-Historie – und Kumba eine phantastische Rapperin. Die aus Gambia stammende und in Malmö und Landskrona aufgewachsene MC begann Anfang der 2000er Jahre zunächst auf Englisch zu rappen. Schwedische Rapperinnen wie Lilla Namo und Linda Pira inspirierten sie schließlich, sich der Schwedischen Sprache zu bedienen. Neben ihren Ambitionen als Musikerin ist Kumba auch als Model tätig.

Teil 11 von „365 Female MCs“ erscheint am 1. September 2019, mit 30 weiteren Rapperinnen. Die volle Breitseite Female Rap findet ihr auch in meiner Spotify-Playlist:

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